Das Wunder von der Weser – Reloaded! Part I

Bild mit der Überschrift auf grünem Hintergrund und dem Flutlichtmasten: There is a light that never goes out.

Diese Saison ist anders. Corona hat uns verboten ins Stadion zu gehen. Seit Wochen gibt es nur Geisterspiele im TV. Auch wenn wir Fans nicht ins Stadion dürfen, halten wir erst recht die Fahne hoch, denn – Werder bangt um den Klassenerhalt. Diesmal ist es so richtig ernst geworden. Nach dem Spiel gegen Köln habe ich mir mein MacBook geschnappt, um euch mitzunehmen auf eine Reise. Die Reise als Fan vor dem Spiel, währenddessen und den Tag danach. Ein Beitrag ohne Fotos, dafür voll mit Worten von Herzen.                   Auf ein Spiel!

Der Tag davor

Es gibt wirklich viel zu erzählen. Ich weiß noch nicht genau in welche Richtung dieser Beitrag gehen soll. Er soll ehrlich werden und aus tiefstem Herzen sprechen. Viele halten mich für verrückt, wenn es um Fußball geht. Nach diesem Beitrag habt ihr vielleicht ein Bild davon, wie es ist, um die Relegation zu spielen – aus der Sicht eines Fans. 

Spulen wir die Uhr einfach um 36 h vor Anpfiff zurück. Das ich ein Musikmensch bin und viele Überschriften in meinen Beiträgen von Songs geklaut sind, wisst ihr, wenn ihr meinen Blog schon länger verfolgt. Ich hab fast immer Musik im Ohr. So wie auch an jenem Morgen vor dem letzten Spieltag. „Conquest of Paradies“. Der Abschiedssong von Henry Maske. Theatralisch? Kann ich! 

Was wäre, wenn..

Ich putze also meine Zähne. Der Song spielt im Hintergrund. Schonmal mit Gänsehaut Zähne geputzt? Das ist Abstiegskampf! Es ist soviel schief gelaufen diese Saison. Ich möchte mich nicht auf der Verletzungsphase ausruhen und alles damit erklären. Aber das Pech saß uns direkt im Nacken. Ich bin angespannt. In meinem Kopf spiele ich etliche Szenarien durch. Was ist, wenn wir gewinnen, Union Berlin gewinnt. Was ist wenn eines davon nicht zutrifft. Was, wenn wir absteigen? Wer geht, wer bleibt? Bleibt Kohfeldt? Oh, er muss bleiben! Ich glaube an ihn, an die Mannschaft. An das Wunder von der Weser. 

Ein nächster Song reißt mich aus meinem Gedankenchaos und ich komme wieder in der Realität an. Sie heißt Freitag – „los geh in die Arbeit, du kommst sonst zu spät!“

Klopf klopf, hier spricht das Wochenende

Viele Freunde rufen an. Sie drücken mir und dem SVW die Daumen. Ich realisiere, wie schnell eine Woche vorbei sein kann. Sonst wünscht man sich so sehr ein Wochenende herbei. Nun steht es vor der Tür und ich will es nicht. 

Meine Arbeitskollegen fühlen mit mir. Auch sie merken, hier ist jemand komisches erschienen. Wer bist du und was hast du mit Nadine gemacht? Der Tag geht wahnsinnig schnell vorbei und ehe ich mich versehe, liege ich im Bett. Ich liege lange wach. Die Gedanken kreisen. Schlafen kann ich nur schlecht.

Schlaflose Nacht

Der letzte Abstieg ist 40 Jahre her. Ich habe ihn nicht erlebt. Nach direktem Wiederaufstieg fingen die goldenen Werder-Jahre an. Aber können die nicht anfangen, ohne abzusteigen? Nach der Pressekonferenz gegen Mainz hat Florian so emotional reagiert, dass ich selbst schlucken musste. Ich bin seit Stunde Eins Fan von ihm. Für mich passt er zu Werder, wie die Remoulade ins Fischbrötchen. 

Genug nachgedacht, der Wecker klingelt und ich muss tatsächlich in die Arbeit. Ja, auch samstags. Mist! Aber wenn alles gut läuft, sehe ich die komplette 2. Halbzeit!

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nadine. Mein Name. Er stammt aus dem Russischen und bedeutet Hoffnung.                                   Farbe der Hoffnung: Grün. Geboren am 18.09.90 in Bremen. Steckt doch tatsächlich das Gründungsjahr von Werder drin. Wenn das kein Zeichen ist?!

Je näher die Uhr auf 15:30 Uhr rückt, desto nervöser werde ich. Meine Nerven liegen blank. Die Würzburger Kickers siegen in der 3. Liga. Ich habe den kurzen Gedanken: „ Wenn die Kickers aufsteigen und Werder wirklich absteigen sollte, kann ich wenigstens zu Fuß ins Stadion gehen.“ Mein Trostpflaster. Es ist eine Achterbahnfahrt den Tag über. Mal denke ich mir wieder wie schön es wird, wenn heute alles für uns läuft, dann wieder so. Ich habe meine Gedanken nicht mehr unter Kontrolle. 

16:00 Uhr – Feierabend. 

El Presidente. 

Diesen Materia-Song hab ich mir auf die Ohren gelegt. Ich lege den Sprint meines Lebens hin, um noch gemütlich die 2. Halbzeit gucken zu können. El Presidente. Der Fussball. Verbrannt. Der DFB schürt ein Feuer, wir tanzen um dieses herum und der Rest guckt zu, wie das Geld verbrennt. Erst vormittags hatte ich darüber eine Diskussion via Instagram. Viele haben nicht verstanden, was eigentlich im Hintergrund passiert. Vereine mit Tradition sind teilweise dem Untergang geweiht. Und das Schalke der nächste Verein sein kann, kündigt sich seit der letzten Saison und den letzten Spielen auch an.

„Yeah reite die Welle, verprass´die Million.

Bau dir einen Palast und bewach deinen Thron.

Sitzt auf deiner Zitadelle mit ´nem Fernglas aus Chrom.

Genieß deine Zeit bis zur Revolution.“

Wahre Worte von Materia. Vor kurzem habe ich erst Plakate in der Stadt hier in Würzburg von der Nürnberger Nordkurve gesehen, welche diese „Revolution“ fordern! Chapeau! Danke, dass ihr das startet!

Anpfiff – 90 Minuten Gefühlschaos

Flo, ein Arbeitskollege schickt mir den Spielstand durch. 1 : 0 Werder. Eine Minute später: 1 : 0 Union. Ich muss mich zurückhalten, ich bin mitten in der Stadt. Auf der wohl bekannten Mainbrücke erreicht mich dann wieder die Nachricht. Nun mit: 2 : 0 und danach gleich 3 : 0. Das wars. Ich kann die Tränen nicht mehr zurückhalten. Morgen denk ich mir bestimmt wieder, dass ich schon einen Knall habe. Aber der Fußball macht das einfach mit mir. Auch wenn es wahrlich schlimmeres im Leben gibt. Jeder hat eben sein Laster. 

Das Beste (Spiel) kommt zum Schluss

Endlich kann ich das Spiel gucken. Den Spielstand kann ich immer noch nicht richtig fassen. Dann das 4 : 0. Den Frust der letzten Wochen schreie ich mir von der Seele. Mein Kater sucht das Weite und liegt den Rest des Spiels unter dem Bett. Kurz darauf das 5 : 0. Ist das alles gerade wirklich wahr? Union Berlin führt mittlerweile mit 2 : 0. Auf der Bremer Tribüne wird fleißig mit allen verfügbaren Mitteln, Stimmung gemacht und angefeuert.

So wird also mit einem Hammer gegen alles was da ist gehämmert. Und nach dem 5 : 1 folgt das 6 : 1.  Union Berlin führt zum Schluss mit 3 : 0. Das ist er. Der Anfang vom „Wunder von der Weser“. Es wird applaudiert. Nach Abpfiff geht Florian Kohfeldt vom Platz. Ich denke, der Moment sei ihm gegönnt. Im Hintergrund des Bremer Weserstadions (Name wurde bewusst gewählt) läuft die Union Berlin Hymne. DANKBAR gehen alle vom Platz. Danke Union Berlin, dass ihr das möglich gemacht habt.

Ein persönliches großes Danke geht an Ujah, der die Union in Führung brachte und das zweite Tor vorbereitete. #einmalwerderimmerwerder

Der Tag danach

Ausgeschlafen. Jetzt steht mir der Cursor gegenüber und ich verfasse die ersten Zeilen für meinen Blog. Ich bin noch immer überwältigt von diesem Spiel und kann nicht fassen, dass es einfach geklappt hat.  Es ist Beweis genug, dass im Fussball immer noch alles möglich ist, wenn man die Hoffnung nicht aufgibt. 

Auch im Leben ist jeden Tag immer noch alles drin. Zu oft stecken wir den Kopf in den Sand, geben zu schnell auf. Wenn uns mancher ein Wunder vorlebt, dann sollte es der lebende Beweis sein, es auch schaffen zu können. Jeder von uns. 

Auf die Grundeinstellung kommt es an

Warum können wir nicht von Grund auf darauf vertrauen? Viele haben mit mir diskutiert. Den SVW schlecht geredet. Am Ende haben wir gewonnen. Und die ganzen „Hass-Kommentare“ sind hinfällig. Ich kann diese Negativität nicht mehr hören. Ich möchte sie auch nicht mehr lesen. Ein Respektvolles Miteinander und der Umgang auf Augenhöhe bringen weit mehr als Eure Schwarzmalerei. Totgesagte leben länger! 

Wir gehen mit in die Relegation und erhöhen um 180 Minuten

Relegation. Nervenkitzel. Alles steht Kopf. Ist es verschobenes Glück oder die verschobene Niederlage? Wir haben momentan die Frist auf eine der beiden Komponente verlängert. Anfang Juli wissen wir mehr. Danach werde ich mich für einen letzten Blog Beitrag der Saison 2019/2020 melden. 

Überwältigt

Danke an unzählige Nachrichten, die mich immer von Freunden erreichen, mit dem der Kontakt oft nicht über ein paar Nachrichten im Jahr hinausgeht. Danke, dass ihr an mich und den SVW denkt. An Alle die mitgefiebert haben und sich für uns freuen! Wir sehen uns!

Auf ein Relegationsspiel! Wir glauben daran!

Autor: aufeinspiel

Nordisch by Nature!

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