Endspurt

Ein letztes Mal in dieser Saison heißt es für mich früh aus den Federn. Das letzte Spiel, bei dem ich meine Werder-Jungs lauthals unterstützen kann. Europa steht auf der Tagesordnung. Für mich heißt das: nochmal alles geben. Wie das Spiel ausging und was ich da noch zu sagen hätte… Hier auf ein letztes Spiel in der Saison 2018/2019.

Wir machen den Unterschied

In dem letzten Beitrag von Olaf  „Fußballgott ist tot“ wurde schon alles gesagt. Ich war mehr als nur sauer und enttäuscht vom DFB-Pokal Halbfinale. Ich hoffe der Siebert steht jeden Morgen vor dem Spiegel und schämt sich. Was habe ich mich aufgeregt! Wie ich es hasse, ungerecht zu verlieren. Es ist einfach so passiert. Und egal was du machst und sagst, wenn derjenige mit der Macht in der Hand anders entscheidet, hast du nix mitzureden. Gefühlt hätte kein anderer Verein auf dieser Welt diesen umstrittenen Elfmeter bekommen. Jeder Schiedsrichter wäre zumindest kurz rausgegangen, um sich die Situation noch einmal in Ruhe anzusehen. Ein Herr Siebert nicht. Ja, das ist der Unterschied zu uns Fans und dem FC Bayern. Der Unterschied auch, nicht immer die Mittel zu haben, die anderen zur Verfügung stehen. Trotzdem da zu sein. Als Fans und auch als Mannschaft. Ich kann mich an keine einzige geile Choreo der Bayern erinnern. Alles, was mich an die Bayern erinnert ist ein einziger Kasten Bier. Nur dass es da nicht 11, sondern 16 Flaschen sind. Aber jetzt fahren wir erstmal nach Düsseldorf

Abfahrt

Um 9:00 Uhr fährt der Zug aus München in Würzburg ein. Wagen 25. Da sitzen sie ja schon. Meine GWM’ler. Herrlich. Nach einer Druckbetankung Kaffee und 2,5 Stunden Fahrt, sind wir auch schon in der Stadt der Fortuna angekommen. Wer jetzt denkt, wir gehen gleich mal ein Bier trinken — falsch gedacht! Erstmal gibt es Käsekuchen! Der Beweis folgt auf diesem Foto hier. 

Werderfans bei Kaffee und Kuchen
Beweisfoto! 🙂

Elia ist schon ganz nervös und traut seinen Augen nicht, als wir ihn wirklich mit in das Café nehmen. Heute wollten wir mal was anderes machen! Gesagt, getan! Nach einem wirklich kurzen Aufenthalt, auch Elia zu liebe, machen wir uns dann aber auf in eine nahegelegene Kneipe. An den Namen kann ich mich gar nicht mehr erinnern, nur, dass es da ein ganz furchtbares Altbier gibt. Füchsen! Hatte ich doch vor kurzen noch in Gladbach ein sensationelles Bolten getrunken. Jetzt das. Das muss man erstmal sacken lassen. Auch mein Onkel und sein Ehepartner treffen endlich ein. Ein großes Wiedersehen. Man trifft sich eben doch öfter, wenn man Fans vom gleichen Verein ist. Immerhin spielen die öfter, als der Weihnachtsmann.

Werder Fans in der Kneipe bei einem Bier
Auf ein Spiel mit TWERDER und GWM

Auf zur „Spiel-Arena“

Richtig gelesen: Merkur Spiel-Arena um ganz genau zu sein. Und das hat es damit auf sich: 54.600 Zuschauer können hier einen Spieltag ansehen. Hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Damit ist es auch das achtgrößte Stadion in Deutschland. 3,5 Millionen Euro bekommt der Verein dafür, dass das Stadion diesen Namen trägt. Sollte die Fortuna innerhalb der nächsten 10 Jahre absteigen, liegt der Betrag noch bei 2,75 Millionen Euro. MERKUR SPIEL-ARENA, das sind Spielhallen, Wetten, Suchtunterstützer. Viele namentlich bekannte Spieler machen hierfür Werbung. Na, wer hat jetzt auch Sebastian Schweinsteiger´s Schwarz-Weiß Werbespot vor Augen? Oder den von Oliver Kahn? Große Haie wie der BVB und der FCB haben Verträge mit diversen Sportwetten Anbieter. Das stinkt doch zum Himmel! Wer jetzt nicht genau weiß, wovon ich spreche, der klickt einfach mal hier auf das Video.

Wie war das mit dem Unterschied? Wer seine Seele verkauft hat und wer über Leichen geht, ist bei den großen Vereinen wohl genau richtig. Hauptsache der Rubel rollt. Fußballer haben große Verantwortung zu tragen. Sie sind große Idole vieler kleiner Nachwuchstalente und Kindern. Aber darauf wird keinen Wert gelegt. Die Gesellschaft will ja bei Laune gehalten werden. Inwieweit ist das denn alles noch vertretbar? Machen sich die Spieler denn auch nur ein einziges Mal Gedanken darüber, was sie im TV für Scheiße erzählen? Und dann steht da Dick und Fett Merkur Spiel-Arena drauf. Das ist auch der Grund, warum ich gar nicht weiter mehr über Stadion und deren Tradition erzählen möchte.

Weiter im Text

Nach gefühlten 100 lieblosen Ticketkontrollen später sind wir endlich da. Man wird besser durchsucht als an manchen Flughäfen. Und da huscht mir auch noch Heiko vor die Linse. Für mich schon jetzt ein gelungener Tag. Bratwurst und Bier sind preislich total in Ordnung und das Beste, man kann hier überall Bar bezahlen. Keine Schnick-Schnack Karte und kein langes Anstehen. Das Bier hier ist übrigens das Alt, von dem ich euch zuvor berichtet habe. 

3 Werderfans vor dem Spiel
Ein Heiko kommt selten allein

Alles für Europa

Auf ein Spiel Karte in einem Ticketautomaten in der Bahn
Das Ticket für Europa habe ich auf jeden Fall gelöst

Das Wetter ist eher bescheiden. Erst kurz bevor es losgeht, kommt die Sonne raus. Bei Anpfiff und voller Vorfreude folgt der erste Dämpfer in der ersten Minute: Wir liegen 0 : 1 hinten. Schockstarre. Glatt kommt mir das Altbier fast wieder hoch. Ich ahne schlimmes. Das Pokalspiel war sehr Kräftezerrend. Das wird mir erst jetzt auch bewusst. Aber im Gegensatz zu andern Vereinen, geben wir niemals auf. Also geht es weiter mit Fangesängen. 22. Minute 0 : 2. NEIN! Durch die guten und die schlechten Zeiten denke ich mir in der Sekunde und bin trotzdem noch dabei. 

Schild im Vordergrund mit der Aufschrift: Sportpark Nord/Europaplatz
Ob das heute hier in Richtung Europa geht?

25. Minute. Der Schiri zeigt nach dem VAR auf den Elfmeterpunkt. Für uns. Sowas traut man sich? Uns einen Elfmeter zu geben? Ich kann es kaum glauben, Kruse verwandelt sicher. Es geht Schlag auf Schlag. Die Kurve ist laut. Wir sind wieder da und das Spiel ist noch total offen. 

Offen bleibt nach der 2. Halbzeit auch der Ausgang für Werder am Ende der Saison. Nach 2 weiteren Treffern von Düsseldorf und einem Endstand von 4 : 1 wird es nochmal richtig knapp für die Werderaner für den internationalen Auftritt.

Egal-wo-du-auch-spielst

Ein komisches Spiel. Nähstunde für Klaasen, vielen Auswechslungen, gelben Karten und einem schlechten Spielverlauf. Ein positiver und nennenswerter Pluspunkt — es war schön in der Halbzeitpause das Lied von den Hosen: „Bayern“ zu singen. Das tat gut. Nach all den Strapazen der vergangenen Tage.Normalerweise ist meine Laune im Keller. Heute aber haben mich diese tollen Menschen begleitet und das macht manchmal den Unterschied. 

Das war der vorerst letzte Beitrag für die Saison. Ich persönlich gebe Europa erst auf, wenn es rein rechnerisch nicht mehr möglich ist. Bei Werder ist alles möglich. Wir machen den Unterschied. Ich bedanke mich bei euch für die Treue auch diese Saison über. Für die tollen Gespräche, die ich mit vielen führen dürfte und der Beginn toller Freundschaften über diesen Blog. Ich freue mich, wenn ihr auch nächste Saison wieder mit am Start seid! 

AUF EIN SPIEL!

DIE WIR WOCHE – Round 1 – FIGHT!

Man könnte sagen, es sei das Vorspiel auf das, was uns im DFB-Pokal erwartet. Dies wird ein etwas anderer Beitrag. Ein Beitrag in 2 Akten. Heute bin ich in dem Stadion, in dem es tatsächlich Popcorn gibt. Ich bin zu Gast beim FC Hollywood. Die Bayern. Heute in München, Mittwoch im Pokal. Den 1. Akt gibt es von mir, den Nachschlag von Olaf Kretschmer. Was dieses Mal alles anders ist, könnt ihr hier nachlesen. Auf ein Spiel in der bayerischen Landeshauptstadt. 

Stolz auf unseren Fisch!

Es geht also mal wieder in aller Frühe los. Angekommen am Würzburger Hauptbahnhof, begegnen mir schon die ersten roten Gestalten. Ich sehe mich um. Jap, ich bin die Einzige in Grün-Weiß hier. Na Bravo. Das geht ja gut los, denke ich mir. Natürlich bin ich auch nicht inkognito. Das fällt auch schnell den Fans der gegnerischen Mannschaft auf. Schnell gehen die Gesänge los mit: „Was ist Grün und stinkt nach Fisch?“ – Euch wir das Lachen noch vergehen denke ich. Wenn nicht heute, dann im Pokal. Ab in den Zug. Eine kleine Schickimicki-Familie unterhält sich am Nebentisch über das heutige Spiel.

Sonnenaufgang in Würzburg
Morgens in Würzburg. Aufbruch nach München

München ist Grün-Weiß

München Ankunft 10:45 Uhr. Treffpunkt 11:00 Uhr am Marienplatz. Großes Wiedersehen alter Gesichter. Jetzt aber schnell zum Einsingen. Dort mit dem Ritual begonnen, gehen sofort die Handy Kameras der Touristen an. Ich komme mir vor, wie Brad Pitt, der auf einer Stunde Meet & Greet zu sehen ist. Wir scheinen DIE Attraktion. Sofort steigt das Wir-Gefühl, die breite Brust gegen die Bazis – und die Sonne scheint im vollen Glanze. Kaiserwetter. Besser kann es doch nicht sein. Um 13:00 Uhr geht es dann auf gen Stadion. Die einzigen Fans die Laute von sich geben sind definitiv WIR. Das ist allerdings aber auch nichts Neues :-).

2 Freunde auf dem Marienplatz im Werder Trikot
Neulich auf dem Marienplatz

Die Geschichte der Allianz Arena

Viele meiner treuen Leser wissen, dass ich oft über Stadien und deren historische Geschichten schreibe, hier ist das, was ich über die Arena finden konnte.

Die Vision war 1997: Fußball schauen als wahres Erlebnis. Die Stadt München hatte dafür plädiert, nicht ein neues Stadion zu bauen, sondern eher das Olympiastadion für geplante Zwecke zu nutzen. Rund 500.000 DM waren als Investition geplant. Nach langem hin und her kam es 2001 zu einem Bündnis zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Bayern München. Jetzt stand auch fest, dass es ein neues Stadion geben wird. Es gab sogar einen Bürgerentscheid, bei dem die Mehrheit dann für den Bau des Stadions in Fröttmaning stimmte. Beide Vereine teilten sich die Anteile zu jeweils 50 %. Man entschied sich für den Bau von Herzog und de Meuron. Dank 700 Bauarbeiter die gefühlt, 24/7 die Woche arbeiteten wurde der Rohbau 2004 fertig. Der erste Sitz übrigens wurde an meinem Geburtstag des Double Jahres des glorreichen SVW angebracht. Das erste Ligaspiel bestritten am 05.08.2005 der FC Bayern und die Fohlen aus Gladbach vor 66.000 Zuschauern. Damals gewann der Gastgeber mit 3 : 0. Mittlerweile hatte man die Zuschaueranzahl auf 75.000 erhöht. Wie wir alle wissen, hatte der TSV das Mietverhältnis Mitte 2017 aufgehoben und wird nie wieder in das Stadion zurückkehren. 

Blick auf das Spielfeld der Allianz Arena aus der Gästekurve
Forza SVW

Alle Jahre wieder

Schon wieder der Jakobsweg von der U-Bahn zum Stadion. 1000 Stufen, die erklimmt werden möchten. Da hat man die Stadionbratwurst doch gleich wieder verbrannt. Oben angekommen, gibt es von den Ultras weiße T-Shirts zu kaufen. „Alle in Weiß nach München“ hieß es. Natürlich unterstütze ich meine Mannschaft mit dem Support und die Ultras für die Nächste Choreo damit. Und das WIR Gefühl steigt noch mehr.

Am Bratwurststand sehe ich dann doch tatsächlich, dass es auch Popcorn gibt. Für schlappe 4 Euro. Es ist ein Stadion, kein Kino! Auch, wenn manch Schauspieler gerne auf dem Rasen der Arroganz-Arena zum Einsatz kommt. Apropos Schauspieler. Lustig fand ich auch den Kommentar von Thomas Müller, der doch tatsächlich nach dem Düsseldorf Spiel behauptete, er würde nie einen Elfmeter verwandeln, wenn dieser unberechtigt vom Schiedsrichter vergeben worden sei. Klar, Herr Müller würde so etwas nie machen. 2016 Werder gegen Bayern im Pokal Halbfinale. Vidal´s Schwalbe forderte unfairer Weise den Elfmeter für die Rot-Weißen. Was habe ich damals getobt vor dem Fernseher. Das ganze Spiel wäre anders ausgegangen, hätte Vidal damals fairen Fußball gespielt. Schwalbe hin oder her. Wer hat den damaligen Elfmeter verwandelt? Kein anderer als Herr Thomas Müller höchstpersönlich.

Manchmal frage ich mich, ob der Typ nur einmal nachdenkt, bevor er den Mund aufmacht. Eher unwahrscheinlich. Dieses Jahr haben wir etwas gutzumachen. FORZA SVW!

Bus der Werder Mannschaft vor dem Hotel
Hier regiert der SVW

Wir und sonst keiner 

Ab in den Block. Alle in Weiß. Die Fans, das sind WIR. Die Stimmung ist von Anfang an famos. Jeder ist heiß auf dieses Spiel und es liegt in der Luft, dass heute mehr drin ist. Heute gehen wir im wahrsten Sinne des Wortes — STEIL! Das ist die Arena nämlich auch. Hier hat man übrigens wirklich Höhenangst, wenn man unter dieser Phobie leidet. 

Es geht los und die Erste Halbzeit wird angepfiffen. Die Münchener Fans halten während des Spiels noch ein Banner hoch. Was das wohl heißen mag, wissen die Anhänger nur selbst. Ich kann mir bis heute noch keinen Reim darauf bilden. Gerne Anregungen an mich :-). 

Ein Banner mit einer Aufschrift der Bayern Fans
Wer kann hier behilflich sein?

Die Bremer stehen hinten. Die Bayern blitzen zwar ab und zu durch, kommen aber zu keinem Erfolg. Die erste Halbzeit ist relativ ausgeglichen und ich bin wie in Trance in der Kurve und singe lauthals zu dem Takt der Trommel. Das ist Musik. Je mehr Energie von uns aus geht, desto mehr Energie haben die Spieler. Das bilde ich mir zumindest ein. Nach 45 Minuten und einem 0 : 0 ist einfach noch alles drin. Die Stimmung ist weiterhin am Kochen. Das bleibt sie auch bis wir die 58. Minute schreiben. Da sieht Milos Veljkovic nämlich rot. Ich übrigens auch. War das wirklich nötig?!

Jetzt spielen wir nur noch zu zehnt! Muss denn immer ein Spiel auf diese Art und Weise entschieden werden? Ca. 20 Minuten später klingelt es dann auch für die Gastgeber. Ich könnte kotzen! Da jubeln wieder die Erfolgsfans. Es ist unerträglich. Hoffentlich muss ich das heute nicht noch ein zweites Mal ertragen. Wir geben noch einmal Vollgas. Ein Unentschieden wäre unfassbar wichtig und gut! Leider kommt es zu keinem weiteren Tor. Ein Tor der Grün-Weißen hätte mir gut gefallen. 

Fans in der Kurve
Hauptsache wir haben Spaß

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Nicht nur eine Serie geht zu Ende. Die Serie, 2019 noch kein einziges Mal verloren zu haben, sondern auch die, in jedem Spiel als einziger Bundesligist getroffen zu haben, ist nun vorbei. Beider wurden wir heute beraubt. 

Eine Serie gibt es allerdings noch. Die, im Bremer Weserstadion Zuhause im Pokal seit 1988 ungeschlagen zu sein. Der Pokal schreibt eben seine eigenen Gesetze und über die wird Euch Olaf Kretschmer im nächsten Beitrag, in Runde 2 berichten! 

Schicht im Schacht

Viertelfinale 2019. Das Finale erreicht 1989. 1999 den Pokal gegen die Bayern gewonnen. 2009 Finale Berlin. Titelträger wieder der SVW. 2019. Ihr erkennt ein Muster? Auf geht es heute nach Gelsenkirchen auf ein DFB-Pokal Spiel. 

Wenn die Ferne ruft

13:30 Uhr. Ich werfe mich in mein Werder Trikot und düse zum Würzburger Hauptbahnhof. Dort treffe ich auf Chris (der übrigens den ersten Gastbeitrag hier auf meinem Blog verfasst hat). Gemeinsam werden wir von Anne eingesammelt und es geht mit dem Auto gen Pott, um den Pott ein Stück näherzukommen. 4 Stunden Fahrt warten auf uns. Mit guten Werder Liedern, bei denen wir noch in Erinnerungen schwelgen, ist die Fahrt schneller rum, als gedacht. 7000 Fans reisen heute für den Sportverein in die Veltins Arena auf Schalke. 

Blick auf das Spielfeld
Calm before the Storm

Glück auf

Das Licht geht aus. Viele kleine wieder an. Im Hintergrund beginnt die Melodie des Steigerliedes. Das hat Tradition. Früher sang man das Lied als Kumpel des Bergbaus. Die einen sagen, dass Stück diente dem Glauben an die Hoffnung nach gefährlicher Arbeit wieder ans Tageslicht und zur Familie zurückzukehren, die anderen sagen, das Lied wurde gesungen, damit sich die Schätze des Berges auftun. Somit war es als Glückslied zu betrachten. Vor allem erinnert es mich aber an eine Stadt und ein Stadion, die mich weit in eine andere Zeit schleudern. Das Schwarz-Weiß Video auf dem Würfel unterstützen meine Reise in die Vergangenheit. Und wenn ich gerade schon dabei bin über Vergangenes zu sprechen, dann doch bitte auch über den wichtigsten Grund des Abends. Den DFB-POKAL.

Das Licht im Stadion ist aus. Kleine Lichter sind zu sehen während das Steigerlied läuft
Glück auf, der Steiger kommt

Zurück zum Ursprung

Früher hieß der noch „Tschammerpokal“. Benannt nach seinem Namensgeber Hans Tschammer, Reichssportführer der National Sozialisten. Am 06.01.1935 ging der Wettbewerb mit unglaublichen 4.000 Mannschaften in die Erste Runde. Damaliger Gewinner am 08.12.1935 war der 1. FC Nürnberg. Schalke 04 unterlag damals dem 1. FCN mit 2 : 0.

1938 beschloss der Deutsche Fachverband Fußball, dass nun auch österreichische Vereine an dem Wettbewerb teilnehmen dürfen. Und so standen sich im selben Jahr, Rapid Wien und der FSV Frankfurt am Ende gegenüber. Das Spiel entschieden die Österreicher für sich mit 3 : 1. 

1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Der Pokal blieb weiterhin bestehen, das Finale wurde jedoch erst ein Jahr später ausgetragen. Gewinner war wieder Nürnberg, die sich zum zweiten Mal den Titel sicherten. 

1943 in Stuttgart, gewann der First Vienna FC gegen den Luftwaffen-Sportverein Hamburg die Letzte Trophäe unter diesem Namen. Endergebnis: 3 : 2. Der Tschammerpokal war ab da an Geschichte.Knapp 10 Jahre lang wartete der Pokal in Wien auf einen neuen Besitzer.

1952 gingen dann erstmals 32 Vereine für den „DFB-Vereinspokal“ ins Rennen. Gewinner nach 10 Jahren Unterbrechung war Rot-Weiß Essen. Das Hakenkreuz am Pokal selbst, wurde lediglich mit einer Plakette mit dem DFB-Logo ersetzt. Seit 1964/1965 gibt es dann den offiziellen Pokal, den wir alle heute als DFB-Pokal kennen. Dort ist allen voran, Borussia Dortmund als erster Gewinner eingraviert worden. Natürlich wurde die Trophäe mittlerweile um einige Sieger erweitert. Nach dem FC Bayern mit 18 Siegen, schließen unsere Grün-Weißen mit 6 Titeln, Schalke und Frankfurt mit jeweils 5 und Köln, Nürnberg und Borussia Dortmund mit jeweils 4 Titeln auf.

Ein besonderes Ereignis gelang dann noch Rudi Assauer (R.I.P Rudi) 2002, der den Pokal fallen ließ. Der damals „schiefe Pokal“ wurde dann auf Kosten von Rudi für 32.000 Euro repariert. 

Das Spiel beginnt
Mögen die Spiele beginnen

Es geht im Pott um den Pott

Zurück vorm Stadion bin ich in bester Gesellschaft. Eine ewige Party auswärts mit Freunden. Aber 60 Minuten vor Anpfiff machen wir uns dann doch auf Richtung Kurve. Ich bin nervös. Mein Herzschlag gleicht einem Drum and Bass Lied. Der Schiedsrichter Deniz Aytekin pfeift die Partie um 20:45 Uhr an. Zu der ersten Halbzeit kann ich nicht viele außergewöhnliche Szenen beschreiben — es gibt nämlich keine. Kurz kommt der Gedanke in mir auf: „Der ganze Weg für dieses Spiel?“ Ich kann nur hoffen, dass die nächsten 45 Minuten mehr Bums dahinter haben. 

Heiko und Nadine in der Gästekurve
Gute Freunde kann niemand trennen

Einige Freunde hatten mich davor noch angesprochen: „Du fährst nur für 90 Minuten Fußball so viele Kilometer?“ Ich würde gerne immer eine passende Antwort haben auf diese Frage. Wenn ich mit: „Ja, das ist meine Leidenschaft“ antworte, stoße ich auf Unverständnis. Klar, wenn man nie dabei war, kann man das nicht nachvollziehen. Die Stimmung, die Atmosphäre, die pulsierende Masse an Menschen die sich die Seele aus dem Leib schreien. Klingt verrückt? Stimmt. Aber einmal in diesem Bann gewesen, kommt man nicht mehr raus. Es ist wie bei der Herr der Ringe, der dich immer wieder ins Stadion lockt. 

Meine Damen und Herren das ist norddeutscher Zauber

2. Halbzeit. Nervosität wieder da. Werder aber auch. Die Grün-Weißen haben mehr Schwung und es gibt schon einige Situationen, die gefährlich werden. Aber auch die Knappen kommen zu manch guten, Gott sei Dank nicht verwerteten, Chancen. Dann nach 65 Minuten Spielzeit, steht Rashica vor dem Strafraum und zaubert den Ball ins obere Linke Eck. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich es spätestens bei der Bierdusche gemerkt. WIR FÜHREN! Der Jubel — unvergleichlich mit allem was davor war. Jubel ist, wenn du irgendwelche Fans umarmst. So auch hier. In dem Moment ist man mit Allen vereint. Das ist Fußball. Ich kann es irgendwie noch gar nicht glauben. Aber es steht auf Schalke 0 : 1 für uns. 

Schlagartig heizen die Ultras noch mal so richtig ein. Famos. 7 Minuten später klingelt es zum 0 : 2. Ausgerechnet Davy Klassen, der bislang nicht so richtig in das Spiel fand, macht den Deckel zu. Wir rasten aus. Ist das ein Traum? Und da fällt mir, und da spreche ich glaube ich auch für alle anderen, ein Stein vom Herzen.

Blick auf die Anzeigetafel. Es steht 0 : 2 für die Gäste
Werder führt mit 0 : 2.

Wir sind zurück

Diese Emotionen hier zu beschreiben, fällt schwer. Man muss sie erleben. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich nah am Wasser gebaut bin? Klar, ich bin waschechter Bremer, ich komm von der Nordseeküste, da ist viel Wasser umzu. Da steh ich also nun. Um mich herum wird es leise und so langsam bekomme ich Tränen im Auge. Das ist dann wohl der Teil, in dem ich sentimental werde. Es war von Anfang an wirklich alles drin für beide Mannschaften und dann steht es 0 : 2 für den SVW. Oh wie ist das schön. Die Gesänge greifen über in: „Über Hamburg fahr’n wir nach Berlin“ und „Europapokal“. Es gibt so viele Fans die noch nie eine Meisterschaft oder einen Pokaltitel ihrer Mannschaft feiern konnten. Welch ein Glück, gehören wir nicht dazu. 

Geschlossen stehen die Werderaner auf dem Platz in einem Kreis. Die Fans applaudieren
Nach dem Spiel vereint

Das muss man eben auch mal aus der Perspektive sehen. Das ist fast wie seine Seele und sein Herz in eine Aktie zu investieren, die zu Lebzeiten vielleicht nie zu Erfolge kommt. Das ist Leidenschaft. Das ist bedingungslos und das ist ECHT. 

Was leider auch echt ist, ist die Rote Karte die Nuri Sahin in der 90. Minute kassiert. Zurecht oder nicht, es ist unnötig. Nach den 5 Minuten Nachspielzeit ist der Krimi endlich vorüber. Das Spiel war auch nicht das Gelbe vom Ei, dennoch bin ich heilfroh über den Einzug ins Halbfinale. 

DIE NUMMER EINS IM NORDEN SIND WIR!

Winter is coming….

Das ewige Spiel. Nicht um den eisernen Thron, sondern um 3 wichtige Punkte. Alles auf Sieg. Ich reiße den Kleiderschrank auf — schnappe mir meinen Schal, mein Trikot und mache mich mit meiner besseren Hälfte auf zum Würzburger Bahnhof. Wer das Spiel heute für sich entscheidet und ob der Wächter des Nordens auch im Süden seine Flagge hochhalten kann, könnt ihr hier nachlesen. Auf ein Spiel in Nürnberg. 

Revanche

Der RE steht bereit. Ein paar Werderaner steigen in das gleiche Abteil. Es fällt nie leichter, als bei einem Bier und einer Zugfahrt gen Stadion neue Kontakte zu knüpfen. Auch wenn es draußen kalt ist, sind wir heiß auf den Sieg. Immerhin ist nach der Hinrunde gegen die Nürnberger noch etwas offen. Zu guter Letzt hatten sie es tatsächlich im Bremer Weserstadion geschafft, in der letzten Minute den Ausgleich zu erzielen. Bitter. Aber es sollte dieses Mal alles anders werden. 

Fans des SVW auf dem Weg nach Nürnberg im RE
Road to Nürnberg

Auswärts daheim

Angekommen in Nürnberg. Ein Gleis weiter wartet ein großes Wiedersehen mit meinen Freunden aus München. GWM. Ein Meer voller Umarmungen. Kurze Zeit später machen wir uns auf den Weg ins Max-Morlock-Stadion. Aber wer war dieser Max Morlock eigentlich und was hat es mit dem Stadion auf sich?

4 Freunde aus dem Fanclub
Friendship never ends. GWM on tour

Geschichtlicher Hintergrund

Maximilian Morlock – geboren in den zwanziger Jahren in keiner anderen Stadt als Nürnberg. Mit 286 Treffern für den Club, verewigte sich der Nationalspieler damals in den 60ern zum Fußballer des Jahres. Auch einigen Fans wird er immer in Erinnerung bleiben, da er einer der großen Spieler war, der unermüdlichen Willen zeigte und die Geschichte des Fußballs auch mit seinem Kampfgeist prägte. Endlich mal ein Stadionname befreit von Werbung. 

Das ehemalige Frankenstadion wurde 1925 – 1928 erbaut. 50.000 Fans können hier einen guten Platz zum Feiern und grölen finden. 

1928 trug man hier sogar das Endspiel um die deutsche Meisterschaft aus. Aber jede Medaille hat zwei Seiten. 1933 wurde der Platz in „Stadion der Hitlerjugend“ umbenannt. 1937 fand der Tag der Hitlerjugend dort statt. Später, in Mitte der 40er Jahren, wurde der Platz für Baseball Spiele der US-Armee verwendet. Der Fußball kehrte erst 1963 wieder zurück. Apropos zurück. Zurück zum Spiel.

Flagge vor der Nürnberger Nordkurve im Wind
Flagge zeigen in Nürnberg

Welcome to the Show

Ein ausgiebiger Spaziergang führt uns zur Gästekurve. Die Pommes am Stadion kann ich übrigens nicht empfehlen. Immerhin gibt es Glühwein. Vor den eigentlichen Plätzen noch der Hinweis: „Heute Choreo“. Da nehme ich einmal meinen Freund mit und er bekommt das volle Programm. Haltet mich für irre, aber das Betreten des Stadions ist magisch. Hier warten gleich 90 Minuten Wahnsinn auf alle. Platz eingefunden und kurze Zeit später stehe ich in einem Meer voller Grün-Weißen Fahnen. 

Ein Meer voller grün-weißen Fahnen in der Gästekurve
Ein Meer voller Fahnen

Das Spiel beginnt. Viel kann ich nicht berichten. Zu viele Fahnen versperren mir die Sicht. Die Stimmung war dennoch genial. Das Stadion ist bei weitem nicht ausverkauft. Viele Plätze der Gastgeber sind leer. Etwas leer waren auch die Versprechungen, die die Spieler vor der Partie machten. Nach 3 Punkten sieht die erste Halbzeit nicht aus. Es kann also nur besser werden. Ein bisschen Pyrotechnik ließ meine Stimmung erhellen und mich auch wieder aufwachen. 

 

Pyrotechnik ist kein Verbrechen

Hierzu mal mein klarer Standpunkt. Pyrotechnik ist kein Verbrechen! Auch wenn ich mich vielleicht ein wenig unbeliebt mache, ist es etwas, das man erleben muss. ERLEBEN – im Stadion — nicht vor der Mattscheibe. Nicht jeder muss es gut finden, aber jeder sollte sich mal diese Frage stellen: 

  1. Bin ich davon betroffen oder nehme ich Schaden?
  2. Bedroht es mich?

In vielen Foren lese ich häufig negatives über dieses Spektakel. Ich habe jedoch noch von keinem einzigen Fan in der Kurve gehört: „ Ah, schon wieder scheiß Pyro, ich geh lieber mal..“ Zumal jeder der einige Reihen zurück gehen möchte, Platz eingeräumt bekommt. Doch niemand hat sich (bei mir) je in der Kurve beschwert.

Protest und Unverständnis kommt von jenen, die auf den Rängen sitzen oder zuhause auf der Couch gemütlich ihr Bier schlürfen.

Wer fernab der Pyro sitzt und vom Rauch nicht betroffen ist, sollte – meiner Meinung nach – nicht mit in die Diskussion einsteigen. Sie haben weder die Wirkung, im Positiven wie im Negativen, nicht erlegt. Ganz allgemein gesprochen: Kaum jemand macht noch etwas zu 100%. Gefühlt schleicht sich eine „ein Pferd springt nur so Hoch wie es muss“-Mentalität ein. Man quält sich aus dem Bett, um den ganzen Tag auf der Arbeit zu sitzen. Flieht vom Job auf die sichere, warme Couch und lässt sich berieseln. Fiebert den Abenteuern anderer hinterher, statt selbst etwas zu wagen. Ach wie schön ist so ein Bier im Stadion auf einem gemütlichen Sitzplatz. (Sarkasmus) 

Grüner Nebel im Nürnberger Gästeblock
Schall und Rauch

Klarzustellen ist, dass ich mich klar gegen Böller oder Wurfgeschosse ausspreche. Erwähnenswert ist ebenso, dass sich der SVW kalte Pyrotechnik angesehen hat. Ernsthaft: Wer Schaden anrichten will, verletzten und zerstören – der hat im Stadion nichts zu suchen. Ob mit oder ohne Pyrotechnik. Ich sage euch: Die Menschen die in der Kurve stehen und ihr Herz aus der Kehle schreien, 2 Stunden vorher da sind, um ihr Zeug aufzubauen. Die Menschen, die Choreos planen, sich den Arsch abfrieren, die Fans und die Mannschaft anheizen und die kilometerweite Anreise auf sich nehmen – das sind wahre Fans. Heutzutage gehört jammern und sich aufregen zum Alltag. Man lässt sich gerne auf ein Gespräch ein, um seinen Ärger Luft zu machen. Eine Kultur des Unzufrieden seins. Anstatt Fußball zu gucken, wird verbal rumberserkert.

Lieber am Black Friday shoppen bis zum Umfallen Geld in Unternehmen blasen, ohne zu hinterfragen. Die, die sich über alles aufregen, sind am Ende die, die nichts tun, um die Welt besser zu machen. Stimmung gehört zum Spiel dazu. Pyro gehört zur Stimmung. Leben und leben lassen ist das Stichwort. Die Kurve ist für jene die Bock haben zu feiern. Es ist der Moshpit des Stadions – und niemand zwingt dich, das Konzert dort zu erleben.  

Hochmut kommt vor dem Fall

Die Grün-Weißen lassen uns lange warten aber dann, in der 63. Minute, trifft Jojo Eggestein zum 0 : 1. Bäm! Alle rasten aus. Eine Erlösung. Die Stimmung erreicht den Zenith und wir liegen uns in den Armen. Das Spielt nimmt endlich Fahrt auf. Leider ist es eine Fahrt nach Nirgendwo denn mal wieder erzielen die Nürnberger kurz vor Schluss den Ausgleich. Ich bin fassungslos. Das Spiel hätte man für sich entscheiden müssen. Ganz klar. Aber auch jetzt stehen wir zusammen hinter unserer Mannschaft. Anstatt mich aufzuregen, genieße ich die letzten Minuten in trauter Gesellschaft und denke mir: Leben und leben lassen. 

 

 

 

Ewige Liebe 

Ich bin wieder zurück. Der Blog ist zurück. Nach einer viel zu langen Pause, hat es mich wieder ins schöne Weserstadion gezogen – und an die Tastatur. Warum es so lange gedauert hat, bis ihr wieder von mir lesen könnt und wie das Drumherum und das Heimspiel gegen Leverkusen aus meiner Sicht verliefen, erfahrt ihr hier.  Herzlich Willkommen zurück – Auf ein Spiel.

Verdammt lang her,…

…als mein letzter Beitrag online ging. Ich möchte kurz erläutern, warum. Mittlerweile wohne ich nicht mehr in München. Würzburg ist nun die Stadt aus der diese Zeilen stammen. Job gewechselt, Umgebung gewechselt, der Verein aber ist immer noch der gleiche. WERDER BREMEN. In der Rückrunde gibts wieder mehr zu lesen. Mein letzter Beitrag ging auch über das Heimspiel gegen Leverkusen. Heute beginnt wieder alles hier.

Werder Fans vor der Bremer Botschaft. Einem Grünen Haus mit Werder Logos drauf
Willkommen in der Botschaft

Halt dich an deiner Liebe fest

Endlich. Spieltach. Ewig habe ich meine Freunde aus München nicht gesehen. Das große Wiedersehen dann endlich Sonntagmittag in der Bremer Botschaft » Danke an Olaf für die wundervolle Gastfreundschaft! Nach einem kurzen Plausch geht es in das Herz Bremens, um den ein oder anderen Neuling das Bremen zu zeigen, das wir kennen.

Werder Fans stehen vor den Schweinen der Sögestraße in Bremen
Ende der Führung: Sögestraße. Das sollte genug Glück bringen

Diese Gespräche und diese Art Humor habe ich vermisst. Ziemlich kalt hier oben im Norden. Hätte ich eigentlich wissen müssen. Mein dünner Mantel hält mich nur bedingt warm. Aber wie man im Rheinischen sagt: „Das wärmste Jäckchen ist das Cognäckchen.“ Gott sei Dank gab es im Stadion Glühwein.

Den ersten zum Glück schon auf dem Marktplatz mit einer Tüte Schmalzkuchen. Bremen, ich habe dich vermisst. Ich sehe dich mit ganz anderen Augen. Ich bin hier aufgewachsen, habe hier meine ersten Schritte gemacht. Ich liebe diese Stadt.  Ein kleiner Abstecher in die Union Bar steht noch an. Wer hier noch nie war: Das Bier ist unwahrscheinlich gut und die Auswahl hält für jeden Geschmack etwas bereit. Nun aber auf ins Wohnzimmer.

Werder Fans vor der Unionsbar in Bremen mit Werder Schal
Auswärts zum Heimspiel. Danke an Andreas Gums für dieses schöne Foto

Endlich angekommen, treffe ich auf die ersten bekannten Gesichter. All das hat mir gefehlt. Endlich wieder ein Fischbrötchen mit ordentlich Remoulade und ein Haake Beck. Meine Welt. Diese kleinen Dingen machen mich glücklich. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich hier keinen Sieg sehen möchte.

Apropos

Da war ja was. Anpfiff – endlich. Nach zwei Minuten ahnte ich Böses. Ich wusste, dass das Gegentor nicht lang auf sich warten ließ. Und richtig. Nach 8 Minuten Spielzeit steht es schon 0 : 1 für die Gäste. Ja, das fühlt sich so an, als würde dir dein bester Freund eine ins Gesicht feuern. Und das tut weh. Die Stimmung ist dennoch famos. Aber  bei Werder stimmt irgendwas nicht. Man merkt, auf dem prunkvollen Schiff ist heute irgendwo ein Leck durch das Wasser dringt. Jeder Spieler sucht danach. Dann aber in Minute 38 das 0 : 2! Das Schiff hat einen zweiten Treffer bekommen und läuft weiter mit Wasser voll. Es weht ein rauer Wind durch das Weserstadion. Es ist kalt. Die Stimmung bleibt gut. Schockgefrostet durch die Kälte und das bisherige Ergebnis. 7 Minuten später steht uns dann das Wasser bis zum Hals. 0 : 3. Halbzeit.

Das Weserstadion in voller Pracht im Flutlicht
Gleich geht es los. Endlich wieder Weserstadion – bei Flutlicht

Sprachlos. Alle. Irgendwie kann ich das Spiel nicht mehr ernst nehmen. Elia bringt zur Pause einen tollen Spruch, den sich jeder merken kann und an dem soviel Wahres dran ist: „Die haben in 45 Minuten 3 Tore geschossen, dann können wir das auch noch.“ Damit hat er recht, denke ich mir. Also mit neuer Hoffnung wieder volle Kraft voraus in die nächsten 45 Minuten. Bei vielen anderen Bundesligisten wäre die Stimmung nicht so famos wie die unserer Fans. Beim Anpfiff der zweiten Hälfte sage ich noch: „Wenn wir schon so ein Spiel sehen, dann schießt Pizarro ein Tor.“ Ein kleiner Trost wäre das.

Tatsächlich wechselt Kohfeldt Pizarro für den heute nicht so überragenden Friedl ein. Wir schreiben die 60. Minute am 9. Spieltag 2018. Pizarro trifft für uns das 1 : 3. Dieser Schrei. Soviel Befreiung. Endlich! Gänsehaut. Wir liegen uns in den Armen. Kein anderer mit der Nummer 4 – Claudioooooo – PIZARRO! Die ganze Kurve brüllt seinen Namen. Da kommen Kindheitserinnerungen auf. Die Werderlegende rüttelt alles wach. 2 Minuten später trifft Osako für uns. Es steht 2 : 3. Ich raste aus. Tränen in den Augen. Lauthals schreien wir alles raus was geht, um die Mannschaft anzufeuern. Ich denke wieder an Elias Worte.

Wasser Marsch

Gesundheitlich ist das Spiel eine Katastrophe. Jeder Arzt würde den Kopf schütteln. Euphorie für 5 Minuten. Danach trifft Leverkusen – 2 : 4. Wieder läuft Wasser  in das Schiff. Jede Rettung kommt zu spät. Am Ende steht es 2 : 6. Es ist die höchste Niederlage, die ich selbst miterlebt habe. Das Schiff ist gesunken. Das tut weh. Die Jungs aber spielen so eine geile Saison. Die Mannschaft kommt zur Kurve. Wir klatschen. Weil auch der Beste Kapitän Fehler machen kann. Ich bin mir sicher: Wir bekommen wieder Fahrwasser! DANKE JUNGS, für das große Ganze. Ihr spielt spitze dieses Jahr.

Leeres Weserstadion mit Flutlicht
Abpfiff. Die härteste Niederlage in meiner Geschichte

Danach gibt es noch einen Glühwein gegen die Kälte und ein Fischbrötchen. Tradition muss sein. Wir haben Spaß. Auf ins Haifi! Auf diesen Teil des Abends freue ich mich schon seit der Hinfahrt. Da wartet noch ein tolles Wiedersehen auf mich. An dieser Stelle eine kleine Lobeshymne auf Heiko. Deine gute Art, gute Laune, dein Lachen und deinen Humor. Einer der herzlichsten Menschen, die ich kenne. Es ist immer wieder schön, in das Haifischbecken zu kommen. Es sind nicht die vier Wände die es ausmachen, du bist das.

Barmann an der Haifischbecken Bar mit zwei Bier in der Hand
Heiko heißt jeden Willkommen

Das Haifischbecken

Für alle die es nicht kennen: 10 Jahre gibt es das Haifi. Vor dem Steintor. Es locken die Besten Mexikaner und andere liquide Freuden. Beste Stimmung vor und nach dem Spiel.  Hierherzukommen, ist wie zuhause noch ein Feierabendbier zu trinken. Gastfreundschaft wird großgeschrieben. Faschos haben hier keinen Platz. Ebenso auch keine Sky Anwerber. Das Haifi lebt in seiner eigenen kleinen Welt und die ist perfekt so wie sie ist. Weg von Kommerz und Konsum.

Logo vor der Tür mit der Aufschrift: Haifischbecken
Das Haifischbecken

Die Tür geht auf: Eine warme Umarmung, im wahrsten Sinne des Wortes, empfängt mich. Wir lassen den Abend ausklingen.

 

Hai im Haifischbecken
Der Name ist Programm

 

Fazit: Klar war das Ergebnis bitter, keine Frage. Aber es ist das große Ganze dahinter. Mal verlierst du, mal gewinnst du. Alles weiß man erst zu schätzen, wenn man beide Seiten gesehen hat. Wollen wir mal realistisch bleiben. Man wird nie nur Siege sehen. Ich hatte gerade deswegen einen tollen Tag und einen tollen Abend in meiner Heimat. Wer denkt, uns Fans damit ärgern zu können – falsch. Wie wir Dinge sehen, können wenige verstehen. Doch so sehen wir das Leben. Das große Ganze. Der eine Verein. Ewige Liebe. Das was in uns verankert ist, können andere nur erahnen. Treue, Mut, Hingabe.

Der SVW wird niemals untergehen!

 

 

 

Last but not Least

Der letzte Spieltag. Der letzte Saisonbeitrag von mir. Ein letztes Mal Zladdi im Werder-Trikot und ein paar abschließende Gedanken. Alles zusammengefasst im letzten Teil der Beitragsserie. 

90 Minuten plus Nachspielzeit

Kohfeldt wechselt aus. Nicht irgendwen; Juno! Sofort ist die Gänsehaut wieder da. Applaus und Gesang für den Österreicher. Kurze Zeit später ist das Spiel vorbei. Werder und Leverkusen trennen sich 0 : 0. Und jetzt beginnt der traurige Teil. Abschiede kann ich nicht. Ich weiß, ich bin die Erste die sagt was Sache ist. Direkt, knallhart, ehrlich. Aber harte Schale, weicher Kern. 

Bei emotionalen Dingen bin ich nicht nur nah am Wasser gebaut, ich stehe quasi mittendrin. Die Mannschaft versammelt sich auf dem Spielfeld und ein Betreuer reicht den Jungs ein Banner. „Danke für 34 Heimspiele“ stand letztes Jahr drauf in Dortmund. Mal sehen, was sie sich dieses Mal haben einfallen lassen. Langsam lüftet sich das Geheimnis: 

„Danke. Ihr macht den Unterschied.“ 

Banner mit der Aufschrift: Danke ihr macht den Unterschied
DANKE JUNGS!

Das ist die Art der Mannschaft Danke zu sagen. Gänsehaut! Überall laufen die Kinder der Spieler auf dem Rasen umher. Juno kommt mit seinem Kleinen auf dem Arm der Ostkurve näher. Irgendwie zurückhaltend. Als er den Sohn in gute Hände abgibt, kommt er weiter Richtung Block und lässt sich feiern. Eine Sekunde später steht er auf dem Zaun mit dem Megafon in der Hand. Keine Ahnung was er sagt. Die Stimmung ist famos. Das ist was zählt. Später kommt die komplette Mannschaft und klatscht mit den Fans ab. Applaus. 

Das Leben passiert da draußen. Man kann es sogar anfassen.

Fotos habe ich nicht viele gemacht. Bewusst nicht. Wir leben sowieso in einer Zeit, in der wir nur noch selten Dinge wirklich wahrnehmen und erleben. In der Münchener U-Bahn sehen sie alle wie Zombies runter auf Ihr Smartphone. Der Haltung zum Leid. Auf dem Marienplatz kann es gut sein, dass dir jemand den Weg schneidet. Alles nur, weil wir uns abhängig gemacht haben. Jeden Moment nur noch dazu nutzen, wer was auf Instagram gepostet hat. Nützlicher Content? Fehlanzeige. 

Immer wieder geht es nur darum, sich von der Besten Seite zu präsentieren. Wir nehmen als Zuschauer teil und gucken uns an, wer als nächstes berichtet, wie toll er ist. Wozu? Um uns kostbare Zeit stehlen zu lassen, freiwillig. Alles nur fake. Wir lenken uns ab, um nicht wahrzunehmen welches Glück wir haben, am Leben zu sein. Keiner von uns lebt noch wirklich im Moment. Wir melden immer wieder uns fleißig beim Yoga an, um zu meditieren. Wieder zu uns selbst zu finden. Oder wir verreisen.

Tausende Kilometer legen wir zurück, um nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Was machen wir, wenn wir verreisen? Fotos. Mit dem Smartphone natürlich. Um was? Leuten zu zeigen wie toll der Urlaub war? Auf Instagram oder Facebook. So schließt sich der Kreis. Es dreht sich mehr und mehr alles um einen selbst. Beobachtet es mal. Und geht Essen mit euren Freunden. Beobachtet, wie oft eure Begleitung am Handy ist und wie oft sie dir wirklich zuhört. Da geht es los. Und wo hört das auf? Hört es überhaupt auf?

Fußballplatz mit Blume
Pause auf dem Rasen.

All good things come to an end – Saisonpause

Was definitiv aufhört ist die Saison. Mit ihr die schönsten Momente des Jahres. Der viel traurigere Aspekt gegenüber einer neuen Samstagsbeschäftigung ist, dass nichts mehr so wird, wie es war. Spieler gehen. Neue Spieler kommen dazu. Die Mannschaft ist im Wandel und tritt nie wieder so auf wie einst am letzten Spieltag. Man sagt tschüss. Ebenso auch in Hamburg. Der HSV ist abgestiegen. Ein Stück Fußballgeschichte wurde neu geschrieben und ich kann es kaum glauben. Kein richtiges Nordderby mehr in der 1. Bundesliga. 

Der Kracher aber wartet in Liga 2. Pauli gegen Hamburg heißt das wohl heißbegehrteste neue Derby der nächsten Saison. Wir müssen uns mit Hannover oder Wolfsburg zufrieden geben. Saisonpause bedeutet aber nicht, dass ihr nichts von mir hören werdet. Sobald es etwas gibt, berichte ich. Zudem ist geplant, die Jungs im Trainingslager zu besuchen. „Auf ein Testspiel“ sozusagen. 

Erweiteter Horizont

Die Sonne neigt sich und verabschiedet sich so langsam. Meine Familie, mein Freund und ich fahren an den Strand. Sehen der Sonne entgegen und spazieren im Sand. Diese Brise habe ich vermisst. Mein Herz blutet gerade ziemlich stark als ich auf das Wasser blicke, das noch da ist. Ebbe. All das hab ich erlebt an einem Tag. Ich liebe diese Luft, sie riecht nach Meer. Egal wer behauptet, was grün ist und nach Fisch stinkt. Ich bin stolz drauf. Gerade weil diese Leute nie sehen werden, wie schön es hier ist. Verliebt in dieses Bundesland. Ich sitze mit einem Kaffee am Strand und genieße die Aussicht. Sehe der Sonne beim untergehen zu und bemerke mal wieder, wie schön das Leben sein kann. 

Wir haben einfach verlernt für die kleinen Dinge im Leben aufmerksam zu sein. Immer muss es noch besser sein. Schneller, weiter. Dabei reichen nur ein paar Kleinigkeiten um den Moment perfekt zu machen. Dich. Eine kleine Bilderreihe lädt zum Träumen ein. Viel Spaß dabei!

Skyline der Extraklasse

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Für die Füchse unter Euch, die meinen Instagram Kanal verfolgen: Herzi hat seine Wette verloren. Für Ihn geht es bald auf Reisen mit dem Fanclub. Die ganze Story könnt ihr nachlesen unter den Namen – Littlemisssunshine18990

Was ich noch zu sagen hätte…

Ein Dank geht zudem an die Menschen, die mich jedes Mal aufs Neue Supporten. Meine Story teilen, liken und hinter dem stehen, was ich hier fabriziere. Dieser Blog ist ein wahres Herzensprojekt für mich und es erfreut mich, wenn euch diese Zeilen hier etwas zurückgeben. DANKE für eure Unterstützung. 

Besonderer Dank geht raus an: 

  • Max. Ohne dich wäre der erste Stein nie ins Rollen gekommen. Du bist mein kritischster Leser und von Anfang an dabei. Danke für deinen unermesslichen Support und deine Liebe.
  • Martin. Danke, dass du bisher jeden Beitrag geteilt hast und deinen Senf dazugibst.
  • Fredi. Danke für das ganze Bildmaterial und deinen Support aus dem Norden.
  • Meine Familie. Danke an meine Mama, meinen Onkel Heiko und meinen Bruder Mike.
  • GWM. Danke für die verrückten Auswärtsfahrten mit euch. Ihr gebt mir den Input zu schreiben. Danke dafür, dass ihr der beste Fanclub seid, den Werder und jedes Mitglied haben kann. Ich darf ein Teil davon sein und bin unendlich dankbar und stolz drauf. Für all die genialen Spiele, die wir gesehen haben und noch sehen werden. Ich verabschiede mich vorerst bei Euch und tauche demnächst wieder auf aus dem Off ☺

Genießt die freien Samstage und wir sehen uns bald schon wieder in alter Frische: Auf ein Spiel!

Mein Heimspiel – 3x ist Bremer Recht

Das letzte Spiel der Saison steht an. Nicht irgendwo – Nein – im Wohnzimmer. Ich bin wieder einmal Zuhause und nehme euch mit. In 3 Teilen erzähle ich euch vom Spieltag, meiner Heimat und warum es toll ist, Bremer zu sein. 

„Abschweifen erlaubt“ ist hier das Motto. Also lehnt euch zurück, lasst euch berieseln und inspirieren, den nächsten Ausflug nach Bremen mit anderen Augen zu sehen. Los geht’s.

Jetzt ist sie weg…

Bremen. Mehr als nur Heimat. Der gesamte Norden hat eine besondere Bedeutung für mich. 

Meine Eltern sind 1996 nach Bayern gezogen. Da man mit 6 Jahren noch nicht wirklich Mitspracherecht hat, musste ich mit. Ich weiß bis heute nicht wie sie meinen großen Bruder bestochen haben, der damals 15 Jahre alt war. 

Ich mit 5 Jahren. Im Werder Trikot im Werder Zimmer
SVW – seit ich denken kann. Und es gibt einen Beweis: Auf dem Foto bin ich 5 Jahre alt

Das schlimmste waren nicht mal das Haus oder die Umgebung. Viel mehr war die bayerische Mentalität das Problem. Eine völlig neue Welt und was mir am meisten fehlte, war meine Familie. Klar, meine Eltern waren immer da. Dennoch fielen riesige Säulen weg, die ich sonst jeden Tag um mich hatte. Meine Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten. Alle weg. Freunde aus dem Kindergarten… weg. 

Schule war der reinste Horror. Niemand kannte Bremen. Man hänselte mich, weil ich ihren Dialekt nicht sprach oder verstand. Weil ich anders war. Und etwas, das ich selbst in jungen Jahren verteidigte, war dieser eine Fußballverein, dessen Trikot in Grün-Weißem Glanz leuchtet. Werder Bremen.

Blick auf ein Plakat, das am Weserstadion hängt mit der Aufschrift: Für Euch
Für Euch hab ich das alles getan

Ein Riesen Patzer von Oli Kahn

Hach, das ist Musik. Ich habe wirklich viel für diesen Verein eingesteckt. Unglaublich wie grausam Kinder sein können. Sie hatten doch alle keine Ahnung. 2004 war dann alles anders. An dem Tag, als wir im Olympiastadion in München mit 3 : 1 die Bayern „wegfegten“ und Deutscher Meister wurden, da drehten wir in unserer Familie wirklich durch. Den Montag danach könnt ihr euch nicht vorstellen. Ich fühlte mich großartig. Sonnenbrille auf, Werder Trikot an. Die Sonne schien. Die Schultür zur Aula öffnet sich und im Hintergrund läuft ein Ghettoblaster der „Man in Black“ aus dem gleichnamigen Film mit Will Smith, zum Besten gibt. 

Ja, so ähnlich war das damals☺. Kurze Zeit darauf schnappte sich der SVW dann auch noch den DFB Pokal und wir waren Double Sieger. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Bruder auf der Couch saß und Tränen in den Augen hatte. Wir freuten uns aus tiefstem Herzen. Meine Mutter meinte damals zu mir: „Das wirst du vielleicht nie mehr erleben.“ Sie war schon immer optimistisch☺. Das ist Leidenschaft. Wir werden vielleicht nicht jedes Jahr Deutscher Meister wie der FC Bayern. Aber wir wissen es zu schätzen, wenn der Zeitpunkt da ist. 

Wo die Weser einen großen Bogen macht

Der richtige Zeitpunkt ist übrigens auch jetzt da. Die Sonne strahlt über das Bremer Weserstadion und wir sind voller Vorfreude auf das letzte Spiel in der schönsten Stadt. Nach einer Fischfrikadelle im Brötchen und einem leckeren Stadion Bier, könnte die Laune nicht besser sein. An dieser Stelle möchte ich DANKE für so gutes Bier sagen. Herr Haake Beck – Sie sind der Beste☺! Das vermisse ich immer wieder auf Auswärtsfahrten. Gutes Bier! 

Blick auf das Weserstadion von Außen hinter den Grünanlagen
Das Weserstadion strahlt hinter den Bäumen empor

Danke für euer Engagement

Bei gemütlichem Schnack in der Sonne, entdecke ich am Rande der Straße einen Stand. Ich habe in der Augsburger Punktekiste schon einmal über diese Aktion berichtet.

Drei Werder Fans stehen vor dem Stadion mit einem Becher Bier in der Hand und genießen das gute Wetter
Bestens gelaunt vor dem Stadion

Ich finde die Arbeit, die diese Herrschaften da machen aber so unendlich gut, dass ich hier noch ein paar Zeilen über sie schreiben möchte. DAUMEN HOCH! Ein Thema, das nie unterschätzt werden darf. Bei meinem letzten „stöbern“ in diversen Foren auf Facebook, stieß ich auf den Beitrag über diese Kampagne. Darüber, dass Werder hier weiterhin tatkräftig unterstützt.

Ich war ziemlich verwundert, als ich dann über die Kommentare stolperte. Viele negative Statements. Da muss ich an dieser Stelle wirklich mal was loswerden: Solche Aktionen sind erforderlich, weil dieses Land unendlich viele Bürger hat, die der Meinung sind, ihre Herkunft macht sie zu etwas besonderem. Nicht nur Farin Urlaub hat das erkannt:

„Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben. Denn auch diese Leute wollen sich gut fühlen und auf irgendwas stolz sein. Also suchen sie sich jemanden aus, der anders ist als sie, und halten sich für besser. Oder sie sind bekloppterweise stolz darauf, deutsch zu sein, wozu keinerlei Leistung ihrerseits nötig war.“

Dieses Zitat, gab der Musiker dem Magazin „Frizz Halle“ und stieß eine Diskussion an, die ich auch aufgreifen möchte. Wenn von ihm auch nicht auf Fußball oder Stadien bezogen, steckt Wahrheit in seinen Zeilen.

Blick auf den Stand der Aktion: Nazis Raus aus den Stadien
Im Ostkurvensaal geht die Aktion in die 2. Runde

Bei mir fing es in der Schule an. Ich war anders, weil ich nicht aus Bayern kam. Stolz bin ich drauf! Zwar schlug mir keine körperliche Gewalt entgegen, doch wurde ich auf sehr verletzende Art gehänselt, weil ich anders war – und Flagge gezeigt habe. Das tue ich bis heute. Ich habe mich nie versteckt und das tue ich auch heute nicht. Ich habe mir ein T-Shirt gekauft – genau an diesem Stand.

Nazis raus aus den Stadien!

Auf dem dunkelgrünen Shirt steht: „Nazis raus aus den Stadien“ Und ich werde nicht eher aufhören darüber zu schreiben, bis wir den allerletzten Nazi aus jedem Stadion verbannt haben. Es gibt nur eine Art von Mensch, die ich wirklich verachte und das sind die, die bis heute nicht verstanden haben, dass ein Mensch niemals über das Leben oder den Tod eines anderen entscheidet. Schon gar nicht aufgrund seiner Herkunft. Wenn ich dann diese Kommentare lese, weiß ich, dass hier noch viel mehr passieren muss.

Also kauft euch ein Shirt. Unterstützt die Kampagne. Guckt Jan Böhmermann. ☺ (Unabhängig von allem – Bremer sind eben die Besten). Schreit es raus und tragt ein Stück Menschlichkeit in die Welt. Wählt nicht die AFD. Verfolgt meinen Blog und hängt eure Zähne häufiger an die Luft zum Trocknen. 

Frontaufnahme des Standes der Aktion Nazis Raus aus den Stadien im Freien
Guter Zweck und gutes Zeug

Zurück zum Stadion

Endlich geht es in den Block. Ostkurve. Oh du schönes Weserstadion, wie ich dich vermisst habe. Das letzte Mal gegen Stuttgart war ich hier. Wir sind Fanclub des Jahres geworden. Es war kalt. Heute scheint mir die Sonne ins Gesicht. Ich treffe Freunde und es gibt gutes Bier von Herrn Beck. Jetzt müssen nur noch 3 Punkte her und eine Niederlage vom HSV. DRINGEND! Das Abrisskommando für die Uhr im Stadion steht bereit. Wartet auf Freigabe… 

Blick auf das Spielfeld im Weserstadion
In wenigen Minuten wird das letzte Heimspiel angepfiffen

Nicht nur das letzte Heimspiel der Saison steht an, sondern auch das letzte von Zladdi. Dazu komme ich später noch. Jetzt gehen erst einmal die Arme hoch. Nicht nur meine – ALLE. Jeder Fan hält seinen Werder Schal hoch und es ertönt eine Melodie aus dem Off. Die Zeilen beginnen mit: „Was für ein Jahr wir waren immer voll da…“ Ja, das waren wir. Mehr als nur dabei. Kilometerweit gereist. Viel erlebt und nie kam Spaß zu kurz. Freundschaften wurden geschlossen, Tore bejubelt, Tränen vergossen. Wir waren wirklich immer da. 

Fünf Freunde im Weserstadion
5 Freunde sollt ihr sein

Als wir die Hände hochheben und den Werder Schal zeigen, bekomme ich Gänsehaut. Mein Freund, der noch nie im Weserstadion dabei war, ebenfalls. Da springt der Funke über. Da gehört jeder zusammen. Und auch wenn wir dieses Jahr nicht im DFB Pokal Finale stehen oder Deutscher Meister geworden sind, klatschen wir Werder Applaus. Ich stehe in der Kurve, mit dem breitesten Lächeln im Gesicht. Zufrieden mit dem was ist. Einfach nur da als ein Teil vom großen Ganzen und lasse den Moment einfach sein und singe lauthals mit. 

Werder Bremen – Lebenslang Grün-Weiß. Wir gehör’n zusammen – ihr seid cool und wir sind heiß.

Wie es weitergeht und was noch so alles kommt – Nächste Woche im 2. Teil!