DIE WIR WOCHE – Round 1 – FIGHT!

Man könnte sagen, es sei das Vorspiel auf das, was uns im DFB-Pokal erwartet. Dies wird ein etwas anderer Beitrag. Ein Beitrag in 2 Akten. Heute bin ich in dem Stadion, in dem es tatsächlich Popcorn gibt. Ich bin zu Gast beim FC Hollywood. Die Bayern. Heute in München, Mittwoch im Pokal. Den 1. Akt gibt es von mir, den Nachschlag von Olaf Kretschmer. Was dieses Mal alles anders ist, könnt ihr hier nachlesen. Auf ein Spiel in der bayerischen Landeshauptstadt. 

Stolz auf unseren Fisch!

Es geht also mal wieder in aller Frühe los. Angekommen am Würzburger Hauptbahnhof, begegnen mir schon die ersten roten Gestalten. Ich sehe mich um. Jap, ich bin die Einzige in Grün-Weiß hier. Na Bravo. Das geht ja gut los, denke ich mir. Natürlich bin ich auch nicht inkognito. Das fällt auch schnell den Fans der gegnerischen Mannschaft auf. Schnell gehen die Gesänge los mit: „Was ist Grün und stinkt nach Fisch?“ – Euch wir das Lachen noch vergehen denke ich. Wenn nicht heute, dann im Pokal. Ab in den Zug. Eine kleine Schickimicki-Familie unterhält sich am Nebentisch über das heutige Spiel.

Sonnenaufgang in Würzburg
Morgens in Würzburg. Aufbruch nach München

München ist Grün-Weiß

München Ankunft 10:45 Uhr. Treffpunkt 11:00 Uhr am Marienplatz. Großes Wiedersehen alter Gesichter. Jetzt aber schnell zum Einsingen. Dort mit dem Ritual begonnen, gehen sofort die Handy Kameras der Touristen an. Ich komme mir vor, wie Brad Pitt, der auf einer Stunde Meet & Greet zu sehen ist. Wir scheinen DIE Attraktion. Sofort steigt das Wir-Gefühl, die breite Brust gegen die Bazis – und die Sonne scheint im vollen Glanze. Kaiserwetter. Besser kann es doch nicht sein. Um 13:00 Uhr geht es dann auf gen Stadion. Die einzigen Fans die Laute von sich geben sind definitiv WIR. Das ist allerdings aber auch nichts Neues :-).

2 Freunde auf dem Marienplatz im Werder Trikot
Neulich auf dem Marienplatz

Die Geschichte der Allianz Arena

Viele meiner treuen Leser wissen, dass ich oft über Stadien und deren historische Geschichten schreibe, hier ist das, was ich über die Arena finden konnte.

Die Vision war 1997: Fußball schauen als wahres Erlebnis. Die Stadt München hatte dafür plädiert, nicht ein neues Stadion zu bauen, sondern eher das Olympiastadion für geplante Zwecke zu nutzen. Rund 500.000 DM waren als Investition geplant. Nach langem hin und her kam es 2001 zu einem Bündnis zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Bayern München. Jetzt stand auch fest, dass es ein neues Stadion geben wird. Es gab sogar einen Bürgerentscheid, bei dem die Mehrheit dann für den Bau des Stadions in Fröttmaning stimmte. Beide Vereine teilten sich die Anteile zu jeweils 50 %. Man entschied sich für den Bau von Herzog und de Meuron. Dank 700 Bauarbeiter die gefühlt, 24/7 die Woche arbeiteten wurde der Rohbau 2004 fertig. Der erste Sitz übrigens wurde an meinem Geburtstag des Double Jahres des glorreichen SVW angebracht. Das erste Ligaspiel bestritten am 05.08.2005 der FC Bayern und die Fohlen aus Gladbach vor 66.000 Zuschauern. Damals gewann der Gastgeber mit 3 : 0. Mittlerweile hatte man die Zuschaueranzahl auf 75.000 erhöht. Wie wir alle wissen, hatte der TSV das Mietverhältnis Mitte 2017 aufgehoben und wird nie wieder in das Stadion zurückkehren. 

Blick auf das Spielfeld der Allianz Arena aus der Gästekurve
Forza SVW

Alle Jahre wieder

Schon wieder der Jakobsweg von der U-Bahn zum Stadion. 1000 Stufen, die erklimmt werden möchten. Da hat man die Stadionbratwurst doch gleich wieder verbrannt. Oben angekommen, gibt es von den Ultras weiße T-Shirts zu kaufen. „Alle in Weiß nach München“ hieß es. Natürlich unterstütze ich meine Mannschaft mit dem Support und die Ultras für die Nächste Choreo damit. Und das WIR Gefühl steigt noch mehr.

Am Bratwurststand sehe ich dann doch tatsächlich, dass es auch Popcorn gibt. Für schlappe 4 Euro. Es ist ein Stadion, kein Kino! Auch, wenn manch Schauspieler gerne auf dem Rasen der Arroganz-Arena zum Einsatz kommt. Apropos Schauspieler. Lustig fand ich auch den Kommentar von Thomas Müller, der doch tatsächlich nach dem Düsseldorf Spiel behauptete, er würde nie einen Elfmeter verwandeln, wenn dieser unberechtigt vom Schiedsrichter vergeben worden sei. Klar, Herr Müller würde so etwas nie machen. 2016 Werder gegen Bayern im Pokal Halbfinale. Vidal´s Schwalbe forderte unfairer Weise den Elfmeter für die Rot-Weißen. Was habe ich damals getobt vor dem Fernseher. Das ganze Spiel wäre anders ausgegangen, hätte Vidal damals fairen Fußball gespielt. Schwalbe hin oder her. Wer hat den damaligen Elfmeter verwandelt? Kein anderer als Herr Thomas Müller höchstpersönlich.

Manchmal frage ich mich, ob der Typ nur einmal nachdenkt, bevor er den Mund aufmacht. Eher unwahrscheinlich. Dieses Jahr haben wir etwas gutzumachen. FORZA SVW!

Bus der Werder Mannschaft vor dem Hotel
Hier regiert der SVW

Wir und sonst keiner 

Ab in den Block. Alle in Weiß. Die Fans, das sind WIR. Die Stimmung ist von Anfang an famos. Jeder ist heiß auf dieses Spiel und es liegt in der Luft, dass heute mehr drin ist. Heute gehen wir im wahrsten Sinne des Wortes — STEIL! Das ist die Arena nämlich auch. Hier hat man übrigens wirklich Höhenangst, wenn man unter dieser Phobie leidet. 

Es geht los und die Erste Halbzeit wird angepfiffen. Die Münchener Fans halten während des Spiels noch ein Banner hoch. Was das wohl heißen mag, wissen die Anhänger nur selbst. Ich kann mir bis heute noch keinen Reim darauf bilden. Gerne Anregungen an mich :-). 

Ein Banner mit einer Aufschrift der Bayern Fans
Wer kann hier behilflich sein?

Die Bremer stehen hinten. Die Bayern blitzen zwar ab und zu durch, kommen aber zu keinem Erfolg. Die erste Halbzeit ist relativ ausgeglichen und ich bin wie in Trance in der Kurve und singe lauthals zu dem Takt der Trommel. Das ist Musik. Je mehr Energie von uns aus geht, desto mehr Energie haben die Spieler. Das bilde ich mir zumindest ein. Nach 45 Minuten und einem 0 : 0 ist einfach noch alles drin. Die Stimmung ist weiterhin am Kochen. Das bleibt sie auch bis wir die 58. Minute schreiben. Da sieht Milos Veljkovic nämlich rot. Ich übrigens auch. War das wirklich nötig?!

Jetzt spielen wir nur noch zu zehnt! Muss denn immer ein Spiel auf diese Art und Weise entschieden werden? Ca. 20 Minuten später klingelt es dann auch für die Gastgeber. Ich könnte kotzen! Da jubeln wieder die Erfolgsfans. Es ist unerträglich. Hoffentlich muss ich das heute nicht noch ein zweites Mal ertragen. Wir geben noch einmal Vollgas. Ein Unentschieden wäre unfassbar wichtig und gut! Leider kommt es zu keinem weiteren Tor. Ein Tor der Grün-Weißen hätte mir gut gefallen. 

Fans in der Kurve
Hauptsache wir haben Spaß

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Nicht nur eine Serie geht zu Ende. Die Serie, 2019 noch kein einziges Mal verloren zu haben, sondern auch die, in jedem Spiel als einziger Bundesligist getroffen zu haben, ist nun vorbei. Beider wurden wir heute beraubt. 

Eine Serie gibt es allerdings noch. Die, im Bremer Weserstadion Zuhause im Pokal seit 1988 ungeschlagen zu sein. Der Pokal schreibt eben seine eigenen Gesetze und über die wird Euch Olaf Kretschmer im nächsten Beitrag, in Runde 2 berichten! 

Als der Fußball seine Seele verkaufte

Keine Bilder. Viele Emotionen. Ehrlichkeit. Meinung. Nicht nur Werder. Im Fokus: Fußball. Der Grund? Football Leaks. Lasst uns darüber diskutieren.

Man darf nicht nur die Augen verschließen und alles gutheißen. Man muss hinterfragen. Das gilt für viele Dinge im Leben; nicht nur wenn es um das Runde und das Eckige geht. Vergangenen Sonntag wurde mir mulmig, nachdem ich eine Dokumentation im TV sah. Ich stellte zum ersten Mal das in Frage, was mich mein Leben lang geprägt hat. Fußball. Thema in der ARD war die „Super League“. Ein neuer Liga-Verbund, außerhalb der UEFA, geplant von den „großen Vereinen“. Infos dazu kamen im Zuge der Football Leaks-Recherchen zum Vorschein.  Vor einiger Zeit habe ich angefangen, das gleichnamige Buch „Football Leaks“ zu lesen. Eine knallharte Lektüre zum wach werden. Für alle, die es noch nicht kennen, Pflichtprogramm! Was ich also vergangen Sonntag sah, stellte meine Welt auf den Kopf.

Früher war alles besser

64/65 Werder wird Meister. 75/76 Borussia Mönchengladbach. 94/95 der BVB – Werder wurde in diesem Jahr Vizemeister.  Seit 12/13 bis heute, kommt der Deutsche Meister aus der Landeshauptstadt Bayerns. Anstatt zu gröhlen, auf Kapitalismus sein Glas zu heben, frage ich Euch ernsthaft: Denkt ihr Fans aus München auch einmal nach, wie das passieren konnte?

Die Basis macht das Gift

Gegründet 1962 in Dortmund. 63/64 wird die Oberliga von der Bundesliga abgelöst. Damals zählen 16 Mannschaften zur Gründung. Unter ihnen der SV Werder Bremen. Nicht aber der FC Bayern. Aus der Süddeutschen Liga heißen die Bestreiter um die sagenumwobene Schale: 1860 München, der 1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt, der Karlsruher SC und der VfB Stuttgart .Wir schreiben die ersten Saison. Meister wurde der 1. FC Köln. Leidenschaft 90 Minuten lang. Es war alles möglich. Das wussten nicht nur Fans, Trainer, oder Spieler. Das wusste auch das Fernsehen.

Damals, 65/66 lag der Preis für die Übertragungsrechte (diese teilten sich die ARD und das ZDF) bei 0,65 Mio. Mark. Inflation und Euro-Einführung hin oder her. Heute teilen sich genau 7 (!) Inhaber die Übertragungsrechte am Fußball. Mit an Bord sind: Amazon, Sky, ARD, ZDF, Eurosport und Perform. Der Preis für die Rechte liegt nun bei 1,159 Milliarden Euro. Mir blutet das HERZ! Achja, wer wurde nochmal letztes Jahr Meister?

Mit Herz und Raute

Ja, da frotzelt man. Mal ein: „Was ist Grün und stinkt nach Fisch?“, “ Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“, „Scheiß HSV!“ Alles schön und gut. Aber ich habe immer noch den Satz im Kopf aus der o.g. Dokumentation: Football Leaks: „Die Fans investieren in ein Monster, das man nicht mehr kontrollieren kann.“ Ich habe früher auf ein Trikot gespart. Klar, das kostet schon immer seinen Preis. Doch als ich dann aus dem Fanshop kam, mit einem breiten Grinsen natürlich, war ich stolz. Ich hielt etwas von MEINEM Verein in den Händen.

Wie ihr wisst, habe ich lange in München gewohnt.  Mittendrin statt nur dabei gearbeitet. Mitten am Marienplatz. Weltstadt mit Herz, die jedes Jahr zig Besucher begrüßt. Was ich in München fast täglich sah, Besucher aus aller Welt mit einer Tüte aus dem Bayern München Fan Shop. Kein Stolz. Nichts wertvolles. Einfach nur ein Souvenir. Aber Fußball ist (für mich) nicht nur ein Souvenir.

Mai 2018. Meisterfeier. Auch am besagten Tag, ging ich zum Marienplatz. Diesmal, um mir mein eigenes Bild vor dem Münchener Rathaus zu machen. Viele Asiaten, Amerikaner und anderen Touristen kamen mir entgegen. Auf die Frage: Wie denn der Trainer der Mannschaft mit der Meisterschale hieß, bekam ich ein verlegenes Lächeln, das wars. Aber ein Souvenir, das hatten sie fast alle gekauft. So langsam wird mir klar, wieso Bayern soviel Geld aus dem Merchandise Bereich erwirtschaftet.

Die Party des Reinfalls

Also war ich nun endlich in der Menge, wenn man das so sagen kann. Vielleicht kamen ein paar Hundert, wenn es viele waren. All das Spektakel erinnerte mich an eine Kuh, die sich überfressen hat. Leidenschaft sieht anders aus, Freunde!

Es geht doch schon lange nicht mehr nur um den Fußball. Es geht um Macht. In der heutigen Zeit, wird von ganz oben bestimmt, wer Investitionen bekommt, um die Tabelle anzuführen. Schön, wenn es diese Saison mal nicht klappen würde Herr Hoeneß! Aber zurück zum Thema: Eine Super Liga? Dann würde man immerhin sehen, wer zu den korrupt-subventionierten Vereinen der Welt gehört. Ihr könntet dann in Eurer Welt spielen, in der die Karten noch teurer werden, Fußball immer mehr an Macht erlangt, für die er einfach nie gedacht war. Ich hoffe, die Fans da draussen haben soviel Verstand, dieses Projekt nicht mehr zu unterstützen.

Verkehrte Welt

Mein Appell geht aber auch in Richtung Nachhaltigkeit. So zeigte die Doku, dass eine Klimaanlage in einem Stadion in Katar implementiert wurde. Äh, was??! Als Fan erwarte ich nicht, in einem klimatisiertem Stadion zu stehen, oder im Winter mit einem Tee und einer Kuscheldecke empfangen zu werden. Das ist nicht der Grundgedanke, hinter live dabei sein. Auch wenn sich nicht viele mit tiefer Fankultur auseinander setzen: Es reicht ein Bier und ein tolles Spiel.

Nun, inzwischen kommen nicht nur echte, vor Leidenschaft glühende Fans in die Stadien. Fußball ist Massenunterhaltung. Und wie die Super-Events und immer größer werdenden Konzerte oder Live-Shows, ist auch der Fußball Entertainment vom Feinsten. Oder soll es sein, für mache. So werden Spieler aufgekauft und in Vereine gesteckt, mit denen die Investoren großes Vorhaben. Menschenhandel? Schön, wenn man noch nicht dazugehört. Ja, das meine ich so. Mein Werder Bremen. Hoffe ich. Es sind noch ein paar Seiten übrig, in meinem Buch…

Denken Sie groß

Meine Gedanken schweifen ab. Ich möchte so vieles berichten, bin aber zu aufgewühlt. Wären manche nicht so gierig, würden überall ihren Profit in Dinge sehen, wäre Fußball immer noch das, was es damals sein sollte. Fußball. Anstatt sich ein Trikot von PSG, Real oder Bayern München zu kaufen, weil man zu den Erfolgreichen gehören möchte, hinterfragt mal, wem das Geld zugute kommt. Warum gerade diese Vereine so groß sind (momentan). Nicht selten sind es Investoren, die aus den Arabischen Ländern kommen. Die Unsummen investieren, weil der Kapitalmarkt längst keine so attraktive Rendite mehr zu bieten hat.

Diese Investoren besitzen Geld. Viel Geld. Und dieses Geld regiert die (Fußball)Welt. Lieber Fußball: Groß gemacht haben dich die Fans. Leider hast du den Dollarschein gegen die Stimmung und Leidenschaft getauscht. Wie lange kommst du damit noch durch? Wie viele Talente lässt du jubeln, wie viele fallen? Wie viel Geld – und Macht – muss es noch sein? Was machst du, wenn die Kurve verstummt?

Wirst du zum omnipräsenten Unterhaltungsmedium, das neben dem Sport, auch noch der Volksmusik eine Bühne gibt? Das ist nicht mein Fußball.

Ich plädiere für ein Spiel. Ein ehrliches. Ein nicht gekauftes. Einfach Fußball. Liebe. Leidenschaft.

 

 

 

 

Ewige Liebe 

Ich bin wieder zurück. Der Blog ist zurück. Nach einer viel zu langen Pause, hat es mich wieder ins schöne Weserstadion gezogen – und an die Tastatur. Warum es so lange gedauert hat, bis ihr wieder von mir lesen könnt und wie das Drumherum und das Heimspiel gegen Leverkusen aus meiner Sicht verliefen, erfahrt ihr hier.  Herzlich Willkommen zurück – Auf ein Spiel.

Verdammt lang her,…

…als mein letzter Beitrag online ging. Ich möchte kurz erläutern, warum. Mittlerweile wohne ich nicht mehr in München. Würzburg ist nun die Stadt aus der diese Zeilen stammen. Job gewechselt, Umgebung gewechselt, der Verein aber ist immer noch der gleiche. WERDER BREMEN. In der Rückrunde gibts wieder mehr zu lesen. Mein letzter Beitrag ging auch über das Heimspiel gegen Leverkusen. Heute beginnt wieder alles hier.

Werder Fans vor der Bremer Botschaft. Einem Grünen Haus mit Werder Logos drauf
Willkommen in der Botschaft

Halt dich an deiner Liebe fest

Endlich. Spieltach. Ewig habe ich meine Freunde aus München nicht gesehen. Das große Wiedersehen dann endlich Sonntagmittag in der Bremer Botschaft » Danke an Olaf für die wundervolle Gastfreundschaft! Nach einem kurzen Plausch geht es in das Herz Bremens, um den ein oder anderen Neuling das Bremen zu zeigen, das wir kennen.

Werder Fans stehen vor den Schweinen der Sögestraße in Bremen
Ende der Führung: Sögestraße. Das sollte genug Glück bringen

Diese Gespräche und diese Art Humor habe ich vermisst. Ziemlich kalt hier oben im Norden. Hätte ich eigentlich wissen müssen. Mein dünner Mantel hält mich nur bedingt warm. Aber wie man im Rheinischen sagt: „Das wärmste Jäckchen ist das Cognäckchen.“ Gott sei Dank gab es im Stadion Glühwein.

Den ersten zum Glück schon auf dem Marktplatz mit einer Tüte Schmalzkuchen. Bremen, ich habe dich vermisst. Ich sehe dich mit ganz anderen Augen. Ich bin hier aufgewachsen, habe hier meine ersten Schritte gemacht. Ich liebe diese Stadt.  Ein kleiner Abstecher in die Union Bar steht noch an. Wer hier noch nie war: Das Bier ist unwahrscheinlich gut und die Auswahl hält für jeden Geschmack etwas bereit. Nun aber auf ins Wohnzimmer.

Werder Fans vor der Unionsbar in Bremen mit Werder Schal
Auswärts zum Heimspiel. Danke an Andreas Gums für dieses schöne Foto

Endlich angekommen, treffe ich auf die ersten bekannten Gesichter. All das hat mir gefehlt. Endlich wieder ein Fischbrötchen mit ordentlich Remoulade und ein Haake Beck. Meine Welt. Diese kleinen Dingen machen mich glücklich. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich hier keinen Sieg sehen möchte.

Apropos

Da war ja was. Anpfiff – endlich. Nach zwei Minuten ahnte ich Böses. Ich wusste, dass das Gegentor nicht lang auf sich warten ließ. Und richtig. Nach 8 Minuten Spielzeit steht es schon 0 : 1 für die Gäste. Ja, das fühlt sich so an, als würde dir dein bester Freund eine ins Gesicht feuern. Und das tut weh. Die Stimmung ist dennoch famos. Aber  bei Werder stimmt irgendwas nicht. Man merkt, auf dem prunkvollen Schiff ist heute irgendwo ein Leck durch das Wasser dringt. Jeder Spieler sucht danach. Dann aber in Minute 38 das 0 : 2! Das Schiff hat einen zweiten Treffer bekommen und läuft weiter mit Wasser voll. Es weht ein rauer Wind durch das Weserstadion. Es ist kalt. Die Stimmung bleibt gut. Schockgefrostet durch die Kälte und das bisherige Ergebnis. 7 Minuten später steht uns dann das Wasser bis zum Hals. 0 : 3. Halbzeit.

Das Weserstadion in voller Pracht im Flutlicht
Gleich geht es los. Endlich wieder Weserstadion – bei Flutlicht

Sprachlos. Alle. Irgendwie kann ich das Spiel nicht mehr ernst nehmen. Elia bringt zur Pause einen tollen Spruch, den sich jeder merken kann und an dem soviel Wahres dran ist: „Die haben in 45 Minuten 3 Tore geschossen, dann können wir das auch noch.“ Damit hat er recht, denke ich mir. Also mit neuer Hoffnung wieder volle Kraft voraus in die nächsten 45 Minuten. Bei vielen anderen Bundesligisten wäre die Stimmung nicht so famos wie die unserer Fans. Beim Anpfiff der zweiten Hälfte sage ich noch: „Wenn wir schon so ein Spiel sehen, dann schießt Pizarro ein Tor.“ Ein kleiner Trost wäre das.

Tatsächlich wechselt Kohfeldt Pizarro für den heute nicht so überragenden Friedl ein. Wir schreiben die 60. Minute am 9. Spieltag 2018. Pizarro trifft für uns das 1 : 3. Dieser Schrei. Soviel Befreiung. Endlich! Gänsehaut. Wir liegen uns in den Armen. Kein anderer mit der Nummer 4 – Claudioooooo – PIZARRO! Die ganze Kurve brüllt seinen Namen. Da kommen Kindheitserinnerungen auf. Die Werderlegende rüttelt alles wach. 2 Minuten später trifft Osako für uns. Es steht 2 : 3. Ich raste aus. Tränen in den Augen. Lauthals schreien wir alles raus was geht, um die Mannschaft anzufeuern. Ich denke wieder an Elias Worte.

Wasser Marsch

Gesundheitlich ist das Spiel eine Katastrophe. Jeder Arzt würde den Kopf schütteln. Euphorie für 5 Minuten. Danach trifft Leverkusen – 2 : 4. Wieder läuft Wasser  in das Schiff. Jede Rettung kommt zu spät. Am Ende steht es 2 : 6. Es ist die höchste Niederlage, die ich selbst miterlebt habe. Das Schiff ist gesunken. Das tut weh. Die Jungs aber spielen so eine geile Saison. Die Mannschaft kommt zur Kurve. Wir klatschen. Weil auch der Beste Kapitän Fehler machen kann. Ich bin mir sicher: Wir bekommen wieder Fahrwasser! DANKE JUNGS, für das große Ganze. Ihr spielt spitze dieses Jahr.

Leeres Weserstadion mit Flutlicht
Abpfiff. Die härteste Niederlage in meiner Geschichte

Danach gibt es noch einen Glühwein gegen die Kälte und ein Fischbrötchen. Tradition muss sein. Wir haben Spaß. Auf ins Haifi! Auf diesen Teil des Abends freue ich mich schon seit der Hinfahrt. Da wartet noch ein tolles Wiedersehen auf mich. An dieser Stelle eine kleine Lobeshymne auf Heiko. Deine gute Art, gute Laune, dein Lachen und deinen Humor. Einer der herzlichsten Menschen, die ich kenne. Es ist immer wieder schön, in das Haifischbecken zu kommen. Es sind nicht die vier Wände die es ausmachen, du bist das.

Barmann an der Haifischbecken Bar mit zwei Bier in der Hand
Heiko heißt jeden Willkommen

Das Haifischbecken

Für alle die es nicht kennen: 10 Jahre gibt es das Haifi. Vor dem Steintor. Es locken die Besten Mexikaner und andere liquide Freuden. Beste Stimmung vor und nach dem Spiel.  Hierherzukommen, ist wie zuhause noch ein Feierabendbier zu trinken. Gastfreundschaft wird großgeschrieben. Faschos haben hier keinen Platz. Ebenso auch keine Sky Anwerber. Das Haifi lebt in seiner eigenen kleinen Welt und die ist perfekt so wie sie ist. Weg von Kommerz und Konsum.

Logo vor der Tür mit der Aufschrift: Haifischbecken
Das Haifischbecken

Die Tür geht auf: Eine warme Umarmung, im wahrsten Sinne des Wortes, empfängt mich. Wir lassen den Abend ausklingen.

 

Hai im Haifischbecken
Der Name ist Programm

 

Fazit: Klar war das Ergebnis bitter, keine Frage. Aber es ist das große Ganze dahinter. Mal verlierst du, mal gewinnst du. Alles weiß man erst zu schätzen, wenn man beide Seiten gesehen hat. Wollen wir mal realistisch bleiben. Man wird nie nur Siege sehen. Ich hatte gerade deswegen einen tollen Tag und einen tollen Abend in meiner Heimat. Wer denkt, uns Fans damit ärgern zu können – falsch. Wie wir Dinge sehen, können wenige verstehen. Doch so sehen wir das Leben. Das große Ganze. Der eine Verein. Ewige Liebe. Das was in uns verankert ist, können andere nur erahnen. Treue, Mut, Hingabe.

Der SVW wird niemals untergehen!

 

 

 

SVW – SONNE – SIEG – die Auswärtsfahrt nach Stuttgart

08:35 Uhr. München Hauptbahnhof. Der Zug fährt los. Heute Richtung Stuttgart.3 Punkte stehen heute auf dem Plan. 11 Leute sind dabei. Allesamt heiß auf den Sieg und auf das Spiel. Zudem: Eine Premiere. Denn eine Arbeitskollegin, die meinen Blog verfolgt, wollte unbedingt das erleben, worüber ich immer schreibe. Da lasse ich nicht lange bitten und nehme sie mit. Spannend zu erfahren, wie geschriebenes auf andere wirkt. Wie das Spiel ausging und wie Stella, meine Arbeitskollegin, das Spiel fand? Lest selbst.

Zugfahrt von München nach Stuttgart mit den Anhängern des Fanclubs Grün Weißes München
Auf nach Stuttgart: Gemeinsam startet die Anreise am Münchner Hauptbahnhof

Auf ins Schwabenländle

In aller Herrgottsfrühe geht es los, denn heute beginnt auch noch das Frühlingsfest in Bad Cannstatt. Da dürfen wir nicht fehlen. Auf der Zugfahrt Richtung Stuttgarter Hauptbahnhof im Regionalexpress, treffen wir erstmals auf Fans der Gegenseite. Man würde sich ja gern unterhalten, nur versteht man fast kein Wort. Der Dialekt ist eine komplette Sprache für sich und ein Wörterbuch wäre hier keine Fehlinvestition gewesen.

Natürlich fallen wieder die allbekannten Sprüche. Alles schon gehört. Mehr als nur einmal. Ironie ist, wenn die hardcore verschwitzen Leute, die man vom weitem riecht, einem erzählen wollen, dass man nach Fisch riecht. So eine Dusche am Morgen, die kann was! Nicht die Bierdusche, Freunde! 🙂

Die Stimmung dennoch gut aus unserer Sicht. Am Hauptbahnhof habe ich noch tolle Gespräche mitgenommen und neue Menschen kennengelernt. Das ist das Schöne an der Sache Fußball: man sieht sich immer wieder. Spiel für Spiel.

Auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Werderfans vor dem Spiel.
Stella und ich mit neuen Bekanntschaften. Fußball verbindet!

Neben Frühlingsfest und Stuttgart 21 Baustelle für allen Reisenden, die sich ins „Ländle“ begeben ein paar Tipps rund um die schwäbische Metropole. Diese Orte sind in Stuttgart außerdem zu empfehlen:

Aber nun erst einmal los zum Gegenstück der Cannstatter Wasen –  zum Frühlingsfest!

Zwei gute Freunde inmitten des Fahrgeschäft-Rummels in Stuttgart
Long time no see: Der Oli war mal wieder auswärts am Start.

Hunde müssen draußen bleiben

Feste feiern können sie, die Stuttgarter. Auch wenn die Ultras wie Pitbulls vor dem Zelteingang warten. Ja, Leidenschaft und Liebe zum Verein kann ich verstehen und teilen. Gewalt nicht. Ich denke, diese Zeilen stehen mir zu, da ich selbst ein „hässliches“ Erlebnis, vor nicht allzu langer Zeit hatte. Vielleicht treffen diese Zeilen genau auch mal an die Menschen, an die es gerichtet ist. Werder und ich, das ist eine Art Beziehung. Mein ganzes Leben lang. Bedingungslose Liebe. Nichts und niemanden war ich länger treu, als diesem Verein. Was man liebt, verteidigt man. Aber warum eigentlich verteidigen? Wer will mir denn Werder wegnehmen? Eifersucht ist hier fehl am Platz.

Aber warum kann es dann sein, dass man nichtsahnend auf ein Spiel geht und Gewalt auf einmal zum Thema wird? Aus falschem stolz? Klar, wenn mich jemand angreift, bin ich die letzte die das akzeptiert. Aber warum greifen mich wildfremde Personen an? Warum passiert das, nur weil ich ein Trikot eines anderen Vereins trage? Sind wir hier schon wieder an der Grenze der Ausgrenzung? Und warum sind wir das?

Gerne kann mir jeder Mal seine Meinung dazu schreiben. Füllt dazu einfach mal das Kontaktformular aus.

Mich würde interessieren, was es für euch bedeutet, Fan zu sein und wie weit Eure Liebe zum Verein geht.

Der Anblick dieser aggressiven Gesichter, widert mich einfach nur an. Verteidigt etwas, was euch keiner nehmen kann, nur ihr selbst – eure Würde. Jeder Mensch, hat seine Daseinsberechtigung, egal welches Trikot er trägt. Ohne verschiedene Vereine würde es keine Bundesliga geben. Also geht mein Dank an alle Vereine. Auch wenn mein Herz für Grün-Weiß schlägt und auch ich nicht der Beste Freund vom HSV werde, greife ich nicht ihre Menschenwürde an.

Die Mercedes Benz Arena und der etwas andere geschichtliche Rückblick.

Blick auf die Mercedes Benz Arena
Gleich geht’s los. Wir laufen in das Stadion!

Da ist sie endlich. Rund 60.000 Zuschauer passen rein. Erstaunlich, welche Namen dieses Gebäude schon trug:

  • Mercedes Benz Arena
  • Gottlieb Daimler Stadion
  • Neckarstadion
  • Century Stadium
  • Adolf Hitler-Kampfbahn

Ja, richtig gelesen. Dieses Stadion hat eine tiefe Vergangenheit. Wer nachlesen möchte – bitte hier entlang. Interessant auch, dass das Stadion mal ein Fassungsvermögen von ca. 97.000 Zuschauern hatte. Durch die Umbauten von Steh- zu Sitzplätzen hatte man hohe Einbußen an Kapazität.

Jetzt aber rein da

Wir stehen im Block und das Spiel geht los. Endlich scheint mal wieder die Sonne. Keine Jacke und kein Frieren mehr. Die Laune könnte eigentlich nicht besser sein, wäre da nicht das schnelle Gegentor, das Werder kassiert. Stella steht mittendrin und ist erstaunt, dass trotz Rückstand, die Stimmung famos bleibt.

Blick auf die Kurve der mitgereisten Fans aus Bremen
Zusammen feiern wir die Mannschaft: GWM on Tour!

Egal was auch passiert…

Die Leistung der Mannschaft ist leider nicht nennenswert. Torchancen werden nicht genutzt und es macht keine Freude, der Elf in Grün und Weiß zuzusehen, wie sie 3 Punkte liegen lassen. Ich würde gerne von einem Tor berichten – aber das verschiebe ich auf das letzte Heimspiel gegen Leverkusen. Da ärgern aber nichts bringt, und so nutze ich die Zeit, um ein paar Freunden „Hallo“ zu sagen. Wie soll ich bloß die Bundesliga Pause ohne diese Menschen überleben?!

Blick auf Grün-Weißen Rauch in der Gästekurve
Pyrotechnik ist kein Verbrechen!

Nach Abpfiff machen sich einige Werder Fans an den Zaun und werfen Gegenstände auf die Fans des VFB. Kann ich nicht verstehen. Kann ich nicht teilen. Kann ich nicht gutheißen. Seit wann haben wir denn verlernt zu verlieren? Das gehört eben auch zum Fußball. Dieses Verhalten nicht. Verloren. Verdient. Kopf hoch und auf zum nächsten Spiel.

Wir verlassen die Kurve. Steigen später in den Zug und langsam geht die Sonne unter. Ich nutze die Zeit, um Stella zu fragen, wie sie als „Nicht-Fan“ das Spiel empfunden hat.

Drei Fragen an Stella

Stella, was genau war dein Highlight auf dieser Auswärtsfahrt?

Mein Highlight war die grandiose Stimmung bei Kaiserwetter und die Fankultur, die alle meine Erwartungen übertroffen hat. Die Fans wurden nicht müde, ihre Mannschaft anzufeuern und die Liebe zum Verein war echt ansteckend!

Welches Gefühl beschreibt die 1. Halbzeit am besten?

Habe viel Text gelernt, viel geklatscht, die Fahnen begutachtet und die Stimmung auf mich wirken lassen. Die Fans waren alle gut gelaunt und ich habe mich sehr willkommen gefühlt inmitten der Ultras.

Würdest du noch einmal mitkommen und warum?

Ich würde definitiv wieder mitkommen, weil ich herzlich aufgenommen wurde, einen heiden Spaß hatte und Werder beim nächsten Mal siegen sehen möchte 😉

Fünf Freunde im Werder-Trikot
Mittendrin statt nur dabei – Stella im Mittelpunkt des Geschehens

Die Augsburger Punktekiste

Endlich ist es wieder so weit. Auf zum Münchener Hauptbahnhof. Treffpunkt: Süßigkeitenstand, wie immer. Gute Laune, wie immer. Leider können wir nicht behaupten, wie immer in Augsburg 3 Punkte zu holen. Aber vielleicht können wir hier der Gewohnheit ein Angebot machen, das man nicht ablehnen kann?

Grün Weißes München ist on Tour
Grün Weißes München ist on Tour: Auf dem Weg nach Augsburg!

GWM on Tour

Es versammeln sich immer mehr Anhänger des SVW am zentralen Punkt in der Bayerischen Landeshauptstadt. Grün-Weißes-München ist on Tour. Heute geht es in die benachbarte Stadt Augsburg. Oder wie man auch sagt: AUGSCHBURG.

12:35 Uhr rollt der Zug in München los. Unser Ziel – die WWK Arena. Ich erinnere mich noch gut an das letzte Jahr. Ziemlich bitter; mit 3:2 haben wir damals dieses Spiel in der letzten Minute verloren. Ich sehe den Spieltag noch vor mir. Zweimal gingen wir in Führung und brachten trotzdem keine Punkte nach Hause. Heute soll das anders werden. 40 Minuten Hinfahrt verfliegen und wir kommen an. Aber blättern wir erst einmal im Geschichtsbuch und im Reiseführer…

Blick auf die Stadt Augsburg
Blick auf die Stadt Augsburg

Römisch, Bayerisch. Wer hätte es gedacht…?

„Augschburg“ hat Ihren Namen dem römischen Heerlager und die spätere römische Provinzhauptstadt „Augusta Vindelicorum“ zu verdanken. Die Fuggerstadt ist zudem die älteste Stadt Bayerns und die zweitälteste Deutschlands. Man geht von einem Gründungsdatum etwa 8 v.Chr. aus. Ja sogar einen eigenen deutschen gesetzlichen Feiertag haben die Augsburger. Der 08.08. soll an das Friedenfest 1650 erinnern und selbiges gefeiert werden.
Die deutsche Mozartstadt wurde 1632 von Schwedenkönig Gustav Adolf erobert und schließlich 1806 in das Königreich Bayern eingegliedert. Mit aktuell 293.415 Einwohnern ist Augsburg auch die drittgrößte Stadt des Freistaats, nach München und Nürnberg.

Wohin das Nächste Mal?

Wir steigen an der Haunstetter Straße aus, keiner von uns weiß, dass sich hier auch der Jüdische Friedhof befindet. Ein Gedenkstein erinnert an die etwa 400 ermordeten Augsburger jüdischen Opfer der Shoah. Wer noch mehr Zeit hat und sich Augsburg bei der Nächsten Auswärtsfahrt genauer angucken möchte, bekommt hier noch die Sehenswürdigkeiten:

Ein guter Tausch

Wieder zurück zum 17.03.2018. Vor dem Stadion treffe ich auf Chris, einen guten Freund aus Potsdam. Ich sag es immer wieder gerne: Fußball verbindet. Aber auch noch auf einer anderen Ebene, als der Leidenschaft für das runde Leder. Nach einer langen Umarmung, zeigt er mir voller Stolz, ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Nazis raus aus den Stadien“. Geiles Statement – ich zögere nicht lange und tausche meinen GWM Schal gegen das Shirt. XL – naja vielleicht wachse ich da noch rein. Meine Oma kaufte mir schon als kleines Kind immer nur Klamotten in Übergröße – „da wächst du noch rein“ waren ihre Worte. Bis heute ist dieser Fall jedoch noch nicht eingetreten.

Doch ich möchte hier noch einmal auf die Kampagne zu sprechen zu kommen.

Werder Kappe und Nazis raus aus den Stadien-Shirt
Mein neuester Besitz: Nazis raus aus den Stadien! Hast du schon eins?

Nazis raus aus den Stadien

Erst einmal ganz persönlich, ein großes Kompliment für dieses Projekt. Viele Bundesliga Vereine unterstützen es bereits. Natürlich auch Werder Bremen. Am Empfang des Weserstadions wurden bspw. Spendenboxen aufgestellt. Viele Aufrufe gingen durchs Netz und man organisierte zahlreiche Unterschriftsammlungen der Innenliste des Yalla SVW für einen Benefizkick – unterzeichnet, auch von Grün-Weißes München.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass die Cottbuser Fans mit rassistischen Fangesängen gegen Babelsberg 03 im Stadion ihr wahres Gesicht zeigten. Immer noch präsent und das nicht nur im Fußball. Rechtsextremismus hat in Stadien nichts verloren. Nirgendwo! Es ist eine Frechheit was hier „Nulldrei“ passiert ist und ein Armutszeugnis vom NOFV für die Vorgehensweise.

Rechtsextremismus hat in Stadien nicht verloren. Ich hab ein Shirt – und ihr solltet für Partnerlook sorgen! Unterstützt die Kampagne, wenn auch Ihr ein Statement setzen wollt.

Die Kampagne gegen rechte Hetze

Wer noch nichts mitbekommen hat, liest mit einem Klick hier noch einmal das Wichtigste in Kürze.

Außerdem möchte ich klar kommunizieren, dass ich kein Geld oder sonstige Benefits für Werbung bekomme. So viel Mut verdient Anerkennung und Respekt – und wenn ich mit diesem Blog ein paar Leute dazu bewegen und erreichen kann, Flagge zu zeigen, dann tue ich das!

Blick von der Kurve auf das Spielfeld in Augsburg
Wir in der Kurve – der SVW auf dem Platz

Lasst die Puppen tanzen

Es geht in die Kurve. Bester Blick auf das Spielfeld. Die Fangesänge starten und jeder von uns ist gespannt, wie heute das Match ausgehen wird.
Man hat sich gerade ein wenig eingefunden und eingelebt, schon kommt die erste Chance für Werder. TOOOOOR! Belfodil schießt die Grün-Weißen in Führung und es steht 0:1. Irre. Damit hätte auch keiner gerechnet. Wir liegen uns in den Armen und begreifen etwas später, was passiert ist.

Werder hat definitiv die Nase vorn. Immer wieder gute Pässe und Ballkontakte – es macht so viel Spaß dem SVW beim Spielen zuzusehen. 40. Minute wieder Ishak. Doppelpack. Ja was ist denn da los? Belfodil, der häufig Pech vor dem Strafraum hatte, war wie ausgewechselt und kaum noch zu bremsen. Der Torjubel mit Gänsehaut. Und so stand es in der ersten Halbzeit schon 0:2. Leider geht auch der HSV in Führung.

Aber jetzt war es an der Zeit sich zu stärken. Das Schöne am Fußball ist, dass man ganz schnell viele Leute kennenlernt. Egal woher. So lernte ich auch vor dem Spiel Fans aus Weiden kennen. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Beim Fußball auch häufiger. Nach einer Portion Pommes und einem Getränk geht es wieder in den Gästeblock.

100% Werder

Das war mein Zuhause. Freunde, Bier und Fußball. Und vor allem — immer gute Stimmung! Auch beim Anschlusstreffer der Gastgeber. Rani Khedira versenkte die Kugel in Pavlenkas Revier. Keine einzige Sekunde ließen wir uns davon abhalten, weiterzumachen. Der Gesang unterbricht für keinen Moment. Ich bewundere immer wieder unsere Einstellung. Bedingungslos.

Mal ganz ehrlich, wo gibt es das noch? In welcher Situation ist man selbst auch bei einem Fehltritt noch guter Dinge und Laune? Was im Leben tut man noch bedingungslos? Mit so unendlich großer Hingabe und Leidenschaft? Eigentlich relativ wenig. Dabei ist das Leben einmalig. Jedes Spiel ist einzigartig und nie wieder erlebbar. So ist es im Alltag mit tausend anderen Dingen auch, aber welchen schenken wir davon genauso viel Hingabe wie Fußball?

Gerade weil wir selbst nicht am Ball sind aber immer am Ball bleiben, fasziniert es mich umso mehr. Denn ob Belfodil trifft oder nicht, hat am Ende Belfodil in der Hand oder besser gesagt, am Fuß, nicht wir. Wir selbst sind der Kapitän auf unserem eigenen Boot, in dem wir das Ruder in der Hand haben. Trotzdem steuern wir nur selten gegen den Wind. Und wenn wir einmal auf Kurs sind, wie oft genießen wir die Wellen? Wann den Ausblick aus egal welcher Position? Was drückt dich unter Wasser und was lässt dich treiben? Es fasziniert mich.

Werderheiko mit Hut und Nadine Becker
Werderheiko und ich!

Wir sind die coolsten, wenn wir KRUSEN

Genauso wie das Treffen mit Heiko – der aus Bremen kommt und das Spiel zu sehen – fasziniert mich das letzte Tor der Partie. MAX KRUSE! 82. Minute. Viele Augsburger Fans verlassen frühzeitig das Stadion. Das würde mir nie im Leben einfallen, egal wie es für die Bremer Jungs steht. Ich genieße den Rhythmus der Fangesänge und den der Trommel. Ich schließe die Augen und gebe mich der Stimmung hin, die besser nicht sein kann. Der Schiri pfeift ab und Werder holt erneut 3 wichtige Punkte.

Die Mannschaft kommt zur Kurve und wird verdient gefeiert. Wann hast du dich das letzte Mal feiern lassen?

Heimspiel – Der Morgen danach

09:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich öffne die Augen und merke, dass mein Schädel brummt. Vielleicht war es ein Becks zu viel am Vorabend auf dem Fan-Fest. Mein Kumpel Oli hat auf der Couch geschlafen und war mindestens genauso überrascht, wie schnell eine Nacht enden kann. Viel zu früh. Aber: Genug geträumt. Gleich geht es los!

Zwei Dosen Paulaner-Spezi auf dem Balkontisch
Spezi: Energie für ein anstrengendes Spiel

Wat mutt dat mutt – FCBSVW

Es kostete mich Überwindung überhaupt aufzustehen. Aber „wat mutt dat mutt.“ sagen wir Bremer. Also raus aus den Federn und ab ins Schmaus und Braus. Hier sollte das Katerfrühstück, bestehend aus Weißwurst, Breze und Bier, stattfinden.

Punkt 11:30 Uhr. So ein Katerfrühstück ist schon etwas Feines. Es gibt nicht einmal mehr Sitzplätze und einige essen im Stehen. Wir sind angespannt und fragen uns, was uns heute noch erwarten wird. Immerhin ist es schon zehn Jahre her, als wir die Bayern zuhause in München mit einem 5 : 2 „wegfegten“! Ich war natürlich live dabei. Die Mannschaft wollte das Spiel heute unbedingt gewinnen und wir waren mehr als heiß. Schreiben wir heute erneut Fußballgeschichte?

Apropos Geschichte — was hat München eigentlich noch zu bieten?

„Minga“ ist mit 1,5 Millionen Einwohnern, die einwohnerstärkste Stadt Bayerns. Sie zählt zu den Weltstädten und das lässt sich München gerne auch bezahlen. So stimmt es, dass die Mieten wirklich horrend sind und man in einigen Locations mit einem Gin Tonic auch den Wocheneinkauf bezahlen könnte.

Die Stadt „bei den Mönchen“ hat hier aber auch ihr Päckchen zu tragen. So erinnern sich viele wohl noch an die Geiselnahme an den Olympischen Spielen. 1635 bricht die Pest aus und ein Drittel der damaligen Bevölkerung fällt der Epidemie zum Opfer. Die Einwohnerzahl sinkt kurzzeitig von 22.000 auf 9.000 ab. Im gleichen Jahr kehrten die Schwedengeiseln nach München zurück, die Gustav II. Adolf von Schweden damals an sich riss, um die Stadt zu besetzen.

Auch München wurde im Zweiten Weltkrieg nicht verschont und bis Kriegsende war die gesamte Stadt zu fünfzig Prozent zerstört. Die Altstadt traf es mit neunzig Prozent besonders schlimm.

Skyline Münchens
Blick über München: Der Himmel der Bayern

Selbst ein grober Abriss der Geschichte Münchens würde hier den Rahmen sprengen. Wenn euch die Historie dennoch interessiert, kann ich die Nachtwärter Führung empfehlen. Für wenig Geld, die komplette Geschichte, hervorragend und mit viel Liebe erzählt. Hier noch meine persönlichen Sehenswürdigen für die nächste Auswärtsfahrt:

Blick auf das Spielfeld in der Allianz Arena
Die Arena füllt sich: Wir freuen uns alle auf das Spiel

Hier regiert der SVW!

13:00 Uhr geht es langsam gen Stadion. Rund 40 Fans starten gut gelaunt und lauthals Richtung U-Bahn. Es ist unfassbar kalt und nur ein Wegbier wärmt von innen. Ganz München konnte uns hören. Die Stadt ist heute Grün-Weiß.

Unten in der U-Bahn wird es richtig voll. Wir treffen auch erstmals auf Fans der gegnerischen Mannschaft. Wenn ich nach all meinen Erfahrungen, die gemütlichsten und friedlichsten Fans bestimmen müsste, dann wären es die des FC Bayern. Ich hatte auf Auswärtsfahrten schon ganz andere Situationen erlebt. Hier hat man uns akzeptiert und mit dem ein oder anderen kann man sich auf vollkommen normalem Niveau über Fußball unterhalten.

So friedlich wie die Bazis auch sind, ist auch ihre Stimmung. „Und schon wieder keine Stimmung FCB“ ertönt es von unserer Seite. Aber hier irgendwann mehr in einem eigenen Blog Beitrag. 15 Minuten lang, lassen die Fans unsere Gesänge über sich ergehen. Nach einem „Wir sind stolz auf unser’n Fisch — Werder Bremen“ Gesang, nahmen wir ihnen nun endgültig jegliche Grundlage zum Kontern. Humor? Können wir!

Ab ins Stadion!

Schön aufgewärmt — innen wie außen — kamen wir in Fröttmaning an. Mit Schal, Gesang und guter Laune geht es endlich in unser Domizil für die nächsten 90 Minuten. Immer noch kein Aufzug in der Arroganz Arena! Sport wird hier wirklich noch groß geschrieben. Alte Freunde, die ich schon seit 15 Jahren kenne, laufen mir über den Weg. Da es für die Gäste in den meisten Stadien nur alkoholfreies Bier gibt, stößt man eben mit dem an, was man kriegen kann.

20 Minuten vor Anpfiff stehen wir in der gegnerischen Kurve; zu Gast bei den Bayern. Die Ultras geben den Takt vor — und wir stimmen mit Leib und Seele ein.

Wir schreiben Minute Eins und es ist von der ersten Sekunde an, ein gutes Spiel. Werder zeigt sich von seiner kämpferischen Seite. Auch wenn wir hier als Auswärts-Fans in den letzten Jahren immer wieder schwere Momente hatten, kamen wir immer noch gerne her. Für uns waren es ein paar Minuten ins Stadion. Man bedenke, dass es für die Bremer mit 763 km, die weiteste Auswärtsfahrt der Saison ist. Und der Gästeblock ist restlos ausverkauft.

Wehende Fahnen in der Gästekurve der Allianz Arena
Die Stimmung kocht! Werder führt ✌️

Wir sind wieder zurück

25. Minute in der Allianz Arena. Es wird brenzlig vor dem Strafraum des FC Hollywood. Gondorf trifft. 0 : 1! Egal, was ich hier jetzt schreibe: Das war einer dieser Momente, die ich mit in mein Grab nehme und kaum beschreiben kann. Keiner konnte fassen, was hier gerade passiert ist.

Die komplette Gästekurve ist nicht mehr zu bremsen. Es gibt kein Halten mehr. Alle Bremer sind außer Rand und Band. Wir liegen uns in den Armen und können unseren Augen kaum trauen. All der Frust der Hinrunde — rausgeschrien bei diesem Tor. Wir sind wieder da!

Anzeigetafel der Bayern. Werder führt 1 zu 0
So geht das! 0 : 1

Die Stimmung hat Ihren Zenit erreicht. Werder war immer noch stark und am Ball. Leider fiel der Ausgleich kurz vor der Halbzeitpause durch Müller. 1 : 1. Schade, aber zu verkraften.

Ich spüre meine Füße vor Kälte nicht mehr, doch die Stimmung ist alles andere als eingefroren. 15 Minuten durchatmen. Das brauchen wir nach dieser ersten Halbzeit. Wer weiß, was hier noch alles passiert. Eins steht fest — zu Null gehen wir heute nicht mehr nach Hause.

Ein Pfiff. Es geht wieder los.

Der Ball rollt und die zweite Halbzeit startet. Bei diesem Spiel kam übrigens mein Titelbild zustande. Hier sieht man keinem die Kälte ins Gesicht geschrieben. Im TV auch nicht. Man muss es einfach selbst erleben. Fußball kann einem eben nicht nur das Herz erwärmen.

Zwei Freunde beim Fußballspiel
Friendship never ends

63. Minute — Lewandowski! Absoluter Mist. Auf einmal sind sie wieder da — die Fans des FC Bayern. Viele kommen erst jetzt wieder aus der V.I.P Lounge. Ganz schön laut, wenn rund 73.000 Heimfans verlauten lassen, dass ihre Mannschaft ein Tor erzielt hat. Das kann jetzt ganz bitter enden. Meist verliert Werder hier den Mut und lässt sich fallen. WEIT GEFEHLT!

Werder will diesen Sieg.

74. Minute. Sule. Aber nicht für die Bayern, sondern für uns! Eigentor. Es steht 2 : 2. Wir wieder außer Rand und Band. Erneut die Chance, hier 3 wichtige Punkte mitzunehmen. Was für eine Partie. Für 15 Euro kommt hier nicht nur der Kreislauf in Schwung, sondern auch die Dopamin-Ausschüttung.

Kurz darauf aber das 3 : 2 für die Gastgeber. Wieder traf der gebürtige Warschauer für die Roten. Wir feuerten weiter. Nicht nur unsere Jungs auf dem Platz, sondern auch wir auf der Tribüne. Einige von uns haben schon längst keine Stimme mehr.

Der SVW hatte noch 10 Minuten Zeit, das Spiel zu drehen. Jetzt bloß nicht Aufgeben. Der Capo unten bei den Ultras motiviert uns. Das kann man sich wie bei einem Workout im Fitnessstudio vorstellen, bei dem man noch ein paar Minuten durchhalten muss.

6 Tore – 90 Minuten

Viele denken sich bestimmt, dass wir jetzt super enttäuscht sind, weil wir eine Führung aus der Hand gegeben haben. Weit gefehlt beim Fußball. Klar, das ein oder andere Gegentor nervt uns, aber das dürfen wir uns nicht anmerken lassen. Wenn der Rückenwind und die Richtung stimmen, dann geht es auch viel leichter nach vorne. Der Rückenwind sind WIR — die Fans. Bedingungslos. Das macht uns aus und nach 90 Minuten Spielzeit und einem letzten Tor von Thomas Müller, unterliegen wir hier am Weißwurstäquator mit 4 : 2. Dennoch ein tolles Spiel.

Zwei Fans nach dem Spiel FCB gegen SVW
Das Spiel ist durch. Wir feiern weiter.

Das Lied von Eis und Feuer

Wir machen uns schließlich auf dem Heimweg. Singen weiter unsere Lieder und freuen uns – vor allem auch auf unser Bett. Die Stimmung in der U-Bahn famos, allerdings nicht von den Fans in Rot, sondern von uns in Grün. Ich gucke in die Gesichter der Fans, deren Mannschaft 3 Punkte geholt hat. Man könnte meinen, sie kommen gerade von einer Beerdigung. Schade, dass für sie Fußball so gar nicht mehr spannend scheint. Ein bisschen tun sie mir leid. Die Gefühle von Euphorie, Leidenschaft und Liebe scheinen erloschen. Aber unser Feuer brennt — es heißt nicht umsonst in unserer Hymne — „ihr seid cool und wir sind heiß.“

Das Fan-Fest – Werder zu Gast in München

Lange haben wir auf diesen Tag hingefiebert. Nicht nur wegen der Partie gegen den FC Bayern. Auch, weil wir dieses Jahr wieder keine Kosten und Mühen gescheut haben, dem Gastgeber zu zeigen, wer hier das Sagen hat.

Grün-Weißes München lädt zum Fan-Fest

Januar 2018. Es ist kalt und das wohl schwierigste Spiel der Saison steht an. Der SVW ist zu Gast bei uns in München. Zeit, die Werder Fahne wieder voller Stolz zu hissen. Aber auch voller Vorfreude, denn Grün-Weißes München lädt auch 2018 wieder zur Wirtshausgaudi, dem legendären Fan-Fest in München, ein. Es ist die vierte Version. Eine Sporthalle voll mit 500 Grün-Weißen Luftballons der Ort des Geschehens. Wir haben uns zig Kleinigkeiten, Spiele, Deko-Ideen und unzählige Dinge überlegt, um dieses Fest zu etwas Besonderem zu machen. Aber nun alles von vorn.

Die Vorbereitungen zur Wirtshausgaudi im Schmaus & Braus
Die Vorbereitungen zum Fan-Fest laufen

Es gibt immer was zu tun

15:00 Uhr. Fleißige Helfer versammeln sich vor unserer genialen Werder Kneipe — dem Schmaus & Braus in der Ursulastraße. Um 18:30 Uhr werden die Pforten für mehr als 200 Werder Fans aus aller Welt geöffnet – und da waren die 500 Luftballons; noch verpackt!

Nicht lang schnacken — ran an die Luftpumpen, um später diesen Trinkspruch in Ruhe zu Ende führen zu können. Die Bühne für die Band „Gaudiblosn“ samt Tontechnik und Licht musste ebenfalls aufgebaut und angebracht werden. Wie gut, dass man zusammen hält und es so viele Menschen gibt, die uns unter die Arme greifen.

Dart-Spiel mit HSV Zielscheibe
Zielsicher wird der HSV abgeschossen

Ich schnappe mir zuerst einen Edding und eine Korkplatte, um daraus ein Dart-Spiel „DARTzke“ zu basteln. Ich musste mir wirklich etwas einfallen lassen… und würde sagen, auf dem Bild sieht man, dass mir das gut gelungen ist.

Die Ruhe vor dem Sturm

Nun mussten auch noch Bierbänke aufgebaut und dekoriert werden. Trotz der großen Liste an ToDos, kam der Spaß nicht zu kurz. Es erfüllt mich, etwas zu säen, um später zu erleben, welchen Erfolg es erntet. Der erste Blick auf das kleinste Detail, der zweite immer wieder auf die Uhr. Nur noch wenige Minuten bis zum Einlass. Von draußen kann man bereits Stimmen hören. Ich kann es nicht lassen und spähe kurz durch den Türspalt um zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Ich traue meinen Augen kaum: Schon über 30 Leute warten, um endlich bei uns Gast zu sein. Zu Gast in München. Für uns DAS HEIMSPIEL der Saison. Einmal nach 20 Minuten zuhause sein und dann ins Bett fallen.

Dekorierte Sporthalle für das Fanfest am 20.01.2018
Gleich geht’s los: Die Deko zum Fan-Fest steht!

Es geht los – Unser Beitrag zur Förderung des Fußballgeschmacks in München

Die Gaudiblosn stimmen sich ein, das Licht erleuchtet in Grün-Weißem Glanz und wir schießen ein letztes Gruppenfoto, bevor sich die Tore öffnen. Alle sind nervös und angespannt, ob das was wir in gerade mal 3,5 h auf die Beine gestellt haben, den teils weit angereisten Gästen gefällt.

Die Menge strömt in die Halle. Ich bin zufrieden. Es sind einfach die kleinen Dinge, die ich so sehr schätze. Viele Gesichter erkennt man sofort. Die letzte Begegnung ist oft ein ganzes Jahr her; umso schöner ist das Wiedersehen. Die Musik ertönt, das Bier fließt und alle sind in bester Laune.

Gruppenfoto der Aufbauhelfer GWM
Gute Laune vor dem Start – das Fan-Fest geht los!

Alles nur aus Liebe

DARTzke – meine Werder-Version des beliebten Wurf-Spiels, kommt gut an und die Kasse klingelt. Natürlich nicht für unseren Eigenbedarf, sondern als Spende an die Stiftung für Krebskranke Kinder e. V. Deren Arbeit ist mir persönlich ein ganz besonderes Anliegen. Wir spenden jedes Jahr unsere gesamten Einnahmen aus dem Phrasenschwein „Toni“ und auch sonst alles, was wir durch Aktionen und Events aufbringen. Heute z.B. die Erlöse aus der Tombola. Knapp 1000 Euro kamen der Stiftung durch das Fan-Fest in Summe zugute.

Definitiv Champions League!

Oben schrieb ich: Werder-Fans aus aller Welt. Denn als ich den Fan mit diesem Schal sah, wusste ich — Werder spielt international — wenn auch nicht mit dem runden Ball, sondern eher mit seinem Charme. Selbst in China, weiß man eben guten Fußball zu schätzen.

Zwei Werder-Fans mit chinesischem Fan-Schal
Zwei Werder-Fans – Die Farben Grün und Weiß strahlen bis nach China

Es hat schon etwas Besonderes, wenn eine Oktoberfest-Band Werder Bremen-Lieder spielt. Und schon überkommt mich wieder dieses Gefühl von Heimat in einer anderen Stadt. Man arrangiert sich eben. So gibt es ja immerhin auch das Bayernzelt auf dem Bremer Freimarkt. So in etwa geht hier übrigens auch das Bier weg. Alle 45 Minuten 1 Fass — nur für’s Protokoll.

Bei der Talk-Runde mit Frank Baumann und Hubertus Hess-Grunewald hätte man eine Stecknadel fallen lassen können — aber schließlich der Aufschrei, nachdem Herr Grunewald erwähnt, dass das nächste Fass auf seine Rechnung geht. Die Party geht weiter und die Tanzfläche ist mehr als nur eröffnet.

Talkrunde mit Frank Baumann, Hubertus Hess-Grunewald und Elia
Die Talkrunde bei der Wirtshausgaudi mit Frank Baumann, Hubertus Hess-Grunewald und Elia, dem 2. Vorstand von GWM // Foto: @andreasgumz / #gumzmedia

Der krönende Abschluss

Um Elf war der offizielle Teil vorbei und die Feierlichkeiten müssen Enden. Die Band spielt ihren letzten Song. „Du entschuldige – i kenn di“. Wir stehen im Kreis vor der Bühne. Viele, die ich nicht kenne, viele die ich nicht oft sehe im Jahr und Menschen, die München für mich „gemütlich“ gemacht haben. Da stehen wir nun. Arm in Arm. Wir bilden einen großen Kreis, der mich an Fußball erinnert.

Der letzte Refrain. Textsicher waren wir nicht, aber dafür echt. Einigen kommen die Tränen. Steht uns Nordlichtern zu, wir sind ja wirklich nah am Wasser gebaut – und zudem ist es sicher belustigend, ein paar norddeutschen beim bayerisch Singen, zu lauschen.

Gefüllte Bänke und gute Laune beim Fanfest
Volles Haus beim Fan-Fest – der Norden zu Gast im Süden

Man weiß und spürt, dass es derartige Momente im Leben nur selten gibt. Gerade beschreibe ich einen. Außerhalb der Kurve ist man irgendwann befreundet und teilt derart persönliche Momente. Da ertönt sie plötzlich, die letzte Zeile des Liedes. „…als ob dazwischen einfach nix war.“ Genau so fühlt es sich an. Als wäre zwischen den Spielen nie Zeit vergangen – Freundschaft.

Lebenslang Grün-Weiß

Und obwohl das Licht angeht und jeder weiß, die Party ist vorbei, klingt dieser Augenblick nur langsam aus. Man hat sich nie aus den Augen verloren und findet sich doch immer irgendwo anders wieder. Heute in München. Keiner weiß, wo man sich nach dem bevorstehenden Spiel morgen gegen Bayern, das nächste Mal treffen wird, sondern nur, dass eine Mannschaft in den Farben Grün und Weiß, der Grund dafür sein wird.

Weitere Eindrücke von der Wirtshausgaudi am 20.01.2018 im Schmaus & Braus findet ihr im Zusammenschnitt von der Deichstube

Drei Freunde auf dem Fanfest
Die Wirtshausgaudi neigt sich dem Ende – doch wir haben noch lange nicht genug

Ach ja, da war ja noch das geniale Spiel gegen den F.C. — wer…? UUND natürlich der Morgen danach!

Auf ein Spiel – in die Arroganz Arena!