Als der Fußball seine Seele verkaufte

Keine Bilder. Viele Emotionen. Ehrlichkeit. Meinung. Nicht nur Werder. Im Fokus: Fußball. Der Grund? Football Leaks. Lasst uns darüber diskutieren.

Man darf nicht nur die Augen verschließen und alles gutheißen. Man muss hinterfragen. Das gilt für viele Dinge im Leben; nicht nur wenn es um das Runde und das Eckige geht. Vergangenen Sonntag wurde mir mulmig, nachdem ich eine Dokumentation im TV sah. Ich stellte zum ersten Mal das in Frage, was mich mein Leben lang geprägt hat. Fußball. Thema in der ARD war die „Super League“. Ein neuer Liga-Verbund, außerhalb der UEFA, geplant von den „großen Vereinen“. Infos dazu kamen im Zuge der Football Leaks-Recherchen zum Vorschein.  Vor einiger Zeit habe ich angefangen, das gleichnamige Buch „Football Leaks“ zu lesen. Eine knallharte Lektüre zum wach werden. Für alle, die es noch nicht kennen, Pflichtprogramm! Was ich also vergangen Sonntag sah, stellte meine Welt auf den Kopf.

Früher war alles besser

64/65 Werder wird Meister. 75/76 Borussia Mönchengladbach. 94/95 der BVB – Werder wurde in diesem Jahr Vizemeister.  Seit 12/13 bis heute, kommt der Deutsche Meister aus der Landeshauptstadt Bayerns. Anstatt zu gröhlen, auf Kapitalismus sein Glas zu heben, frage ich Euch ernsthaft: Denkt ihr Fans aus München auch einmal nach, wie das passieren konnte?

Die Basis macht das Gift

Gegründet 1962 in Dortmund. 63/64 wird die Oberliga von der Bundesliga abgelöst. Damals zählen 16 Mannschaften zur Gründung. Unter ihnen der SV Werder Bremen. Nicht aber der FC Bayern. Aus der Süddeutschen Liga heißen die Bestreiter um die sagenumwobene Schale: 1860 München, der 1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt, der Karlsruher SC und der VfB Stuttgart .Wir schreiben die ersten Saison. Meister wurde der 1. FC Köln. Leidenschaft 90 Minuten lang. Es war alles möglich. Das wussten nicht nur Fans, Trainer, oder Spieler. Das wusste auch das Fernsehen.

Damals, 65/66 lag der Preis für die Übertragungsrechte (diese teilten sich die ARD und das ZDF) bei 0,65 Mio. Mark. Inflation und Euro-Einführung hin oder her. Heute teilen sich genau 7 (!) Inhaber die Übertragungsrechte am Fußball. Mit an Bord sind: Amazon, Sky, ARD, ZDF, Eurosport und Perform. Der Preis für die Rechte liegt nun bei 1,159 Milliarden Euro. Mir blutet das HERZ! Achja, wer wurde nochmal letztes Jahr Meister?

Mit Herz und Raute

Ja, da frotzelt man. Mal ein: „Was ist Grün und stinkt nach Fisch?“, “ Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“, „Scheiß HSV!“ Alles schön und gut. Aber ich habe immer noch den Satz im Kopf aus der o.g. Dokumentation: Football Leaks: „Die Fans investieren in ein Monster, das man nicht mehr kontrollieren kann.“ Ich habe früher auf ein Trikot gespart. Klar, das kostet schon immer seinen Preis. Doch als ich dann aus dem Fanshop kam, mit einem breiten Grinsen natürlich, war ich stolz. Ich hielt etwas von MEINEM Verein in den Händen.

Wie ihr wisst, habe ich lange in München gewohnt.  Mittendrin statt nur dabei gearbeitet. Mitten am Marienplatz. Weltstadt mit Herz, die jedes Jahr zig Besucher begrüßt. Was ich in München fast täglich sah, Besucher aus aller Welt mit einer Tüte aus dem Bayern München Fan Shop. Kein Stolz. Nichts wertvolles. Einfach nur ein Souvenir. Aber Fußball ist (für mich) nicht nur ein Souvenir.

Mai 2018. Meisterfeier. Auch am besagten Tag, ging ich zum Marienplatz. Diesmal, um mir mein eigenes Bild vor dem Münchener Rathaus zu machen. Viele Asiaten, Amerikaner und anderen Touristen kamen mir entgegen. Auf die Frage: Wie denn der Trainer der Mannschaft mit der Meisterschale hieß, bekam ich ein verlegenes Lächeln, das wars. Aber ein Souvenir, das hatten sie fast alle gekauft. So langsam wird mir klar, wieso Bayern soviel Geld aus dem Merchandise Bereich erwirtschaftet.

Die Party des Reinfalls

Also war ich nun endlich in der Menge, wenn man das so sagen kann. Vielleicht kamen ein paar Hundert, wenn es viele waren. All das Spektakel erinnerte mich an eine Kuh, die sich überfressen hat. Leidenschaft sieht anders aus, Freunde!

Es geht doch schon lange nicht mehr nur um den Fußball. Es geht um Macht. In der heutigen Zeit, wird von ganz oben bestimmt, wer Investitionen bekommt, um die Tabelle anzuführen. Schön, wenn es diese Saison mal nicht klappen würde Herr Hoeneß! Aber zurück zum Thema: Eine Super Liga? Dann würde man immerhin sehen, wer zu den korrupt-subventionierten Vereinen der Welt gehört. Ihr könntet dann in Eurer Welt spielen, in der die Karten noch teurer werden, Fußball immer mehr an Macht erlangt, für die er einfach nie gedacht war. Ich hoffe, die Fans da draussen haben soviel Verstand, dieses Projekt nicht mehr zu unterstützen.

Verkehrte Welt

Mein Appell geht aber auch in Richtung Nachhaltigkeit. So zeigte die Doku, dass eine Klimaanlage in einem Stadion in Katar implementiert wurde. Äh, was??! Als Fan erwarte ich nicht, in einem klimatisiertem Stadion zu stehen, oder im Winter mit einem Tee und einer Kuscheldecke empfangen zu werden. Das ist nicht der Grundgedanke, hinter live dabei sein. Auch wenn sich nicht viele mit tiefer Fankultur auseinander setzen: Es reicht ein Bier und ein tolles Spiel.

Nun, inzwischen kommen nicht nur echte, vor Leidenschaft glühende Fans in die Stadien. Fußball ist Massenunterhaltung. Und wie die Super-Events und immer größer werdenden Konzerte oder Live-Shows, ist auch der Fußball Entertainment vom Feinsten. Oder soll es sein, für mache. So werden Spieler aufgekauft und in Vereine gesteckt, mit denen die Investoren großes Vorhaben. Menschenhandel? Schön, wenn man noch nicht dazugehört. Ja, das meine ich so. Mein Werder Bremen. Hoffe ich. Es sind noch ein paar Seiten übrig, in meinem Buch…

Denken Sie groß

Meine Gedanken schweifen ab. Ich möchte so vieles berichten, bin aber zu aufgewühlt. Wären manche nicht so gierig, würden überall ihren Profit in Dinge sehen, wäre Fußball immer noch das, was es damals sein sollte. Fußball. Anstatt sich ein Trikot von PSG, Real oder Bayern München zu kaufen, weil man zu den Erfolgreichen gehören möchte, hinterfragt mal, wem das Geld zugute kommt. Warum gerade diese Vereine so groß sind (momentan). Nicht selten sind es Investoren, die aus den Arabischen Ländern kommen. Die Unsummen investieren, weil der Kapitalmarkt längst keine so attraktive Rendite mehr zu bieten hat.

Diese Investoren besitzen Geld. Viel Geld. Und dieses Geld regiert die (Fußball)Welt. Lieber Fußball: Groß gemacht haben dich die Fans. Leider hast du den Dollarschein gegen die Stimmung und Leidenschaft getauscht. Wie lange kommst du damit noch durch? Wie viele Talente lässt du jubeln, wie viele fallen? Wie viel Geld – und Macht – muss es noch sein? Was machst du, wenn die Kurve verstummt?

Wirst du zum omnipräsenten Unterhaltungsmedium, das neben dem Sport, auch noch der Volksmusik eine Bühne gibt? Das ist nicht mein Fußball.

Ich plädiere für ein Spiel. Ein ehrliches. Ein nicht gekauftes. Einfach Fußball. Liebe. Leidenschaft.

 

 

 

 

Last but not Least

Der letzte Spieltag. Der letzte Saisonbeitrag von mir. Ein letztes Mal Zladdi im Werder-Trikot und ein paar abschließende Gedanken. Alles zusammengefasst im letzten Teil der Beitragsserie. 

90 Minuten plus Nachspielzeit

Kohfeldt wechselt aus. Nicht irgendwen; Juno! Sofort ist die Gänsehaut wieder da. Applaus und Gesang für den Österreicher. Kurze Zeit später ist das Spiel vorbei. Werder und Leverkusen trennen sich 0 : 0. Und jetzt beginnt der traurige Teil. Abschiede kann ich nicht. Ich weiß, ich bin die Erste die sagt was Sache ist. Direkt, knallhart, ehrlich. Aber harte Schale, weicher Kern. 

Bei emotionalen Dingen bin ich nicht nur nah am Wasser gebaut, ich stehe quasi mittendrin. Die Mannschaft versammelt sich auf dem Spielfeld und ein Betreuer reicht den Jungs ein Banner. „Danke für 34 Heimspiele“ stand letztes Jahr drauf in Dortmund. Mal sehen, was sie sich dieses Mal haben einfallen lassen. Langsam lüftet sich das Geheimnis: 

„Danke. Ihr macht den Unterschied.“ 

Banner mit der Aufschrift: Danke ihr macht den Unterschied
DANKE JUNGS!

Das ist die Art der Mannschaft Danke zu sagen. Gänsehaut! Überall laufen die Kinder der Spieler auf dem Rasen umher. Juno kommt mit seinem Kleinen auf dem Arm der Ostkurve näher. Irgendwie zurückhaltend. Als er den Sohn in gute Hände abgibt, kommt er weiter Richtung Block und lässt sich feiern. Eine Sekunde später steht er auf dem Zaun mit dem Megafon in der Hand. Keine Ahnung was er sagt. Die Stimmung ist famos. Das ist was zählt. Später kommt die komplette Mannschaft und klatscht mit den Fans ab. Applaus. 

Das Leben passiert da draußen. Man kann es sogar anfassen.

Fotos habe ich nicht viele gemacht. Bewusst nicht. Wir leben sowieso in einer Zeit, in der wir nur noch selten Dinge wirklich wahrnehmen und erleben. In der Münchener U-Bahn sehen sie alle wie Zombies runter auf Ihr Smartphone. Der Haltung zum Leid. Auf dem Marienplatz kann es gut sein, dass dir jemand den Weg schneidet. Alles nur, weil wir uns abhängig gemacht haben. Jeden Moment nur noch dazu nutzen, wer was auf Instagram gepostet hat. Nützlicher Content? Fehlanzeige. 

Immer wieder geht es nur darum, sich von der Besten Seite zu präsentieren. Wir nehmen als Zuschauer teil und gucken uns an, wer als nächstes berichtet, wie toll er ist. Wozu? Um uns kostbare Zeit stehlen zu lassen, freiwillig. Alles nur fake. Wir lenken uns ab, um nicht wahrzunehmen welches Glück wir haben, am Leben zu sein. Keiner von uns lebt noch wirklich im Moment. Wir melden immer wieder uns fleißig beim Yoga an, um zu meditieren. Wieder zu uns selbst zu finden. Oder wir verreisen.

Tausende Kilometer legen wir zurück, um nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Was machen wir, wenn wir verreisen? Fotos. Mit dem Smartphone natürlich. Um was? Leuten zu zeigen wie toll der Urlaub war? Auf Instagram oder Facebook. So schließt sich der Kreis. Es dreht sich mehr und mehr alles um einen selbst. Beobachtet es mal. Und geht Essen mit euren Freunden. Beobachtet, wie oft eure Begleitung am Handy ist und wie oft sie dir wirklich zuhört. Da geht es los. Und wo hört das auf? Hört es überhaupt auf?

Fußballplatz mit Blume
Pause auf dem Rasen.

All good things come to an end – Saisonpause

Was definitiv aufhört ist die Saison. Mit ihr die schönsten Momente des Jahres. Der viel traurigere Aspekt gegenüber einer neuen Samstagsbeschäftigung ist, dass nichts mehr so wird, wie es war. Spieler gehen. Neue Spieler kommen dazu. Die Mannschaft ist im Wandel und tritt nie wieder so auf wie einst am letzten Spieltag. Man sagt tschüss. Ebenso auch in Hamburg. Der HSV ist abgestiegen. Ein Stück Fußballgeschichte wurde neu geschrieben und ich kann es kaum glauben. Kein richtiges Nordderby mehr in der 1. Bundesliga. 

Der Kracher aber wartet in Liga 2. Pauli gegen Hamburg heißt das wohl heißbegehrteste neue Derby der nächsten Saison. Wir müssen uns mit Hannover oder Wolfsburg zufrieden geben. Saisonpause bedeutet aber nicht, dass ihr nichts von mir hören werdet. Sobald es etwas gibt, berichte ich. Zudem ist geplant, die Jungs im Trainingslager zu besuchen. „Auf ein Testspiel“ sozusagen. 

Erweiteter Horizont

Die Sonne neigt sich und verabschiedet sich so langsam. Meine Familie, mein Freund und ich fahren an den Strand. Sehen der Sonne entgegen und spazieren im Sand. Diese Brise habe ich vermisst. Mein Herz blutet gerade ziemlich stark als ich auf das Wasser blicke, das noch da ist. Ebbe. All das hab ich erlebt an einem Tag. Ich liebe diese Luft, sie riecht nach Meer. Egal wer behauptet, was grün ist und nach Fisch stinkt. Ich bin stolz drauf. Gerade weil diese Leute nie sehen werden, wie schön es hier ist. Verliebt in dieses Bundesland. Ich sitze mit einem Kaffee am Strand und genieße die Aussicht. Sehe der Sonne beim untergehen zu und bemerke mal wieder, wie schön das Leben sein kann. 

Wir haben einfach verlernt für die kleinen Dinge im Leben aufmerksam zu sein. Immer muss es noch besser sein. Schneller, weiter. Dabei reichen nur ein paar Kleinigkeiten um den Moment perfekt zu machen. Dich. Eine kleine Bilderreihe lädt zum Träumen ein. Viel Spaß dabei!

Skyline der Extraklasse

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Für die Füchse unter Euch, die meinen Instagram Kanal verfolgen: Herzi hat seine Wette verloren. Für Ihn geht es bald auf Reisen mit dem Fanclub. Die ganze Story könnt ihr nachlesen unter den Namen – Littlemisssunshine18990

Was ich noch zu sagen hätte…

Ein Dank geht zudem an die Menschen, die mich jedes Mal aufs Neue Supporten. Meine Story teilen, liken und hinter dem stehen, was ich hier fabriziere. Dieser Blog ist ein wahres Herzensprojekt für mich und es erfreut mich, wenn euch diese Zeilen hier etwas zurückgeben. DANKE für eure Unterstützung. 

Besonderer Dank geht raus an: 

  • Max. Ohne dich wäre der erste Stein nie ins Rollen gekommen. Du bist mein kritischster Leser und von Anfang an dabei. Danke für deinen unermesslichen Support und deine Liebe.
  • Martin. Danke, dass du bisher jeden Beitrag geteilt hast und deinen Senf dazugibst.
  • Fredi. Danke für das ganze Bildmaterial und deinen Support aus dem Norden.
  • Meine Familie. Danke an meine Mama, meinen Onkel Heiko und meinen Bruder Mike.
  • GWM. Danke für die verrückten Auswärtsfahrten mit euch. Ihr gebt mir den Input zu schreiben. Danke dafür, dass ihr der beste Fanclub seid, den Werder und jedes Mitglied haben kann. Ich darf ein Teil davon sein und bin unendlich dankbar und stolz drauf. Für all die genialen Spiele, die wir gesehen haben und noch sehen werden. Ich verabschiede mich vorerst bei Euch und tauche demnächst wieder auf aus dem Off ☺

Genießt die freien Samstage und wir sehen uns bald schon wieder in alter Frische: Auf ein Spiel!