Homecoming

Es ist wieder an der Zeit in die Tasten zu hauen. Die Saison hat schon längst begonnen und ich bin endlich wieder in den Stadien der Republik unterwegs. Versprochen. Was so besonders an diesem Beitrag ist und warum ich ausgerechnet diesen Titel gewählt habe, erfahrt ihr hier. Endlich wieder: Auf ein Spiel.

Wenn aus Jahren eine Ewigkeit wird

Homecoming. Dieses Event stammt aus den USA und wird gegen Ende September/Anfang Oktober ausgetragen. Es steht für ein Wiedersehen der Highschool Absolventen. Und auf dieses Wiedersehen habe ich mich lange gefreut. Es ist mein erstes Auswärtsspiel diese Saison und ich treffe auf Menschen, die ich (verdammt) lange nicht mehr gesehen habe. Seit einem Jahr wohne ich nun schon im schönen Würzburg. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich hier in den Fanclub eintrete. Gesagt, getan. Zufälligerweise ist der Vorstand der Werder Warriors in Würzburg auch meine erste große Liebe gewesen. Soviel zu dem Satz: Man sieht sich immer 2x im Leben. Nach 10 Jahren sollten sich unsere Wege wieder kreuzen.

Jetzt aber auf zum Spiel. Auf dem Parkplatz am Würzburger Hauptbahnhof, warten Jendric und ich auf Patrick und Magnus. Es tut gut, wieder mal ein paar Grün-Weiße zu treffen. Ein seltener Anblick aber ein schöner.

Freunde die sich in den Armen liegen

Alles beim Alten

Mit Kaltgetränken im Gepäck und jeder Menge guter Laune steigen wir in den Bus. Und wer sich nach so langer Zeit wieder so umarmen kann, als wäre nie Zeit vergangen, der weiß, was wahre Freundschaft ist. Ein besonderer Moment. Auch, weil ich endlich die Mitglieder des Fanclubs kennenlerne. Auch wenn ich die Franken für Ihren Dialekt nicht gerade feiern kann, so schätze ich umso mehr ihren Humor und ihre Herzlichkeit. Ich werde in Empfang genommen, als würde ich schon immer dazugehören. Aus den Boxen ertönt unsere Hymne Lebenslang Grün-Weiß von den Original Deutschmachern. Sobald man mit einstimmt, ist eh alles andere vergessen. Heute holen wir uns endlich 3 Punkte. Keinen Zweifel. Der Weg nach FFM wird von tollen Gesprächen begleitet. Die gute Laune ist an ihrem Zenith. So bekommen wir auch immer wieder regelmäßig ein kleines Ständchen der Bamberger Jungs ins Ohr gegröhlt. Wie hab ich das vermisst.

Freunde und Anhänger des SV Werder Bremen

Eine kleine Sportliche Einlage

Noch ein kräftiger „Werder-Schluck“ (Waldmeister Likör) vor der Ankunft und los geht’s. Dieses Gefühl in einer fremden Stadt mit einem Werder Schal auszusteigen ist ungefähr so, als wenn du hungrige Löwen aus dem Käfig lässt. Die Zeit ist leider schon etwas fortgeschritten, somit legen wir noch einen kleinen Sprint vor der Commerzbank-Arena hin, um pünktlich in der Kurve zu stehen.

Vom Waldstadion zur Commerzbank-Arena in 10 Sätzen.

Seit dem Jahr 2005 trägt es nun diesen Namen. Eröffnet wurde es 1925. Den früheren Namen Waldstadion bekam es aufgrund seiner Lage in Frankfurt. 51.500 Zuschauer finden hier einen Platz um Fußball zu schauen. Mitte der 20er Jahre waren es noch knapp 35.000 Plätze. Gleich im Eröffnungsjahr fand hier das letzte Spiel um die deutsche Meisterschaft statt. Damals gewann der 1. FC Nürnberg mit 0:1 gegen den damaligen FSV Frankfurt. Nach dem 2. Weltkrieg nahmen Amerikanische Soldaten in beschlagnahm und benannten es „Victory Stadium“. Juli 1946 wurde es dann allerdings wieder für deutsche Sportliche Zwecke freigegeben. Unzählige Ereignisreiche Spiele und Veranstaltungen fanden seither statt.

Da wo ich sein will

Aber wieder zurück zu unserem Sportlichen Ereignis. Dem Sprint in das Stadion. Von außen hören wir schon die Mannschaftsaufstellung der Gastgeber. Klar, hier bin ich mal wieder Textsicher :-).

Zwei Freunde in Werder Trikot in der Gästekurve

Kontrolliert wird gleich Zweimal. Pünktlich zum Anpfiff stehen wir außer Atem aber glücklich in der Kurve. Nach dem Eintreffen der Ultras ist die Stimmung grandios. Es riecht nicht nur nach Fußball, es hört sich auch danach an. Und genau hier denke ich mir wieder, das ist meine Welt. Egal was wer sagt über mich, meinen Verein, meine Liebe zum SVW, egal wo ich gewohnt hab. Das war´s mir immer Wert. Immer und zu jeder Zeit.

Anzeigetafel mit der Aufschrift 2:1

90 Minuten Wahnsinn

In der 27. Minute schießt Klaassen den Führungstreffer. Jaaaaa! Zuvor hatte Maxi Eggestein in der 7. Minute den Pfosten erwischt, hier kam endlich die Befreiung. Die Bremer schlagen sich gut. Immer wieder hält uns Jiri Pavlenka den Rücken frei. Nach 45 Minuten pfeift der Schiri zur Halbzeit. Da treffe ich dann nach langer Zeit auch endlich wieder Michi. Von dem werdet ihr bald mehr zu hören bekommen. Ich expandiere :-). Lasst euch überraschen.

Zwei Freunde in der Gästeliste in Werder Trikots

Neue Helden braucht das Land (nicht)

Weiter geht’s. Verregnet ist vielleicht das Wetter aber nicht die Stimmung. Trotz der großen Verletzungsserie der Grün-Weißen machen sie wirklich das Beste draus. Nicht auszumalen was hier gehen würde, wenn wir diese nicht hätten. Aber es wäre nicht Werder, wenn etwas leicht wäre. Dieses Schicksal muss man akzeptieren. Auch, dass in der 88. Minute Silva die SGE in die Führung schießt. Verdammt, jetzt muss noch was passieren. Leider kommt so gar nichts mehr von den Bremern. Aber das Pech des einen ist das Glück des anderen. So bekommen wir in der 91. Minute einen Elfmeter zugesprochen. Ganz ohne VAR. Ich bin mächtig stolz auf den Schiri. Was man wohl gerade als kleinen Schmunzler verbucht, ist mittlerweile traurige Wahrheit. Willkommen im Jahr 2019 indem der VAR viele Spiele entschieden, viele Schiris verunsichert und Momente kaputt gemacht hat. Fußballgeschichte schreiben jetzt Helden hinter Computern und Kameras.

Anderes Thema.

Anzeigetafel der Commerzbank-Arena. Es steht 2:2

Das Beste zum Schluss

Milot Rashica steht am Elfmeterpunkt und kickt souverän das Runde in’s Eckige. Mein Jubel ist so groß, dass mein Handy aus der Jackentasche durch die komplette Kurve fliegt. Wir nehmen heute einen Punkt mit. Ich bin zufrieden. So geht es auch wieder in den Bus um die Heimfahrt anzutreten. Was für ein Spieltag. Ein fettes grinsen liegt auf meinen Lippen bevor mir die Augen zufallen und ich erst wieder aufwache als der Busfahrer sich für die Mitfahrer aus Würzburg bedankt. Ich habe zu danken, denke ich. Dankbarkeit, ein kostbares Gut. Unterschätzt liegt es viel zu tief vergraben in einigen Charakteren der heutigen Zeit. Apropos Zeit! Das ist der Beginn einer tollen neuen im Fanclub der Werder Würzburg Warriors. Ich freu mich riesig auf alles was noch kommt.

Auf ein Spiel!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schwarz – Weiß – Grün

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Wieder geht es Richtung Pott. Wollen wir doch mal sehen, ob wir nach dem DFB-Pokal-Spiel gegen Schalke nochmal eins draufsetzen können. Also auf nach Gladbach. Auf der Autofahrt übrigens ist der Blogbeitrag „Schicht im Schacht“ fertig geworden. Danke an all meine Leser, Komplimente und dafür, dass es immer mehr Menschen gibt, die Gefallen an meinen Zeilen finden.

Irgendwo am Niederrhein

Nach 3,5 Stunden sind wir in der 259.669 Einwohner Stadt Mönchengladbach. Es ist Samstag. Werder spielt erst morgen. Heute ist also noch genug Zeit, um das Innenleben kennen zu lernen. Also raus aus dem Auto, einchecken im Hotel, rein in die neuen Klamotten und dann ab ins Sportlertreff SC Waldniel. Dort läuft heute Abend das Top-Spiel des Abends: Bayern vs. Dortmund. Ich brauche keine großen Worte zu verlieren, wem ich die Daumen drücke. Zudem treffen wir Michi. Gebürtig aus dem kleinen Dörfchen indem wir uns befinden. Ja, er ist Gladbach Fan. Und er hat morgen Geburtstag. Doppelter Grund um zu Feiern.

Eins kann uns keiner nehmen

Das Spiel des Abends läuft leider sehr mittelmäßig. Der FC Hollywood führt zur Halbzeit bereits mit 4 : 0. Da ist also schnell die Spannung aus dem Spiel. Der Besitzer des Vereinsheims, André, gesellt sich zu mir. Wir reden lange über Fußball. Damit hätte er wohl nicht gerechnet. Eine Frau und Fußball. Es ist an der Zeit, das Bild zu ändern.

Freunde an der Bar
Am Tresen, als wäre nichts gewesen

Nach ein paar Bier beginnen erst die richtig guten Gespräche. Wir setzen uns von einem normalen Tisch an die Bar, an der nur noch der, nennen wir ihn „harten Kern“ sitzt. Lange habe ich nicht mehr so viel gelacht. André ist übrigens Schalke-Fan. Das tut aber nichts zur Sache. Der Abend geht fröhlich weiter. Nachdem wir dann tatsächlich die Macht über die Musik ergreifen können, kommen wahnsinnig gute Songs, die Bock auf das Spiel morgen machen. Nach Mitternacht, einem tollen Anfang in Mich’s Geburtstag und etwas zu viel Alkohol geht es schließlich ins Hotel. Wer schwankt, hat mehr vom Weg, denke ich mir und falle in die Falle. Liebe Grüße an diese Stelle ans Vereinsheim am Waldniel. Danke, für den wirklich schönen Abend.

Etwas müde geht’s am nächsten Tag aus den Federn. Im Werder Dress durch das Dorf. Ich werde angeguckt, als hätte ich irgendwas Komisches an mir. Es muss definitiv das Trikot sein. Das fällt schon mal außerhalb des Weserstadions auf. An der Stelle knüpfe ich gleich mal an etwas an.

In den Farben getrennt — in der Sache vereint

Vielleicht sagen jetzt einige, dass man den Menschen nicht soviel Aufmerksamkeit schenken soll. Ich sage, jeder der meinen Blog liest soll wissen, dass Faschismus und Rassismus nichts im Fußball, nein über nirgends etwas zu suchen haben! Ich werde, gerade aufgrund der aktuellen Geschehnisse, wieder sagen, was ich davon halte. NICHTS! 

Banner im Stadion gegen Rassismus
Geh mir wech mit Rassismus!

Egal ob in England oder in Italien, ich werde kein Blatt vor den Mund nehmen, sondern meine Meinung dazu äußern. Affenlaute in Stadien. Ein Selbstbild derer, die diese Laute von sich geben? Ich bin stolz auf Werder und meinen Verein, der sich auch klar ausgesprochen hat, dass jeder der die AFD wählt, wissen sollte, dass dies mit Werder überhaupt nicht zusammenpasst. Das ist mein Verein. Ich kann nicht verstehen, wie eine derartige Ablehnung, solch ein Hass, eine derartige Denkweise entsteht. Wie man behaupten kann, dass jemand mehr Wert ist oder anders gesehen, jemand wertloser ist, als jemand anderes. 

Wie entsteht überhaupt Menschenhass? 

Ich sehe es tagtäglich. Ich arbeite mit Menschen. Sie sind das einzige Lebewesen, die die Macht haben, eigentsändig zu denken und zu handeln. Da liegt vielleicht der Kern der Sache. Warum greifen wir uns als Menschen überhaupt selbst an? Dabei sind wir alle gleich! Schon mal einen Ameisenhaufen näher betrachtet? Da arbeitet jede Ameise Hand in Hand. Sie kämpfen nicht nur hart um das Überleben, sondern auch um die Erhaltung ihrer Art. Arterhalt und Selbsterhalt. Und wir so? Jammern und schimpfen gefühlt den ganzen Tag. Gerne auch über das Wetter. Und wenn sonst nichts und niemand da ist, dann auch gerne über die eigene Spezies. 

Du kommst auf diese Welt, hast keinen Einfluss wie, wann oder warum und wirst dann aufgrund deines Aussehens be- und verurteilt. Ich wurde in Niederbayern aufgrund meiner Herkunft (weil ich aus Bremen kam) in der Schule aufgezogen, gehänselt und dumm angemacht. Heute heißt es „gemobbt“…, weil ich ihren Dialekt nicht verstanden habe. Es geht also schon recht früh los. Ohne nachzudenken, immer mit dem Strom. 

Ich sage: Wir sind alle gleich. Jeder Mensch hat Ziele, Rückschläge, Träume. Wir kennen nie die komplette Lebensgeschichte von anderen Menschen und doch erlauben wir uns immer wieder ein (schnelles) Urteil über andere. Menschen anzuschreien, seinen Frust rauszulassen scheint normal (geworden). Es wird sich beschwert, aufgeregt und beleidigt. Für die wenigsten Dinge ist man noch dankbar. Wie wird noch gleich das Wetter morgen? Wir machen so viele Unterschiede, dabei machen wir den Unterschied aus. In all unseren Facetten. Schwarz / Weiß / Grün.

Bild von 4 Menschen vor dem Borussia-Park
4 Freunde für ein Halleluja

Werder ist Grün-Weiß

Kurz vor dem Spiel lockt uns Michi dann noch in die Kneipe seines Vertrauens. Wie dumm von mir zu glauben, dass es eine neutrale Kneipe wäre :-). Hier sehe ich – bis auf zwei Ausnahmen – nur die Trikots mit den falschen Rauten. Naja, hier ist man tolerant. Es gibt ein Bolten. Altbier. Schmeckt echt wahnsinnig gut. Jetzt geht es noch 10 Minuten per Pedes zum Ort des Geschehens: der Borussia-Park. Elia stößt dazu. Die Stimmung ist bestens.

Foto von zwei Freunden mit einem Bier in der Hand
Noch können wir beide lachen

Noch ein kleines Stoßgebet

Ich bin nicht nur nervös, weil jedes Spiel aktuell ein wichtiges Spiel um den Einzug auf die internationale Präsenz geht – es wird auch für das Halbfinale im DFB-Pokal ausgelost. Bitte nicht die Bayern, denke ich mir. Bitte nicht. Ein Stoßgebet geht noch zum Fußballgott. In der Kurve eingefunden und nach dem ganzen Ritual der Borussen, geht es dann endlich los. Anpfiff. Bestes Wetter. 18:00 Uhr. Auslosung parallel. Tatsächlich werden wir gleich als erstes gezogen. Ich weiß nicht. Heimspiel? Wir hatten doch 2009 auch alles auswärts gewonnen. 

Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis der Ticker den Gegner bekannt gibt. Der FC Bayern München besucht uns nur knapp 4 Tage nach der Partie in der Rückrunde in München bei uns an der Weser. Puh. Da muss ich erstmal schlucken. Wir sind seit 1988 im DFB-Pokal zuhause ungeschlagen. Das macht mir noch Mut. Meine Laune ist erstmal im Keller. Zudem kommt noch das Spiel von Bremen. Werder ist eher im Ruhemodus und es regnet Chancen für die Fohlen.

Momentaufnahme aus dem Borussia-Park
Momentaufnahme aus dem Borussia-Park

Die Fohlen und ihr Stall

54.000 Zuschauer finden hier 90 Minuten pures Adrenalin. 1964/65 nahm der Verein viele junge Spieler unter Vertrag. Unter Ihnen auch große Namen wie z. B. Jupp Heynckes. Das Durchschnittsalter betrug 21,5 Jahre und war somit das damals niedrigste aller Regional-Mannschaften. Und ganz genau so entstand der Name „Fohlen“. Wer diesen Namen aber ins Leben rief, war kein anderer als Reporter Wilhelm August Hurtmann der diesen Begriff immer wieder in seinen Berichterstattungen der Rheinischen Post benutzte. Es war eine Mannschaft, die jung, dynamisch und unvoreingenommen an die Pflichtspiele herantrat. Wie junge Fohlen eben. Die höchste Heimniederlage übrigens bekamen die Gladbacher 65/66 gegen den einzigartigen, wunderbaren, sensationellen SV Werder Bremen. Vielleicht können wir da heute anknüpfen?

Back in the Game

Zurück zum Spiel. Übrigens auch die 100. Begegnung beider Mannschaften. Halbzeit – und nichts ist passiert. Also geht es sofort in Runde zwei. Meine Laune wird allmählich ein wenig besser. Doch Sprünge kann ich noch immer nicht machen.

Bild aus dem Gästeblock mit wehenden Fahnen
Egal wo du auch spielst

In der 49. Minute erlösen sich dann die Gladbacher und führen. In your face denke ich mir. Das gibt es doch nicht! Aber Werder wacht immerhin noch auf und nähert sich zumindest dem Tor. 30 Minuten später gleichen wir aus. ENDLICH! Das heitert mich endlich auf. Das wird Michi in der Nordkurve, auf der anderen Seite, so gar nicht gefallen. Aber ich hatte es ihm ja schon angedroht. 

Werder hat immer wieder ganz gute Chancen. Die Borussen auch. Dennoch bin ich froh, hier zumindest einen Punkt mitnehmen zu können. Werder und Gladbach trennen sich  1 : 1. Zum Feiern der Mannschaft bejubelt die Kurve die Spieler mit: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“. Was die Spieler sich wohl gedacht haben, als sie hörten, dass es gegen die Bazis geht? Naja, zumindest ein Heimspiel. Auch wenn der Fußballgott mich wohl an dem Tag vergessen hatte, hoffe ich auf ihn am 24.5. 2019. 1400 km diese Woche für den SVW. Kaputt aber glücklich.

Und geh mir wech mit Rassismus!

Winter is coming….

Das ewige Spiel. Nicht um den eisernen Thron, sondern um 3 wichtige Punkte. Alles auf Sieg. Ich reiße den Kleiderschrank auf — schnappe mir meinen Schal, mein Trikot und mache mich mit meiner besseren Hälfte auf zum Würzburger Bahnhof. Wer das Spiel heute für sich entscheidet und ob der Wächter des Nordens auch im Süden seine Flagge hochhalten kann, könnt ihr hier nachlesen. Auf ein Spiel in Nürnberg. 

Revanche

Der RE steht bereit. Ein paar Werderaner steigen in das gleiche Abteil. Es fällt nie leichter, als bei einem Bier und einer Zugfahrt gen Stadion neue Kontakte zu knüpfen. Auch wenn es draußen kalt ist, sind wir heiß auf den Sieg. Immerhin ist nach der Hinrunde gegen die Nürnberger noch etwas offen. Zu guter Letzt hatten sie es tatsächlich im Bremer Weserstadion geschafft, in der letzten Minute den Ausgleich zu erzielen. Bitter. Aber es sollte dieses Mal alles anders werden. 

Fans des SVW auf dem Weg nach Nürnberg im RE
Road to Nürnberg

Auswärts daheim

Angekommen in Nürnberg. Ein Gleis weiter wartet ein großes Wiedersehen mit meinen Freunden aus München. GWM. Ein Meer voller Umarmungen. Kurze Zeit später machen wir uns auf den Weg ins Max-Morlock-Stadion. Aber wer war dieser Max Morlock eigentlich und was hat es mit dem Stadion auf sich?

4 Freunde aus dem Fanclub
Friendship never ends. GWM on tour

Geschichtlicher Hintergrund

Maximilian Morlock – geboren in den zwanziger Jahren in keiner anderen Stadt als Nürnberg. Mit 286 Treffern für den Club, verewigte sich der Nationalspieler damals in den 60ern zum Fußballer des Jahres. Auch einigen Fans wird er immer in Erinnerung bleiben, da er einer der großen Spieler war, der unermüdlichen Willen zeigte und die Geschichte des Fußballs auch mit seinem Kampfgeist prägte. Endlich mal ein Stadionname befreit von Werbung. 

Das ehemalige Frankenstadion wurde 1925 – 1928 erbaut. 50.000 Fans können hier einen guten Platz zum Feiern und grölen finden. 

1928 trug man hier sogar das Endspiel um die deutsche Meisterschaft aus. Aber jede Medaille hat zwei Seiten. 1933 wurde der Platz in „Stadion der Hitlerjugend“ umbenannt. 1937 fand der Tag der Hitlerjugend dort statt. Später, in Mitte der 40er Jahren, wurde der Platz für Baseball Spiele der US-Armee verwendet. Der Fußball kehrte erst 1963 wieder zurück. Apropos zurück. Zurück zum Spiel.

Flagge vor der Nürnberger Nordkurve im Wind
Flagge zeigen in Nürnberg

Welcome to the Show

Ein ausgiebiger Spaziergang führt uns zur Gästekurve. Die Pommes am Stadion kann ich übrigens nicht empfehlen. Immerhin gibt es Glühwein. Vor den eigentlichen Plätzen noch der Hinweis: „Heute Choreo“. Da nehme ich einmal meinen Freund mit und er bekommt das volle Programm. Haltet mich für irre, aber das Betreten des Stadions ist magisch. Hier warten gleich 90 Minuten Wahnsinn auf alle. Platz eingefunden und kurze Zeit später stehe ich in einem Meer voller Grün-Weißen Fahnen. 

Ein Meer voller grün-weißen Fahnen in der Gästekurve
Ein Meer voller Fahnen

Das Spiel beginnt. Viel kann ich nicht berichten. Zu viele Fahnen versperren mir die Sicht. Die Stimmung war dennoch genial. Das Stadion ist bei weitem nicht ausverkauft. Viele Plätze der Gastgeber sind leer. Etwas leer waren auch die Versprechungen, die die Spieler vor der Partie machten. Nach 3 Punkten sieht die erste Halbzeit nicht aus. Es kann also nur besser werden. Ein bisschen Pyrotechnik ließ meine Stimmung erhellen und mich auch wieder aufwachen. 

 

Pyrotechnik ist kein Verbrechen

Hierzu mal mein klarer Standpunkt. Pyrotechnik ist kein Verbrechen! Auch wenn ich mich vielleicht ein wenig unbeliebt mache, ist es etwas, das man erleben muss. ERLEBEN – im Stadion — nicht vor der Mattscheibe. Nicht jeder muss es gut finden, aber jeder sollte sich mal diese Frage stellen: 

  1. Bin ich davon betroffen oder nehme ich Schaden?
  2. Bedroht es mich?

In vielen Foren lese ich häufig negatives über dieses Spektakel. Ich habe jedoch noch von keinem einzigen Fan in der Kurve gehört: „ Ah, schon wieder scheiß Pyro, ich geh lieber mal..“ Zumal jeder der einige Reihen zurück gehen möchte, Platz eingeräumt bekommt. Doch niemand hat sich (bei mir) je in der Kurve beschwert.

Protest und Unverständnis kommt von jenen, die auf den Rängen sitzen oder zuhause auf der Couch gemütlich ihr Bier schlürfen.

Wer fernab der Pyro sitzt und vom Rauch nicht betroffen ist, sollte – meiner Meinung nach – nicht mit in die Diskussion einsteigen. Sie haben weder die Wirkung, im Positiven wie im Negativen, nicht erlegt. Ganz allgemein gesprochen: Kaum jemand macht noch etwas zu 100%. Gefühlt schleicht sich eine „ein Pferd springt nur so Hoch wie es muss“-Mentalität ein. Man quält sich aus dem Bett, um den ganzen Tag auf der Arbeit zu sitzen. Flieht vom Job auf die sichere, warme Couch und lässt sich berieseln. Fiebert den Abenteuern anderer hinterher, statt selbst etwas zu wagen. Ach wie schön ist so ein Bier im Stadion auf einem gemütlichen Sitzplatz. (Sarkasmus) 

Grüner Nebel im Nürnberger Gästeblock
Schall und Rauch

Klarzustellen ist, dass ich mich klar gegen Böller oder Wurfgeschosse ausspreche. Erwähnenswert ist ebenso, dass sich der SVW kalte Pyrotechnik angesehen hat. Ernsthaft: Wer Schaden anrichten will, verletzten und zerstören – der hat im Stadion nichts zu suchen. Ob mit oder ohne Pyrotechnik. Ich sage euch: Die Menschen die in der Kurve stehen und ihr Herz aus der Kehle schreien, 2 Stunden vorher da sind, um ihr Zeug aufzubauen. Die Menschen, die Choreos planen, sich den Arsch abfrieren, die Fans und die Mannschaft anheizen und die kilometerweite Anreise auf sich nehmen – das sind wahre Fans. Heutzutage gehört jammern und sich aufregen zum Alltag. Man lässt sich gerne auf ein Gespräch ein, um seinen Ärger Luft zu machen. Eine Kultur des Unzufrieden seins. Anstatt Fußball zu gucken, wird verbal rumberserkert.

Lieber am Black Friday shoppen bis zum Umfallen Geld in Unternehmen blasen, ohne zu hinterfragen. Die, die sich über alles aufregen, sind am Ende die, die nichts tun, um die Welt besser zu machen. Stimmung gehört zum Spiel dazu. Pyro gehört zur Stimmung. Leben und leben lassen ist das Stichwort. Die Kurve ist für jene die Bock haben zu feiern. Es ist der Moshpit des Stadions – und niemand zwingt dich, das Konzert dort zu erleben.  

Hochmut kommt vor dem Fall

Die Grün-Weißen lassen uns lange warten aber dann, in der 63. Minute, trifft Jojo Eggestein zum 0 : 1. Bäm! Alle rasten aus. Eine Erlösung. Die Stimmung erreicht den Zenith und wir liegen uns in den Armen. Das Spielt nimmt endlich Fahrt auf. Leider ist es eine Fahrt nach Nirgendwo denn mal wieder erzielen die Nürnberger kurz vor Schluss den Ausgleich. Ich bin fassungslos. Das Spiel hätte man für sich entscheiden müssen. Ganz klar. Aber auch jetzt stehen wir zusammen hinter unserer Mannschaft. Anstatt mich aufzuregen, genieße ich die letzten Minuten in trauter Gesellschaft und denke mir: Leben und leben lassen. 

 

 

 

Der erste Gastbeitrag

Nicht nur in Leipzig zu Gast: Der erste Gastbeitrag

Richtig gelesen. Ein Gastbeitrag. Im Fokus – das letzte Auswärtsspiel der Hinrunde. Vielen Dank an dieser Stelle an Chris Böhm. Danke, dass du die Eindrücke aus deiner Sicht aufgeschrieben und geteilt hast. Das erste Mal gebe ich die Führung ab und überlasse die Feder ganz und gar jemand anderen. Auf ein Spiel aus anderer Sicht.

Und los… ab zu den roten Bullen

Ein letztes Mal für 2018 musste ich mich in aller Herrgottsfrühe aus der Koje quälen, ein letztes Mal zum Konterbier greifen, denn Freitagabende sind bekanntlich die besten Partystunden der Woche. Trotz Müdigkeit und nur durch Adrenalin und Vorfreude auf den heutigen Tag, schaffe ich es umgehend aus dem Bett. Es gibt kein anderes Ereignis, das mich vergleichbar schnell aus den Federn hüpfen lässt, wie ein Fußballspiel. Wahrscheinlich noch nicht mal die eigene Hochzeit. Aufstehen ist reine Kopfsache!

06:06 Uhr ging der Zug nach Leipzig. Der Grund meiner super frühen Anreise war, dass ich um 09:00 Uhr zum Frühshoppen im Leipziger Süden verabredet war. Pünktlich um 08:40 Uhr am Bahnhof wartete ich noch auf einen Kumpel, der aus Jena anreiste. Einen Wimpernschlag später, saßen wir in der Straßenbahn gen Leipziger Süden. Die Laune war schon wieder auf Höchststand. Das konnte nur ein geiler Tag werden!

Leipzig in History

Leipzig. Eine Stadt mit Tendenz zu 600.000 Einwohnern. Sie ist neben Dresden und Rostock wohl die bekannteste Metropole in den neuen Bundesländern. Besonders für junge Leute scheint sie eine enorme Anziehung zu besitzen. Mittlerweile zählt sie mehr als 40.000 Studierende. Geschichtlich hat die Stadt des Allerleis einiges auf dem Kerbholz. So fand vom 16.10.1813 bis 19.10.1813 die Völkerschlacht bei Leipzig statt. In dieser Schlacht kämpften preußische, russische, österreichische und schwedische Truppen gegen Napoleon Bonaparte und eben jene verbündete Truppen konnten Napoleon die entscheidende Niederlage zufügen, die ihn endgültig dazu zwang, sich aus Deutschland zurückziehen. Wahrscheinlich die größte Schlacht der Weltgeschichte bis Anfang des 20.Jahrhundert.

Fahne-des-RB-Leipzig
Der Wind weht heute von Norden!

Rasenballsport der beflügelt — oder nur eine Farce?

Apropos Geschichte — unser heutiger Gegner hat keine vergleichbar lange Vita. Am 19. Mai 2009 aus dem Boden gezogen, wie eine Wüstenstadt in den Emiraten oder ein WM-Stadion in Katar, spielt er seit der Saison 2016/17 in der 1. Bundesliga.

Wenn man sich die Gründung genauer anschaut, liegt es nahe, beträchtlich mit dem Kopf zu schütteln. Zunächst wurden Vereine wie die Fortuna aus Düsseldorf, der FC Sankt Pauli oder auch 1860 München gefragt, ob Sie Interesse an pushenden Investitionen hätten. Im Gegenzug sollte die Mehrheit von 50+1 Prozent bei Red Bull liegen sowie eine Änderung des Vereinsnamens, des Vereinswappens und der Vereinsfarben folgen. Alle 3 o.g. lehnten ab. Warum die 60er ablehnten und zwei Jahre später Herrn Ismaik 60% ihrer Anteile verkauften, bleibt wohl ihr Geheimnis.
Nachdem sich die drei größeren Vereine weigerten, ging Red Bull einige Etagen tiefer und klopfte zunächst beim FC Sachsen Leipzig an. Diesem Verein, der mittlerweile aufgelöst ist, ging es nach ausbleibenden Erfolgen wirtschaftlich sehr schlecht. Der Deal scheiterte damals nur, da der DFB aufgrund namensrechtlicher Unstimmigkeiten einschritt und eine zu große Einflussnahme von Seiten des Investors bestand. Da die Oberliga außerhalb des Zuständigkeitsbereiches des DFB liegt und ein von Leipzig umliegender Verein namens SSV Markranstädt der Übernahme zustimmte, wurde „Red Bull“ trotzdem gegründet. Nach 7 Jahren hatten sie damals bekanntlich den Durchmarsch aus der 5.Liga in die 1.Bundesliga geschafft. Doch die Namensproblematik bestand damals weiterhin. Laut DFB-Satzung ist eine Namensgebung zu Werbezwecken unzulässig, weshalb auf Red Bull Leipzig, Rasenballsport Leipzig folgte.

Beflügelte Reaktionen der Fans

Die Fans tobten und waren außer sich. Verständlich. Auf einmal kommt ein „unbekannter“ Club um die Ecke, der an der Brust einer großen Firma nuckelt und dank Geld einen derartigen Marsch durch mehrere Ligen nach oben hinlegte. Tradition? Fehlanzeige!
Und auch in den letzten Jahren gab es immer wieder fragwürdige Ereignisse. Zum Beispiel darf gefühlt keiner bis heute stimmberechtigtes Mitglied werden um bei etwaigen Mitgliederversammlungen ein Wörtchen mizureden. Die stimmberechtigten Mitglieder, 17 an der Zahl, entstammen ausschließlich der Führungsriege.

Auch das Hin – und Hergeschiebe von Spielern vom Tochterklub aus Salzburg nach Leipzig stand immer wieder in der Kritik. Besonders der Transfer des Spielers Nils Quaschner fällt mir spontan ein. Da dieser bereits für 2 Vereine in der Saison 15/16 spielte, entzog schlussendlich die FIFA ihm die Spielberechtigung. In Leipzig verstand man daraufhin die Welt nicht mehr. RB Leipzig. Ein Projekt, das größtenteils Marketingziele verfolgt und sein Image verbessern will. Schauen wir mal, ob Red Bull wirklich Flügel verleiht und der Club — ähnlich wie der arme Ikarus — etwas zu viel Auftrieb erfährt und schließlich unsanft „landet“.

Blick auf den Gästeblock in Leipzip
Zu Gast in Leipzig

Nun aber auf ins Stadion

Inzwischen haben wir die Stadiontore der Arena erreicht. Ein guter Stehplatz war schnell gefunden und nach einigen Schnackereien mit allen bekannten Gesichtern, lief auch schon Bibi Steinhaus ein. Im Schlepptau unsere 11 Goldfüßchen.

Zum Spiel will ich nicht viele Worte verlieren, denn wir haben wieder mal 90 Minuten lang guten Fußball gespielt und hatten durchaus die Chance in Führung zu gehen. Milot Rashica hatte die beste. Danach haben wir die Gastgeber zweimal eingeladen. Gerade beim 2. Tor (Timo Werner) nach viel zu kurzem „prallen lassen“ von Max Kruse in Richtung Jiri Pavlenka. Wieder einmal haben wir uns selbst um den Lohn unserer Arbeit gebracht. 2 : 0 im Zentralstadion. Das ist ein dickes Brett für die 2. Hälfte und das war jedem auf und am Rasen sichtlich bewusst.

Blick-auf-das-Spielfeld-in-Leipzig
Klare Sicht auf drei Punkte

Alles auf Sieg

Aber unser immenser Wille, unser Einsatz und unsere Leidenschaft brachten uns auch in Leipzig wieder zurück. 2 : 2! Glückwunsch an unseren jungen Joshua Sargent: 2. Torschuss in der Bundesliga, 2. Tor. Was für geile Tage für den Jungen!! Als dann 5 Minuten vor Schluss die ewige Legende Claudio Pizarro ins Spiel geworfen wurde, wusste jeder wohin der Hase rennen sollte. Alles auf Sieg — weshalb ich den SV Werder Bremen einfach liebe. Alles oder nichts! Eines meiner Lebensmottos.

Und so kam es wie es kommen musste. 87. Minute – wieder nur sehr halbherziges Stören des Gegners auf der rechten Außenbahn. Es folgte eine flache Hereingabe, leicht in den Rückraum der Abwehr und alle schauten sich nur verdutzt an, während Bruma mit etwas Glück den Ball ins Netz schob. So ne Scheisse zum Jahresausgang — einfach sinnlos. Lasst uns doch einfach den einen Punkt mitnehmen.

Das Positivste an dem Spiel: Timo Werner traf mal nicht zweimal – denn das tat er statistisch in jedem bisherigen Saisonspiel sobald er einmal die Kugel in das Netz schob.

Nach dem Spiel ging es zur Bahn und ab nach Hause. Abends stand das Treffen meiner ehemaligen Schulklasse an. Noch ein paar erheiternde Gespräche auf der Rückfahrt im Zug und schon saß ich im Irish Pub bei Kerzenschein und Pitcher.

Awaydays are the best days!

Der nächste Beitrag aus meiner Hand folgt vom Spiel gegen Nürnberg. Ich freue mich auf bekannte Gesichter und natürlich auf drei Punkte für den SVW. Solltet auch ihr Interesse an einem Gastbeitrag haben, meldet euch. Wir lesen uns auf ein Spiel 🙂
Eure Nadine

SVW – SONNE – SIEG – die Auswärtsfahrt nach Stuttgart

08:35 Uhr. München Hauptbahnhof. Der Zug fährt los. Heute Richtung Stuttgart.3 Punkte stehen heute auf dem Plan. 11 Leute sind dabei. Allesamt heiß auf den Sieg und auf das Spiel. Zudem: Eine Premiere. Denn eine Arbeitskollegin, die meinen Blog verfolgt, wollte unbedingt das erleben, worüber ich immer schreibe. Da lasse ich nicht lange bitten und nehme sie mit. Spannend zu erfahren, wie geschriebenes auf andere wirkt. Wie das Spiel ausging und wie Stella, meine Arbeitskollegin, das Spiel fand? Lest selbst.

Zugfahrt von München nach Stuttgart mit den Anhängern des Fanclubs Grün Weißes München
Auf nach Stuttgart: Gemeinsam startet die Anreise am Münchner Hauptbahnhof

Auf ins Schwabenländle

In aller Herrgottsfrühe geht es los, denn heute beginnt auch noch das Frühlingsfest in Bad Cannstatt. Da dürfen wir nicht fehlen. Auf der Zugfahrt Richtung Stuttgarter Hauptbahnhof im Regionalexpress, treffen wir erstmals auf Fans der Gegenseite. Man würde sich ja gern unterhalten, nur versteht man fast kein Wort. Der Dialekt ist eine komplette Sprache für sich und ein Wörterbuch wäre hier keine Fehlinvestition gewesen.

Natürlich fallen wieder die allbekannten Sprüche. Alles schon gehört. Mehr als nur einmal. Ironie ist, wenn die hardcore verschwitzen Leute, die man vom weitem riecht, einem erzählen wollen, dass man nach Fisch riecht. So eine Dusche am Morgen, die kann was! Nicht die Bierdusche, Freunde! 🙂

Die Stimmung dennoch gut aus unserer Sicht. Am Hauptbahnhof habe ich noch tolle Gespräche mitgenommen und neue Menschen kennengelernt. Das ist das Schöne an der Sache Fußball: man sieht sich immer wieder. Spiel für Spiel.

Auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Werderfans vor dem Spiel.
Stella und ich mit neuen Bekanntschaften. Fußball verbindet!

Neben Frühlingsfest und Stuttgart 21 Baustelle für allen Reisenden, die sich ins „Ländle“ begeben ein paar Tipps rund um die schwäbische Metropole. Diese Orte sind in Stuttgart außerdem zu empfehlen:

Aber nun erst einmal los zum Gegenstück der Cannstatter Wasen –  zum Frühlingsfest!

Zwei gute Freunde inmitten des Fahrgeschäft-Rummels in Stuttgart
Long time no see: Der Oli war mal wieder auswärts am Start.

Hunde müssen draußen bleiben

Feste feiern können sie, die Stuttgarter. Auch wenn die Ultras wie Pitbulls vor dem Zelteingang warten. Ja, Leidenschaft und Liebe zum Verein kann ich verstehen und teilen. Gewalt nicht. Ich denke, diese Zeilen stehen mir zu, da ich selbst ein „hässliches“ Erlebnis, vor nicht allzu langer Zeit hatte. Vielleicht treffen diese Zeilen genau auch mal an die Menschen, an die es gerichtet ist. Werder und ich, das ist eine Art Beziehung. Mein ganzes Leben lang. Bedingungslose Liebe. Nichts und niemanden war ich länger treu, als diesem Verein. Was man liebt, verteidigt man. Aber warum eigentlich verteidigen? Wer will mir denn Werder wegnehmen? Eifersucht ist hier fehl am Platz.

Aber warum kann es dann sein, dass man nichtsahnend auf ein Spiel geht und Gewalt auf einmal zum Thema wird? Aus falschem stolz? Klar, wenn mich jemand angreift, bin ich die letzte die das akzeptiert. Aber warum greifen mich wildfremde Personen an? Warum passiert das, nur weil ich ein Trikot eines anderen Vereins trage? Sind wir hier schon wieder an der Grenze der Ausgrenzung? Und warum sind wir das?

Gerne kann mir jeder Mal seine Meinung dazu schreiben. Füllt dazu einfach mal das Kontaktformular aus.

Mich würde interessieren, was es für euch bedeutet, Fan zu sein und wie weit Eure Liebe zum Verein geht.

Der Anblick dieser aggressiven Gesichter, widert mich einfach nur an. Verteidigt etwas, was euch keiner nehmen kann, nur ihr selbst – eure Würde. Jeder Mensch, hat seine Daseinsberechtigung, egal welches Trikot er trägt. Ohne verschiedene Vereine würde es keine Bundesliga geben. Also geht mein Dank an alle Vereine. Auch wenn mein Herz für Grün-Weiß schlägt und auch ich nicht der Beste Freund vom HSV werde, greife ich nicht ihre Menschenwürde an.

Die Mercedes Benz Arena und der etwas andere geschichtliche Rückblick.

Blick auf die Mercedes Benz Arena
Gleich geht’s los. Wir laufen in das Stadion!

Da ist sie endlich. Rund 60.000 Zuschauer passen rein. Erstaunlich, welche Namen dieses Gebäude schon trug:

  • Mercedes Benz Arena
  • Gottlieb Daimler Stadion
  • Neckarstadion
  • Century Stadium
  • Adolf Hitler-Kampfbahn

Ja, richtig gelesen. Dieses Stadion hat eine tiefe Vergangenheit. Wer nachlesen möchte – bitte hier entlang. Interessant auch, dass das Stadion mal ein Fassungsvermögen von ca. 97.000 Zuschauern hatte. Durch die Umbauten von Steh- zu Sitzplätzen hatte man hohe Einbußen an Kapazität.

Jetzt aber rein da

Wir stehen im Block und das Spiel geht los. Endlich scheint mal wieder die Sonne. Keine Jacke und kein Frieren mehr. Die Laune könnte eigentlich nicht besser sein, wäre da nicht das schnelle Gegentor, das Werder kassiert. Stella steht mittendrin und ist erstaunt, dass trotz Rückstand, die Stimmung famos bleibt.

Blick auf die Kurve der mitgereisten Fans aus Bremen
Zusammen feiern wir die Mannschaft: GWM on Tour!

Egal was auch passiert…

Die Leistung der Mannschaft ist leider nicht nennenswert. Torchancen werden nicht genutzt und es macht keine Freude, der Elf in Grün und Weiß zuzusehen, wie sie 3 Punkte liegen lassen. Ich würde gerne von einem Tor berichten – aber das verschiebe ich auf das letzte Heimspiel gegen Leverkusen. Da ärgern aber nichts bringt, und so nutze ich die Zeit, um ein paar Freunden „Hallo“ zu sagen. Wie soll ich bloß die Bundesliga Pause ohne diese Menschen überleben?!

Blick auf Grün-Weißen Rauch in der Gästekurve
Pyrotechnik ist kein Verbrechen!

Nach Abpfiff machen sich einige Werder Fans an den Zaun und werfen Gegenstände auf die Fans des VFB. Kann ich nicht verstehen. Kann ich nicht teilen. Kann ich nicht gutheißen. Seit wann haben wir denn verlernt zu verlieren? Das gehört eben auch zum Fußball. Dieses Verhalten nicht. Verloren. Verdient. Kopf hoch und auf zum nächsten Spiel.

Wir verlassen die Kurve. Steigen später in den Zug und langsam geht die Sonne unter. Ich nutze die Zeit, um Stella zu fragen, wie sie als „Nicht-Fan“ das Spiel empfunden hat.

Drei Fragen an Stella

Stella, was genau war dein Highlight auf dieser Auswärtsfahrt?

Mein Highlight war die grandiose Stimmung bei Kaiserwetter und die Fankultur, die alle meine Erwartungen übertroffen hat. Die Fans wurden nicht müde, ihre Mannschaft anzufeuern und die Liebe zum Verein war echt ansteckend!

Welches Gefühl beschreibt die 1. Halbzeit am besten?

Habe viel Text gelernt, viel geklatscht, die Fahnen begutachtet und die Stimmung auf mich wirken lassen. Die Fans waren alle gut gelaunt und ich habe mich sehr willkommen gefühlt inmitten der Ultras.

Würdest du noch einmal mitkommen und warum?

Ich würde definitiv wieder mitkommen, weil ich herzlich aufgenommen wurde, einen heiden Spaß hatte und Werder beim nächsten Mal siegen sehen möchte 😉

Fünf Freunde im Werder-Trikot
Mittendrin statt nur dabei – Stella im Mittelpunkt des Geschehens

Die Augsburger Punktekiste

Endlich ist es wieder so weit. Auf zum Münchener Hauptbahnhof. Treffpunkt: Süßigkeitenstand, wie immer. Gute Laune, wie immer. Leider können wir nicht behaupten, wie immer in Augsburg 3 Punkte zu holen. Aber vielleicht können wir hier der Gewohnheit ein Angebot machen, das man nicht ablehnen kann?

Grün Weißes München ist on Tour
Grün Weißes München ist on Tour: Auf dem Weg nach Augsburg!

GWM on Tour

Es versammeln sich immer mehr Anhänger des SVW am zentralen Punkt in der Bayerischen Landeshauptstadt. Grün-Weißes-München ist on Tour. Heute geht es in die benachbarte Stadt Augsburg. Oder wie man auch sagt: AUGSCHBURG.

12:35 Uhr rollt der Zug in München los. Unser Ziel – die WWK Arena. Ich erinnere mich noch gut an das letzte Jahr. Ziemlich bitter; mit 3:2 haben wir damals dieses Spiel in der letzten Minute verloren. Ich sehe den Spieltag noch vor mir. Zweimal gingen wir in Führung und brachten trotzdem keine Punkte nach Hause. Heute soll das anders werden. 40 Minuten Hinfahrt verfliegen und wir kommen an. Aber blättern wir erst einmal im Geschichtsbuch und im Reiseführer…

Blick auf die Stadt Augsburg
Blick auf die Stadt Augsburg

Römisch, Bayerisch. Wer hätte es gedacht…?

„Augschburg“ hat Ihren Namen dem römischen Heerlager und die spätere römische Provinzhauptstadt „Augusta Vindelicorum“ zu verdanken. Die Fuggerstadt ist zudem die älteste Stadt Bayerns und die zweitälteste Deutschlands. Man geht von einem Gründungsdatum etwa 8 v.Chr. aus. Ja sogar einen eigenen deutschen gesetzlichen Feiertag haben die Augsburger. Der 08.08. soll an das Friedenfest 1650 erinnern und selbiges gefeiert werden.
Die deutsche Mozartstadt wurde 1632 von Schwedenkönig Gustav Adolf erobert und schließlich 1806 in das Königreich Bayern eingegliedert. Mit aktuell 293.415 Einwohnern ist Augsburg auch die drittgrößte Stadt des Freistaats, nach München und Nürnberg.

Wohin das Nächste Mal?

Wir steigen an der Haunstetter Straße aus, keiner von uns weiß, dass sich hier auch der Jüdische Friedhof befindet. Ein Gedenkstein erinnert an die etwa 400 ermordeten Augsburger jüdischen Opfer der Shoah. Wer noch mehr Zeit hat und sich Augsburg bei der Nächsten Auswärtsfahrt genauer angucken möchte, bekommt hier noch die Sehenswürdigkeiten:

Ein guter Tausch

Wieder zurück zum 17.03.2018. Vor dem Stadion treffe ich auf Chris, einen guten Freund aus Potsdam. Ich sag es immer wieder gerne: Fußball verbindet. Aber auch noch auf einer anderen Ebene, als der Leidenschaft für das runde Leder. Nach einer langen Umarmung, zeigt er mir voller Stolz, ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Nazis raus aus den Stadien“. Geiles Statement – ich zögere nicht lange und tausche meinen GWM Schal gegen das Shirt. XL – naja vielleicht wachse ich da noch rein. Meine Oma kaufte mir schon als kleines Kind immer nur Klamotten in Übergröße – „da wächst du noch rein“ waren ihre Worte. Bis heute ist dieser Fall jedoch noch nicht eingetreten.

Doch ich möchte hier noch einmal auf die Kampagne zu sprechen zu kommen.

Werder Kappe und Nazis raus aus den Stadien-Shirt
Mein neuester Besitz: Nazis raus aus den Stadien! Hast du schon eins?

Nazis raus aus den Stadien

Erst einmal ganz persönlich, ein großes Kompliment für dieses Projekt. Viele Bundesliga Vereine unterstützen es bereits. Natürlich auch Werder Bremen. Am Empfang des Weserstadions wurden bspw. Spendenboxen aufgestellt. Viele Aufrufe gingen durchs Netz und man organisierte zahlreiche Unterschriftsammlungen der Innenliste des Yalla SVW für einen Benefizkick – unterzeichnet, auch von Grün-Weißes München.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass die Cottbuser Fans mit rassistischen Fangesängen gegen Babelsberg 03 im Stadion ihr wahres Gesicht zeigten. Immer noch präsent und das nicht nur im Fußball. Rechtsextremismus hat in Stadien nichts verloren. Nirgendwo! Es ist eine Frechheit was hier „Nulldrei“ passiert ist und ein Armutszeugnis vom NOFV für die Vorgehensweise.

Rechtsextremismus hat in Stadien nicht verloren. Ich hab ein Shirt – und ihr solltet für Partnerlook sorgen! Unterstützt die Kampagne, wenn auch Ihr ein Statement setzen wollt.

Die Kampagne gegen rechte Hetze

Wer noch nichts mitbekommen hat, liest mit einem Klick hier noch einmal das Wichtigste in Kürze.

Außerdem möchte ich klar kommunizieren, dass ich kein Geld oder sonstige Benefits für Werbung bekomme. So viel Mut verdient Anerkennung und Respekt – und wenn ich mit diesem Blog ein paar Leute dazu bewegen und erreichen kann, Flagge zu zeigen, dann tue ich das!

Blick von der Kurve auf das Spielfeld in Augsburg
Wir in der Kurve – der SVW auf dem Platz

Lasst die Puppen tanzen

Es geht in die Kurve. Bester Blick auf das Spielfeld. Die Fangesänge starten und jeder von uns ist gespannt, wie heute das Match ausgehen wird.
Man hat sich gerade ein wenig eingefunden und eingelebt, schon kommt die erste Chance für Werder. TOOOOOR! Belfodil schießt die Grün-Weißen in Führung und es steht 0:1. Irre. Damit hätte auch keiner gerechnet. Wir liegen uns in den Armen und begreifen etwas später, was passiert ist.

Werder hat definitiv die Nase vorn. Immer wieder gute Pässe und Ballkontakte – es macht so viel Spaß dem SVW beim Spielen zuzusehen. 40. Minute wieder Ishak. Doppelpack. Ja was ist denn da los? Belfodil, der häufig Pech vor dem Strafraum hatte, war wie ausgewechselt und kaum noch zu bremsen. Der Torjubel mit Gänsehaut. Und so stand es in der ersten Halbzeit schon 0:2. Leider geht auch der HSV in Führung.

Aber jetzt war es an der Zeit sich zu stärken. Das Schöne am Fußball ist, dass man ganz schnell viele Leute kennenlernt. Egal woher. So lernte ich auch vor dem Spiel Fans aus Weiden kennen. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Beim Fußball auch häufiger. Nach einer Portion Pommes und einem Getränk geht es wieder in den Gästeblock.

100% Werder

Das war mein Zuhause. Freunde, Bier und Fußball. Und vor allem — immer gute Stimmung! Auch beim Anschlusstreffer der Gastgeber. Rani Khedira versenkte die Kugel in Pavlenkas Revier. Keine einzige Sekunde ließen wir uns davon abhalten, weiterzumachen. Der Gesang unterbricht für keinen Moment. Ich bewundere immer wieder unsere Einstellung. Bedingungslos.

Mal ganz ehrlich, wo gibt es das noch? In welcher Situation ist man selbst auch bei einem Fehltritt noch guter Dinge und Laune? Was im Leben tut man noch bedingungslos? Mit so unendlich großer Hingabe und Leidenschaft? Eigentlich relativ wenig. Dabei ist das Leben einmalig. Jedes Spiel ist einzigartig und nie wieder erlebbar. So ist es im Alltag mit tausend anderen Dingen auch, aber welchen schenken wir davon genauso viel Hingabe wie Fußball?

Gerade weil wir selbst nicht am Ball sind aber immer am Ball bleiben, fasziniert es mich umso mehr. Denn ob Belfodil trifft oder nicht, hat am Ende Belfodil in der Hand oder besser gesagt, am Fuß, nicht wir. Wir selbst sind der Kapitän auf unserem eigenen Boot, in dem wir das Ruder in der Hand haben. Trotzdem steuern wir nur selten gegen den Wind. Und wenn wir einmal auf Kurs sind, wie oft genießen wir die Wellen? Wann den Ausblick aus egal welcher Position? Was drückt dich unter Wasser und was lässt dich treiben? Es fasziniert mich.

Werderheiko mit Hut und Nadine Becker
Werderheiko und ich!

Wir sind die coolsten, wenn wir KRUSEN

Genauso wie das Treffen mit Heiko – der aus Bremen kommt und das Spiel zu sehen – fasziniert mich das letzte Tor der Partie. MAX KRUSE! 82. Minute. Viele Augsburger Fans verlassen frühzeitig das Stadion. Das würde mir nie im Leben einfallen, egal wie es für die Bremer Jungs steht. Ich genieße den Rhythmus der Fangesänge und den der Trommel. Ich schließe die Augen und gebe mich der Stimmung hin, die besser nicht sein kann. Der Schiri pfeift ab und Werder holt erneut 3 wichtige Punkte.

Die Mannschaft kommt zur Kurve und wird verdient gefeiert. Wann hast du dich das letzte Mal feiern lassen?

Heimspiel – Der Morgen danach

09:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich öffne die Augen und merke, dass mein Schädel brummt. Vielleicht war es ein Becks zu viel am Vorabend auf dem Fan-Fest. Mein Kumpel Oli hat auf der Couch geschlafen und war mindestens genauso überrascht, wie schnell eine Nacht enden kann. Viel zu früh. Aber: Genug geträumt. Gleich geht es los!

Zwei Dosen Paulaner-Spezi auf dem Balkontisch
Spezi: Energie für ein anstrengendes Spiel

Wat mutt dat mutt – FCBSVW

Es kostete mich Überwindung überhaupt aufzustehen. Aber „wat mutt dat mutt.“ sagen wir Bremer. Also raus aus den Federn und ab ins Schmaus und Braus. Hier sollte das Katerfrühstück, bestehend aus Weißwurst, Breze und Bier, stattfinden.

Punkt 11:30 Uhr. So ein Katerfrühstück ist schon etwas Feines. Es gibt nicht einmal mehr Sitzplätze und einige essen im Stehen. Wir sind angespannt und fragen uns, was uns heute noch erwarten wird. Immerhin ist es schon zehn Jahre her, als wir die Bayern zuhause in München mit einem 5 : 2 „wegfegten“! Ich war natürlich live dabei. Die Mannschaft wollte das Spiel heute unbedingt gewinnen und wir waren mehr als heiß. Schreiben wir heute erneut Fußballgeschichte?

Apropos Geschichte — was hat München eigentlich noch zu bieten?

„Minga“ ist mit 1,5 Millionen Einwohnern, die einwohnerstärkste Stadt Bayerns. Sie zählt zu den Weltstädten und das lässt sich München gerne auch bezahlen. So stimmt es, dass die Mieten wirklich horrend sind und man in einigen Locations mit einem Gin Tonic auch den Wocheneinkauf bezahlen könnte.

Die Stadt „bei den Mönchen“ hat hier aber auch ihr Päckchen zu tragen. So erinnern sich viele wohl noch an die Geiselnahme an den Olympischen Spielen. 1635 bricht die Pest aus und ein Drittel der damaligen Bevölkerung fällt der Epidemie zum Opfer. Die Einwohnerzahl sinkt kurzzeitig von 22.000 auf 9.000 ab. Im gleichen Jahr kehrten die Schwedengeiseln nach München zurück, die Gustav II. Adolf von Schweden damals an sich riss, um die Stadt zu besetzen.

Auch München wurde im Zweiten Weltkrieg nicht verschont und bis Kriegsende war die gesamte Stadt zu fünfzig Prozent zerstört. Die Altstadt traf es mit neunzig Prozent besonders schlimm.

Skyline Münchens
Blick über München: Der Himmel der Bayern

Selbst ein grober Abriss der Geschichte Münchens würde hier den Rahmen sprengen. Wenn euch die Historie dennoch interessiert, kann ich die Nachtwärter Führung empfehlen. Für wenig Geld, die komplette Geschichte, hervorragend und mit viel Liebe erzählt. Hier noch meine persönlichen Sehenswürdigen für die nächste Auswärtsfahrt:

Blick auf das Spielfeld in der Allianz Arena
Die Arena füllt sich: Wir freuen uns alle auf das Spiel

Hier regiert der SVW!

13:00 Uhr geht es langsam gen Stadion. Rund 40 Fans starten gut gelaunt und lauthals Richtung U-Bahn. Es ist unfassbar kalt und nur ein Wegbier wärmt von innen. Ganz München konnte uns hören. Die Stadt ist heute Grün-Weiß.

Unten in der U-Bahn wird es richtig voll. Wir treffen auch erstmals auf Fans der gegnerischen Mannschaft. Wenn ich nach all meinen Erfahrungen, die gemütlichsten und friedlichsten Fans bestimmen müsste, dann wären es die des FC Bayern. Ich hatte auf Auswärtsfahrten schon ganz andere Situationen erlebt. Hier hat man uns akzeptiert und mit dem ein oder anderen kann man sich auf vollkommen normalem Niveau über Fußball unterhalten.

So friedlich wie die Bazis auch sind, ist auch ihre Stimmung. „Und schon wieder keine Stimmung FCB“ ertönt es von unserer Seite. Aber hier irgendwann mehr in einem eigenen Blog Beitrag. 15 Minuten lang, lassen die Fans unsere Gesänge über sich ergehen. Nach einem „Wir sind stolz auf unser’n Fisch — Werder Bremen“ Gesang, nahmen wir ihnen nun endgültig jegliche Grundlage zum Kontern. Humor? Können wir!

Ab ins Stadion!

Schön aufgewärmt — innen wie außen — kamen wir in Fröttmaning an. Mit Schal, Gesang und guter Laune geht es endlich in unser Domizil für die nächsten 90 Minuten. Immer noch kein Aufzug in der Arroganz Arena! Sport wird hier wirklich noch groß geschrieben. Alte Freunde, die ich schon seit 15 Jahren kenne, laufen mir über den Weg. Da es für die Gäste in den meisten Stadien nur alkoholfreies Bier gibt, stößt man eben mit dem an, was man kriegen kann.

20 Minuten vor Anpfiff stehen wir in der gegnerischen Kurve; zu Gast bei den Bayern. Die Ultras geben den Takt vor — und wir stimmen mit Leib und Seele ein.

Wir schreiben Minute Eins und es ist von der ersten Sekunde an, ein gutes Spiel. Werder zeigt sich von seiner kämpferischen Seite. Auch wenn wir hier als Auswärts-Fans in den letzten Jahren immer wieder schwere Momente hatten, kamen wir immer noch gerne her. Für uns waren es ein paar Minuten ins Stadion. Man bedenke, dass es für die Bremer mit 763 km, die weiteste Auswärtsfahrt der Saison ist. Und der Gästeblock ist restlos ausverkauft.

Wehende Fahnen in der Gästekurve der Allianz Arena
Die Stimmung kocht! Werder führt ✌️

Wir sind wieder zurück

25. Minute in der Allianz Arena. Es wird brenzlig vor dem Strafraum des FC Hollywood. Gondorf trifft. 0 : 1! Egal, was ich hier jetzt schreibe: Das war einer dieser Momente, die ich mit in mein Grab nehme und kaum beschreiben kann. Keiner konnte fassen, was hier gerade passiert ist.

Die komplette Gästekurve ist nicht mehr zu bremsen. Es gibt kein Halten mehr. Alle Bremer sind außer Rand und Band. Wir liegen uns in den Armen und können unseren Augen kaum trauen. All der Frust der Hinrunde — rausgeschrien bei diesem Tor. Wir sind wieder da!

Anzeigetafel der Bayern. Werder führt 1 zu 0
So geht das! 0 : 1

Die Stimmung hat Ihren Zenit erreicht. Werder war immer noch stark und am Ball. Leider fiel der Ausgleich kurz vor der Halbzeitpause durch Müller. 1 : 1. Schade, aber zu verkraften.

Ich spüre meine Füße vor Kälte nicht mehr, doch die Stimmung ist alles andere als eingefroren. 15 Minuten durchatmen. Das brauchen wir nach dieser ersten Halbzeit. Wer weiß, was hier noch alles passiert. Eins steht fest — zu Null gehen wir heute nicht mehr nach Hause.

Ein Pfiff. Es geht wieder los.

Der Ball rollt und die zweite Halbzeit startet. Bei diesem Spiel kam übrigens mein Titelbild zustande. Hier sieht man keinem die Kälte ins Gesicht geschrieben. Im TV auch nicht. Man muss es einfach selbst erleben. Fußball kann einem eben nicht nur das Herz erwärmen.

Zwei Freunde beim Fußballspiel
Friendship never ends

63. Minute — Lewandowski! Absoluter Mist. Auf einmal sind sie wieder da — die Fans des FC Bayern. Viele kommen erst jetzt wieder aus der V.I.P Lounge. Ganz schön laut, wenn rund 73.000 Heimfans verlauten lassen, dass ihre Mannschaft ein Tor erzielt hat. Das kann jetzt ganz bitter enden. Meist verliert Werder hier den Mut und lässt sich fallen. WEIT GEFEHLT!

Werder will diesen Sieg.

74. Minute. Sule. Aber nicht für die Bayern, sondern für uns! Eigentor. Es steht 2 : 2. Wir wieder außer Rand und Band. Erneut die Chance, hier 3 wichtige Punkte mitzunehmen. Was für eine Partie. Für 15 Euro kommt hier nicht nur der Kreislauf in Schwung, sondern auch die Dopamin-Ausschüttung.

Kurz darauf aber das 3 : 2 für die Gastgeber. Wieder traf der gebürtige Warschauer für die Roten. Wir feuerten weiter. Nicht nur unsere Jungs auf dem Platz, sondern auch wir auf der Tribüne. Einige von uns haben schon längst keine Stimme mehr.

Der SVW hatte noch 10 Minuten Zeit, das Spiel zu drehen. Jetzt bloß nicht Aufgeben. Der Capo unten bei den Ultras motiviert uns. Das kann man sich wie bei einem Workout im Fitnessstudio vorstellen, bei dem man noch ein paar Minuten durchhalten muss.

6 Tore – 90 Minuten

Viele denken sich bestimmt, dass wir jetzt super enttäuscht sind, weil wir eine Führung aus der Hand gegeben haben. Weit gefehlt beim Fußball. Klar, das ein oder andere Gegentor nervt uns, aber das dürfen wir uns nicht anmerken lassen. Wenn der Rückenwind und die Richtung stimmen, dann geht es auch viel leichter nach vorne. Der Rückenwind sind WIR — die Fans. Bedingungslos. Das macht uns aus und nach 90 Minuten Spielzeit und einem letzten Tor von Thomas Müller, unterliegen wir hier am Weißwurstäquator mit 4 : 2. Dennoch ein tolles Spiel.

Zwei Fans nach dem Spiel FCB gegen SVW
Das Spiel ist durch. Wir feiern weiter.

Das Lied von Eis und Feuer

Wir machen uns schließlich auf dem Heimweg. Singen weiter unsere Lieder und freuen uns – vor allem auch auf unser Bett. Die Stimmung in der U-Bahn famos, allerdings nicht von den Fans in Rot, sondern von uns in Grün. Ich gucke in die Gesichter der Fans, deren Mannschaft 3 Punkte geholt hat. Man könnte meinen, sie kommen gerade von einer Beerdigung. Schade, dass für sie Fußball so gar nicht mehr spannend scheint. Ein bisschen tun sie mir leid. Die Gefühle von Euphorie, Leidenschaft und Liebe scheinen erloschen. Aber unser Feuer brennt — es heißt nicht umsonst in unserer Hymne — „ihr seid cool und wir sind heiß.“

Das Fan-Fest – Werder zu Gast in München

Lange haben wir auf diesen Tag hingefiebert. Nicht nur wegen der Partie gegen den FC Bayern. Auch, weil wir dieses Jahr wieder keine Kosten und Mühen gescheut haben, dem Gastgeber zu zeigen, wer hier das Sagen hat.

Grün-Weißes München lädt zum Fan-Fest

Januar 2018. Es ist kalt und das wohl schwierigste Spiel der Saison steht an. Der SVW ist zu Gast bei uns in München. Zeit, die Werder Fahne wieder voller Stolz zu hissen. Aber auch voller Vorfreude, denn Grün-Weißes München lädt auch 2018 wieder zur Wirtshausgaudi, dem legendären Fan-Fest in München, ein. Es ist die vierte Version. Eine Sporthalle voll mit 500 Grün-Weißen Luftballons der Ort des Geschehens. Wir haben uns zig Kleinigkeiten, Spiele, Deko-Ideen und unzählige Dinge überlegt, um dieses Fest zu etwas Besonderem zu machen. Aber nun alles von vorn.

Die Vorbereitungen zur Wirtshausgaudi im Schmaus & Braus
Die Vorbereitungen zum Fan-Fest laufen

Es gibt immer was zu tun

15:00 Uhr. Fleißige Helfer versammeln sich vor unserer genialen Werder Kneipe — dem Schmaus & Braus in der Ursulastraße. Um 18:30 Uhr werden die Pforten für mehr als 200 Werder Fans aus aller Welt geöffnet – und da waren die 500 Luftballons; noch verpackt!

Nicht lang schnacken — ran an die Luftpumpen, um später diesen Trinkspruch in Ruhe zu Ende führen zu können. Die Bühne für die Band „Gaudiblosn“ samt Tontechnik und Licht musste ebenfalls aufgebaut und angebracht werden. Wie gut, dass man zusammen hält und es so viele Menschen gibt, die uns unter die Arme greifen.

Dart-Spiel mit HSV Zielscheibe
Zielsicher wird der HSV abgeschossen

Ich schnappe mir zuerst einen Edding und eine Korkplatte, um daraus ein Dart-Spiel „DARTzke“ zu basteln. Ich musste mir wirklich etwas einfallen lassen… und würde sagen, auf dem Bild sieht man, dass mir das gut gelungen ist.

Die Ruhe vor dem Sturm

Nun mussten auch noch Bierbänke aufgebaut und dekoriert werden. Trotz der großen Liste an ToDos, kam der Spaß nicht zu kurz. Es erfüllt mich, etwas zu säen, um später zu erleben, welchen Erfolg es erntet. Der erste Blick auf das kleinste Detail, der zweite immer wieder auf die Uhr. Nur noch wenige Minuten bis zum Einlass. Von draußen kann man bereits Stimmen hören. Ich kann es nicht lassen und spähe kurz durch den Türspalt um zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Ich traue meinen Augen kaum: Schon über 30 Leute warten, um endlich bei uns Gast zu sein. Zu Gast in München. Für uns DAS HEIMSPIEL der Saison. Einmal nach 20 Minuten zuhause sein und dann ins Bett fallen.

Dekorierte Sporthalle für das Fanfest am 20.01.2018
Gleich geht’s los: Die Deko zum Fan-Fest steht!

Es geht los – Unser Beitrag zur Förderung des Fußballgeschmacks in München

Die Gaudiblosn stimmen sich ein, das Licht erleuchtet in Grün-Weißem Glanz und wir schießen ein letztes Gruppenfoto, bevor sich die Tore öffnen. Alle sind nervös und angespannt, ob das was wir in gerade mal 3,5 h auf die Beine gestellt haben, den teils weit angereisten Gästen gefällt.

Die Menge strömt in die Halle. Ich bin zufrieden. Es sind einfach die kleinen Dinge, die ich so sehr schätze. Viele Gesichter erkennt man sofort. Die letzte Begegnung ist oft ein ganzes Jahr her; umso schöner ist das Wiedersehen. Die Musik ertönt, das Bier fließt und alle sind in bester Laune.

Gruppenfoto der Aufbauhelfer GWM
Gute Laune vor dem Start – das Fan-Fest geht los!

Alles nur aus Liebe

DARTzke – meine Werder-Version des beliebten Wurf-Spiels, kommt gut an und die Kasse klingelt. Natürlich nicht für unseren Eigenbedarf, sondern als Spende an die Stiftung für Krebskranke Kinder e. V. Deren Arbeit ist mir persönlich ein ganz besonderes Anliegen. Wir spenden jedes Jahr unsere gesamten Einnahmen aus dem Phrasenschwein „Toni“ und auch sonst alles, was wir durch Aktionen und Events aufbringen. Heute z.B. die Erlöse aus der Tombola. Knapp 1000 Euro kamen der Stiftung durch das Fan-Fest in Summe zugute.

Definitiv Champions League!

Oben schrieb ich: Werder-Fans aus aller Welt. Denn als ich den Fan mit diesem Schal sah, wusste ich — Werder spielt international — wenn auch nicht mit dem runden Ball, sondern eher mit seinem Charme. Selbst in China, weiß man eben guten Fußball zu schätzen.

Zwei Werder-Fans mit chinesischem Fan-Schal
Zwei Werder-Fans – Die Farben Grün und Weiß strahlen bis nach China

Es hat schon etwas Besonderes, wenn eine Oktoberfest-Band Werder Bremen-Lieder spielt. Und schon überkommt mich wieder dieses Gefühl von Heimat in einer anderen Stadt. Man arrangiert sich eben. So gibt es ja immerhin auch das Bayernzelt auf dem Bremer Freimarkt. So in etwa geht hier übrigens auch das Bier weg. Alle 45 Minuten 1 Fass — nur für’s Protokoll.

Bei der Talk-Runde mit Frank Baumann und Hubertus Hess-Grunewald hätte man eine Stecknadel fallen lassen können — aber schließlich der Aufschrei, nachdem Herr Grunewald erwähnt, dass das nächste Fass auf seine Rechnung geht. Die Party geht weiter und die Tanzfläche ist mehr als nur eröffnet.

Talkrunde mit Frank Baumann, Hubertus Hess-Grunewald und Elia
Die Talkrunde bei der Wirtshausgaudi mit Frank Baumann, Hubertus Hess-Grunewald und Elia, dem 2. Vorstand von GWM // Foto: @andreasgumz / #gumzmedia

Der krönende Abschluss

Um Elf war der offizielle Teil vorbei und die Feierlichkeiten müssen Enden. Die Band spielt ihren letzten Song. „Du entschuldige – i kenn di“. Wir stehen im Kreis vor der Bühne. Viele, die ich nicht kenne, viele die ich nicht oft sehe im Jahr und Menschen, die München für mich „gemütlich“ gemacht haben. Da stehen wir nun. Arm in Arm. Wir bilden einen großen Kreis, der mich an Fußball erinnert.

Der letzte Refrain. Textsicher waren wir nicht, aber dafür echt. Einigen kommen die Tränen. Steht uns Nordlichtern zu, wir sind ja wirklich nah am Wasser gebaut – und zudem ist es sicher belustigend, ein paar norddeutschen beim bayerisch Singen, zu lauschen.

Gefüllte Bänke und gute Laune beim Fanfest
Volles Haus beim Fan-Fest – der Norden zu Gast im Süden

Man weiß und spürt, dass es derartige Momente im Leben nur selten gibt. Gerade beschreibe ich einen. Außerhalb der Kurve ist man irgendwann befreundet und teilt derart persönliche Momente. Da ertönt sie plötzlich, die letzte Zeile des Liedes. „…als ob dazwischen einfach nix war.“ Genau so fühlt es sich an. Als wäre zwischen den Spielen nie Zeit vergangen – Freundschaft.

Lebenslang Grün-Weiß

Und obwohl das Licht angeht und jeder weiß, die Party ist vorbei, klingt dieser Augenblick nur langsam aus. Man hat sich nie aus den Augen verloren und findet sich doch immer irgendwo anders wieder. Heute in München. Keiner weiß, wo man sich nach dem bevorstehenden Spiel morgen gegen Bayern, das nächste Mal treffen wird, sondern nur, dass eine Mannschaft in den Farben Grün und Weiß, der Grund dafür sein wird.

Weitere Eindrücke von der Wirtshausgaudi am 20.01.2018 im Schmaus & Braus findet ihr im Zusammenschnitt von der Deichstube

Drei Freunde auf dem Fanfest
Die Wirtshausgaudi neigt sich dem Ende – doch wir haben noch lange nicht genug

Ach ja, da war ja noch das geniale Spiel gegen den F.C. — wer…? UUND natürlich der Morgen danach!

Auf ein Spiel – in die Arroganz Arena!

You never walk alone

Sport. Philosophie. Leidenschaft. Familie. Glück. Trauer. All das ist Fußball – und noch so viel mehr. Heute schreibe ich über den letzten Spieltag der Saison 2016 / 2017. Das letzte Spiel des SV Werder Bremen. Das letzte Mal auswärts. Zu Gast beim BVB.

Zu mir…

Mein Name ist Nadine Becker. Ich lebe seit dem 06.12.1996 in Bayern. Geboren bin ich in Bremen, aufgewachsen hier im Süden und – seit ich denken kann – Werder Fan. Das war in meiner Schulzeit nicht immer leicht und ich muss zugeben, ohne Werder hätte ich nicht dieses dicke Fell und diese starke Bindung zum Fußball, die ich heute besitze. Mein Bruder trägt wohl einen großen Teil dazu bei, dass mein Herz für die Werderaner schlägt. Danke an dieser Stelle. Seit zwei Jahren lebe ich nun in der bayerischen Landeshauptstadt und bin stolzes Mitglied bei Grün-Weißes München.

Nadine Becker & Schal von Grün-Weißes München
Nadine Becker | Mit dem Schal von Grün-Weißes München

Wie alles begann…

Da ist er nun – MEIN BLOG. Schon so lange plane ich ihn. Hier ist er. Die ganze Idee kam mir eines Abends, auf der Heimfahrt von Dortmund nach München im ICE. Wir hatten verloren. Mit einer gigantischen Euphorie sind wir zum letzten Bundesligaspiel gefahren. Geträumt von Europa – da kam die Nadel, die den Traum platzen ließ – Aubameyang. Wenn ich die Hinfahrt mit der Rückfahrt vergleiche, muss ich feststellen, es handelt sich um zwei verschiedene Welten. Aber genau das ist Fußball. Manchmal begießt man es mit Bier – viel öfter aber mit Tränen. Das ist pure Leidenschaft. Du stehst auf, wenn andere noch schlafen, mit halb offenen Augen werden Flaschenhälse geöffnet und man nimmt hunderte Kilometer auf sich.

Fußball kann so viel mehr. Es ist Sport, Philosophie, Leidenschaft, Familie, Glück und Trauer.

So sitzt man schließlich nicht alleine im ICE, sondern mit guten Freunden, die dich und deine Ticks besser kennen und verstehen, als so manch enger Freund. Nach einer langen aber dennoch lustigen Fahrt mit Gleichgesinnten, kommen wir endlich an. Dortmund. Wir befinden uns also im Ruhrgebiet. Die Stahl-Luft kann man förmlich riechen. 1.100 Jahre reicht die Geschichte zurück – viel zu viel um hier alles aufzuzählen.

Das wichtigste in Kürze zu Dortmund

Mit 590.000 Einwohnern ist sie doch tatsächlich die bevölkerungsreichste Stadt im Ruhrgebiet und in Deutschland immerhin die achtgrößte. Kein Wunder, dass diese Stadt das größte Stadion Deutschlands, den Signal Iduna Park, in sich trägt. Außerdem ist Dortmund für viele weitere Wahrzeichen bekannt. Hierzu zählen unter anderem:

Summa summarum: Die Stadt hat viel zu bieten. Es lohnt sich also auch ohne sportlichen Hintergrund Dortmund einen Besuch abzustatten.

Aussicht auf den Florianturm in Dortmund bei Nacht
Der Florianturm in Dortmund spiegelt sich im Wasserglanz bei Nacht.

Throtmanni (so wurde die Dortmund wohl früher genannt) hatte aber auch ihre schlechten Tage. So wurde dieses Fleckchen Erde während des Zweiten Weltkriegs durch insgesamt 105 Luftangriffe und mehr als 22.242 Tonnen Bomben zu 98 Prozent zerstört. Donner und Doria – 98 Prozent! Der Großangriff vom 12. März 1945 mit 1.108 Flugzeugen, beladen mit über 50.000 Minen-Sprengbomben, gilt dabei als größter konventioneller Bombenangriff, der weltweit je gegen eine Stadt geflogen wurde.
Danach kam alles zum Erliegen. Als wir durch die Stadt schlendern, fällt nichts mehr davon auf. Das liegt an dem wahnsinnig schnellem Wiederaufbau, den Dortmund damals startete. Die Nachfrage nach Stahl und Eisen trug natürlich einen großen Teil dazu bei. Wie ein Phönix aus der Asche, erkämpften sich die Menschen den Ort zurück, indem wir uns gerade befinden, um uns das zu holen, was uns zusteht – die letzten drei Punkte der Saison.

Vor dem Spiel

Die Sonne scheint und die Fans, die sich am Hauptbahnhof versammeln, sind voller Vorfreude auf das letzte Spiel der Saison 2016/2017. Das ist immer etwas ganz besonderes. Alle Spiele beginnen um 15:30 Uhr. So mancher Verein kämpft heute das letzte Mal in der ersten Bundesliga; im Unklaren, ob er nächste Saison noch zu den Erstligisten zählt.

Wehende Werder-Bremen-Fahne
Wehende Fahnen: Wir starten nach Dortmund

Danke Alex

Es ist jedes Mal aufs Neue verrückt, was hier noch alles passieren kann. Die Spannung steigt. Für die Grün-Weißen ist heute mehr drin. Heute können wir uns ein letztes Mal beweisen und uns den Platz in Europa erkämpfen. „Was war das eine Saison“, denke ich mir. Der Start, holprig. Man sprach am Ende der Hinrunde vom Abstieg. Doch dann kam der Mann der Stunde zu Werder. Nouri. Die Rückrunde war ein absoluter Traum. Die Mannschaft war wie ausgewechselt und ich erkannte sie nicht mehr wieder. Es machte wieder Spaß. Spaß, diesen Menschen beim Kicken zuzusehen. Und jeden erinnerte diese Elf an die Werte, die sie ausmachte. Mit Alexander Nouri startete der Befreiungsschlag raus aus dem Tabellenkeller. Auch das kann Fußball.

Wer macht das Spiel?

Ach ja, wir stehen am Hauptbahnhof, stimmen uns ein und begeben uns Richtung Stadion. Einige Leute kommen uns entgegen und eine ältere Dame fragt, wer heute das Spiel machen wird. War das gerade eine ernsthafte Frage? Als würden wir den Weg auf uns nehmen, um zu verlieren – machen wir immer so! Was für eine Frage; wir machen das Spiel.

Im Stadion – 90 Minuten 

Wir stehen in der Kurve. Es ist ziemlich eng hier, da die Herrschaften im Signal Iduna Park wohl mehr auf das Geld geachtet haben, anstatt auf die Menschen. Somit waren viel zu viele Menschen im Stadion. Aber nun gut. Die Mannschaftsaufstellung wird präsentiert. Komisch, bei Dortmund hat jeder den gleichen Nachnamen…

YOU NEVER WALK ALONE

Alleine beim Schreiben der Worte „You never walk alone“ bekomme ich wieder Gänsehaut. Das Bild der gelben Wand. So oft im Fernsehen gesehen – jetzt live. Was für ein Gefühl. Die Enge ist längst vergessen. Alles was beim Anpfiff in meinem Kopf war: „Forza SVW!“

Nach kurzer Zeit passiert das Verrückteste überhaupt. Nach einem Torschuss, schaut der Schiri auf die Uhr, zeigt „Tor“ an und alle rasten aus. Nicht, dass ich das Gefühl nicht kenne, zu führen – das  war in der Rückrunde häufig der Fall. Aber das Tor scheint zuerst nicht hinter der Linie. Nach dem Blick auf die Uhr gehen wir in Führung. Zuerst der Seufzer der Fans in Grün-Weiß – dann der Torjubel. Es wird nass. Ein voller Becher hat mich getroffen – ich blieb unverletzt 🙂

Die Antwort

Da vorne auf der Tafel steht wirklich 0 : 1. Kurz denke ich noch einmal an die Frau, die mich gefragt hat, wer heute das Spiel machen wird. Hier war die Antwort. Man liegt sich in den Armen. Manchmal kenne ich die Leute neben mir gar nicht. Aber irgendwie gehört man zusammen. Es ist familiär. Auch das kann Fußball.

Die Mannschaft des SVW mit Danke-Banner
Der SVW sagt Danke für 34 Heimspiele

Insgesamt hat es sieben Mal geklingelt und am Ende, nach 2 Strafstößen für die Dortmunder, unterlagen wir mit 4 : 3. Was waren wir enttäuscht. Die Stimmung war dennoch gut. Nach dem Spiel kam der SVW mit einem Banner auf dem stand: „Danke für 34 Heimspiele.“ Mir kamen fast die Tränen. Auch, weil sich die Bundesliga jetzt in die Sommerpause verabschiedet. Wie soll man das bloß überleben? Was übrig bleibt: Die Freundschaft, die Erinnerung an die vergangene Saison und all die verrückten, glücklichen und traurigen Momente. Pure Emotionen. Leidenschaft. Familie.

Die Heimfahrt – Ein 600 km langes Resümee 

So kam mir die Idee zu diesem Blog. Im ICE auf der Heimfahrt nach diesem Spiel. Der Alkoholpegel geht zurück. Meine Freunde schlafen und ich sitze noch immer da. Lass in diesen Momenten gerne noch einmal alles Revue passieren und schreibe Gedanken auf, um die Stimmung festzuhalten.
Denn egal was im Leben auch passiert, du bist immer da du schöner SVW. Du siehst uns nicht. Doch du kannst jeden Samstag im Stadion hören, dass wir da sind und an deiner Seite stehen. In guten wie an schlechten Tagen. Tage wie diese.