Licht und Schatten

Freunde des guten Fußballgeschmacks. Es ist wieder so weit. Hier schwarz auf weiß meine Stimme zum Auswärtsspiel gegen Augsburg. Etwas anders. Um an Infos rund um die Stadt Augsburg zu gelangen, klickt gerne auf meinen alten Beitrag „Augsburger Punktekiste“. Nun aber – auf ein Spiel!

Zur Abwechslung mal was anderes

Die Saison lief bisher zäh. Sogar so zäh, dass ich erst 7 Tage später die Muße und die Idee habe, den Beitrag nun doch zu verfassen. Mein Blog soll nicht nur eine Berichterstattung sein. Mir geht es um das Drumherum. Ich möchte jeden Einzelnen einladen, das „Fansein“ kennenzulernen. Sichtweisen zu teilen und manchmal auch zu sagen: „Die spinnt doch!“ Deswegen gibt es heute eine große Portion Gefühle und Philosophie.

Einmal nach Augsburg bitte

09:30 Uhr. Der Bus kommt in Würzburg an. Mit ihm 54 Würzburger Warriors, die heiß sind, 3 Punkte abzustauben. Endlich wieder Stadionluft schnuppern. Dazu kam ich diese Saison viel zu selten. Ein paar alte Gesichter erkenne ich wieder, ein paar Neue kommen dazu. Der Radius wird immer größer. Während der Busfahrt kommen tolle Gespräche zustande von „weißt du noch“ über „heute zählt’s“ bin hin zu dem, was uns alle eint: Die Liebe und Leidenschaft zum SV Werder Bremen.

Horst setzt sich zu Jendric und mir. Wir reden über das Pokalspiel am kommenden Dienstag. „Ich habe da ein gutes Gefühl, da der Pokal seine eigenen Gesetze hat“ sprudelt es aus mir. Horst stimmt mit ein. Wir verabreden uns für kommenden Dienstag und geben uns die Hand drauf, auf das nächste Pokalspiel zu fahren – im Falle des Weiterkommens.

Fans im Bus
Auf nach Augsburg!

Momente, Fotos und Freundschaften

Nach 4 Stunden Fahrt stehen wir vor der WWK Arena. Die Sonne scheint. Frühlingstemperaturen erheitern die Stimmung. Hier habe ich nur gute Erinnerungen, die kurz wieder aufblitzen.

WWK Arena in Augsburg dahinter der Himmel leicht bewölkt
Frühling im Februar

Gruppenfoto, begeistertes „Werder“-Rufen, weiter Richtung Eingang. Man kann auf einem Foto den Moment festhalten aber nicht die Story dahinter. Während hier geknipst wurde, war ich auf dem Weg, alte Freunde aus München wiederzutreffen. Aktuell sieht man sich nur zum Fußballspiel wieder. Da koste ich jede Sekunde aus. Nach vielen Umarmungen geht es nun in die Kurve.

Freunde in der Gästekurve.
Friendship never ends
2 Freundinnen in der Gästekurve
Fußball ist auch was Frauen!

Ein Satz mit X

Die Ultras geben so viel Halt in dieser Zeit. Gesänge erklingen. Wir stimmen mit ein. Die Stimmung ist famos. Wir führen. Danach liegen wir in der zweiten Halbzeit zurück und verlieren mit 2 : 1 in Augsburg. So fühlt es sich vermutlich in einem Kampf an, indem du nach einem fast-K.o noch einmal aufstehst, um dann den finalen Schlag zu kassieren. Mittlerweile regnet es und Kälte leitet den Abend ein.

Schild mit der Aufschrift an die Fans für Werder Bremen: Auf Wiedersehen
Auf Wiedersehen!

Einmal umdenken bitte

Licht und Schatten. Erst scheint die Sonne, dann ist es kalt. Wir führen und dann liegen wir zurück. Es ist ein Auf und Ab. Ich merke nach den 90 Minuten, dass ich mich von der Negativität anstecken lasse. Aber nur kurz. Dann weiß ich wieder, dass das nichts bringt. Ich hoffe, dass die Spieler irgendwann den Frust abschütteln können und spielerisch wieder das auf dem Platz zeigen, wofür ich diese Mannschaft in Grün-Weiß liebe.

Wir steigen wieder in den Bus. Ein paar Fans regen sich lauthals auf. Bringt nichts. Ein Unfall kurz vor unserem Standort. Vollsperrung. Nichts geht mehr. Noch mehr regen sich auf. Bringt nichts. Bitte nicht falsch verstehen, mein Herz blutet auch! Gerne würde ich den SVW im oberen Drittel der Bundesliga Tabelle sehen und 17 Punkte in der Bundesliga laden nicht gerade zum Träumen ein.

Haben wir denn verlernt, glücklich zu sein mit dem, was wir haben?

Jeder will nach Hause. Wollten die Autos vor uns auch, bevor ihnen ein Geisterfahrer entgegenkam. Hätte der Schiri etwas früher abgepfiffen, wären wir vermutlich auch von dem Unfall betroffen gewesen. Für ein paar Menschen geht es heute nirgendwo mehr hin. Aber soweit wird nicht mehr gedacht. Wir stehen „zufällig“ an einer Ausfahrt die uns direkt zum „goldenen M“ führt. Zeit, die man nochmal mit Freunden verbringen kann. So sehe ich das. Vielleicht ein toller Gedanke, wenn ihr das nächste Mal in einer solchen Situation seit: Nehmt das Positive mit. Freut euch über etwas Zeit und Ruhe. Versucht die „Zwangspause“ zu ignorieren. Gut und schlecht, erfreulich und störend, Licht und Schatten.  Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren. Um 23:00 Uhr verabschiedet sich der Busfahrer von uns und wir steigen aus.

Wehende Fahnen in der Gästekurve. Dahinter die Kulisse des Stadions
Mit wehenden Fahnen nicht untergehen!

Und alle so „YEAH“

Ich spule vor auf Dienstagabend. Jendric, Horst und Max sind von der Partie. Nach dem  3 : 2 im Bremer Weserstadion gibt es kein Halten mehr. Max tut mir etwas leid, aber da muss er durch. Man bekommt mich eben ganz oder gar nicht. Wir stehen im Kreis, Arm in Arm und hüpfen durch die Wohnung. Währrend ich das schreibe, muss ich grinsen. Wenn jemand durch das Fenster gesehen hat, wird er sich seinen Teil gedacht haben. Aber das muss sein. So viel Frust fällt ab. So unfassbar viele Niederlagen. Wir sind wieder WERDER. Der Vize Befreiungsschlag von Trainer Florian Kohfeldt. Es tut so gut, in seine funkelnden Augen zu sehen.

Freunde im Wohnzimmer, die das Fußballspiel gucken
Wir sehen unsim Viertelfinale

Ich hoffe, die Mannschaft und Florian Kohfeldt nehmen diese Momente mit in das Nächste Spiel und in die ganzen Spiele danach. Auf Facebook, WhatsApp und auf den ganzen anderen Portalen immer nur Gemecker. Immer wird das Schlechte gesehen. Wir sind nur Menschen. Aber die Spieler auch. Und es ist verdammt schwer, den Schalter von „FUCK“ auf „YEAH“ zu stellen. Aber genau damit sollten wir anfangen. Und wenn es uns schwerfällt, dann den Spielern des SVW sicher auch. Und egal wie viel unsere Elf verdient, mental umzustellen ist eine Mammutaufgabe, die man nur zusammen bewältigen kann.

Also spart euch vielleicht den ein oder anderen Kommentar beim nächsten Spiel. Denkt mehr „YEAH“ und weniger „FUCK“! Licht ohne Schatten wäre eine Welt, in der wir alle nicht existieren würden. Ein Blütensamen wächst still und heimlich im tiefen dunklen der Erde. Ist die Blume erst einmal ans Tageslicht gekommen, wird sie von allen bewundert. Niemand erkennt den Weg, den sie hinter sich gebracht hat. Am Ende der Saison hoffe ich, dass ich diesen Satz noch einmal aufnehmen kann. In all seiner positiven Bedeutung. Dann verlinke ich diesen Beitrag kann vielleicht grinsend anmerken: „Schaut, Werder blüht.“

Wir sehen uns im Viertelfinale – Auf ein Spiel!

 

 

 

 

DIE WIR WOCHE – Round 1 – FIGHT!

Man könnte sagen, es sei das Vorspiel auf das, was uns im DFB-Pokal erwartet. Dies wird ein etwas anderer Beitrag. Ein Beitrag in 2 Akten. Heute bin ich in dem Stadion, in dem es tatsächlich Popcorn gibt. Ich bin zu Gast beim FC Hollywood. Die Bayern. Heute in München, Mittwoch im Pokal. Den 1. Akt gibt es von mir, den Nachschlag von Olaf Kretschmer. Was dieses Mal alles anders ist, könnt ihr hier nachlesen. Auf ein Spiel in der bayerischen Landeshauptstadt. 

Stolz auf unseren Fisch!

Es geht also mal wieder in aller Frühe los. Angekommen am Würzburger Hauptbahnhof, begegnen mir schon die ersten roten Gestalten. Ich sehe mich um. Jap, ich bin die Einzige in Grün-Weiß hier. Na Bravo. Das geht ja gut los, denke ich mir. Natürlich bin ich auch nicht inkognito. Das fällt auch schnell den Fans der gegnerischen Mannschaft auf. Schnell gehen die Gesänge los mit: „Was ist Grün und stinkt nach Fisch?“ – Euch wir das Lachen noch vergehen denke ich. Wenn nicht heute, dann im Pokal. Ab in den Zug. Eine kleine Schickimicki-Familie unterhält sich am Nebentisch über das heutige Spiel.

Sonnenaufgang in Würzburg
Morgens in Würzburg. Aufbruch nach München

München ist Grün-Weiß

München Ankunft 10:45 Uhr. Treffpunkt 11:00 Uhr am Marienplatz. Großes Wiedersehen alter Gesichter. Jetzt aber schnell zum Einsingen. Dort mit dem Ritual begonnen, gehen sofort die Handy Kameras der Touristen an. Ich komme mir vor, wie Brad Pitt, der auf einer Stunde Meet & Greet zu sehen ist. Wir scheinen DIE Attraktion. Sofort steigt das Wir-Gefühl, die breite Brust gegen die Bazis – und die Sonne scheint im vollen Glanze. Kaiserwetter. Besser kann es doch nicht sein. Um 13:00 Uhr geht es dann auf gen Stadion. Die einzigen Fans die Laute von sich geben sind definitiv WIR. Das ist allerdings aber auch nichts Neues :-).

2 Freunde auf dem Marienplatz im Werder Trikot
Neulich auf dem Marienplatz

Die Geschichte der Allianz Arena

Viele meiner treuen Leser wissen, dass ich oft über Stadien und deren historische Geschichten schreibe, hier ist das, was ich über die Arena finden konnte.

Die Vision war 1997: Fußball schauen als wahres Erlebnis. Die Stadt München hatte dafür plädiert, nicht ein neues Stadion zu bauen, sondern eher das Olympiastadion für geplante Zwecke zu nutzen. Rund 500.000 DM waren als Investition geplant. Nach langem hin und her kam es 2001 zu einem Bündnis zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Bayern München. Jetzt stand auch fest, dass es ein neues Stadion geben wird. Es gab sogar einen Bürgerentscheid, bei dem die Mehrheit dann für den Bau des Stadions in Fröttmaning stimmte. Beide Vereine teilten sich die Anteile zu jeweils 50 %. Man entschied sich für den Bau von Herzog und de Meuron. Dank 700 Bauarbeiter die gefühlt, 24/7 die Woche arbeiteten wurde der Rohbau 2004 fertig. Der erste Sitz übrigens wurde an meinem Geburtstag des Double Jahres des glorreichen SVW angebracht. Das erste Ligaspiel bestritten am 05.08.2005 der FC Bayern und die Fohlen aus Gladbach vor 66.000 Zuschauern. Damals gewann der Gastgeber mit 3 : 0. Mittlerweile hatte man die Zuschaueranzahl auf 75.000 erhöht. Wie wir alle wissen, hatte der TSV das Mietverhältnis Mitte 2017 aufgehoben und wird nie wieder in das Stadion zurückkehren. 

Blick auf das Spielfeld der Allianz Arena aus der Gästekurve
Forza SVW

Alle Jahre wieder

Schon wieder der Jakobsweg von der U-Bahn zum Stadion. 1000 Stufen, die erklimmt werden möchten. Da hat man die Stadionbratwurst doch gleich wieder verbrannt. Oben angekommen, gibt es von den Ultras weiße T-Shirts zu kaufen. „Alle in Weiß nach München“ hieß es. Natürlich unterstütze ich meine Mannschaft mit dem Support und die Ultras für die Nächste Choreo damit. Und das WIR Gefühl steigt noch mehr.

Am Bratwurststand sehe ich dann doch tatsächlich, dass es auch Popcorn gibt. Für schlappe 4 Euro. Es ist ein Stadion, kein Kino! Auch, wenn manch Schauspieler gerne auf dem Rasen der Arroganz-Arena zum Einsatz kommt. Apropos Schauspieler. Lustig fand ich auch den Kommentar von Thomas Müller, der doch tatsächlich nach dem Düsseldorf Spiel behauptete, er würde nie einen Elfmeter verwandeln, wenn dieser unberechtigt vom Schiedsrichter vergeben worden sei. Klar, Herr Müller würde so etwas nie machen. 2016 Werder gegen Bayern im Pokal Halbfinale. Vidal´s Schwalbe forderte unfairer Weise den Elfmeter für die Rot-Weißen. Was habe ich damals getobt vor dem Fernseher. Das ganze Spiel wäre anders ausgegangen, hätte Vidal damals fairen Fußball gespielt. Schwalbe hin oder her. Wer hat den damaligen Elfmeter verwandelt? Kein anderer als Herr Thomas Müller höchstpersönlich.

Manchmal frage ich mich, ob der Typ nur einmal nachdenkt, bevor er den Mund aufmacht. Eher unwahrscheinlich. Dieses Jahr haben wir etwas gutzumachen. FORZA SVW!

Bus der Werder Mannschaft vor dem Hotel
Hier regiert der SVW

Wir und sonst keiner 

Ab in den Block. Alle in Weiß. Die Fans, das sind WIR. Die Stimmung ist von Anfang an famos. Jeder ist heiß auf dieses Spiel und es liegt in der Luft, dass heute mehr drin ist. Heute gehen wir im wahrsten Sinne des Wortes — STEIL! Das ist die Arena nämlich auch. Hier hat man übrigens wirklich Höhenangst, wenn man unter dieser Phobie leidet. 

Es geht los und die Erste Halbzeit wird angepfiffen. Die Münchener Fans halten während des Spiels noch ein Banner hoch. Was das wohl heißen mag, wissen die Anhänger nur selbst. Ich kann mir bis heute noch keinen Reim darauf bilden. Gerne Anregungen an mich :-). 

Ein Banner mit einer Aufschrift der Bayern Fans
Wer kann hier behilflich sein?

Die Bremer stehen hinten. Die Bayern blitzen zwar ab und zu durch, kommen aber zu keinem Erfolg. Die erste Halbzeit ist relativ ausgeglichen und ich bin wie in Trance in der Kurve und singe lauthals zu dem Takt der Trommel. Das ist Musik. Je mehr Energie von uns aus geht, desto mehr Energie haben die Spieler. Das bilde ich mir zumindest ein. Nach 45 Minuten und einem 0 : 0 ist einfach noch alles drin. Die Stimmung ist weiterhin am Kochen. Das bleibt sie auch bis wir die 58. Minute schreiben. Da sieht Milos Veljkovic nämlich rot. Ich übrigens auch. War das wirklich nötig?!

Jetzt spielen wir nur noch zu zehnt! Muss denn immer ein Spiel auf diese Art und Weise entschieden werden? Ca. 20 Minuten später klingelt es dann auch für die Gastgeber. Ich könnte kotzen! Da jubeln wieder die Erfolgsfans. Es ist unerträglich. Hoffentlich muss ich das heute nicht noch ein zweites Mal ertragen. Wir geben noch einmal Vollgas. Ein Unentschieden wäre unfassbar wichtig und gut! Leider kommt es zu keinem weiteren Tor. Ein Tor der Grün-Weißen hätte mir gut gefallen. 

Fans in der Kurve
Hauptsache wir haben Spaß

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Nicht nur eine Serie geht zu Ende. Die Serie, 2019 noch kein einziges Mal verloren zu haben, sondern auch die, in jedem Spiel als einziger Bundesligist getroffen zu haben, ist nun vorbei. Beider wurden wir heute beraubt. 

Eine Serie gibt es allerdings noch. Die, im Bremer Weserstadion Zuhause im Pokal seit 1988 ungeschlagen zu sein. Der Pokal schreibt eben seine eigenen Gesetze und über die wird Euch Olaf Kretschmer im nächsten Beitrag, in Runde 2 berichten! 

Mein Heimspiel – 3x ist Bremer Recht

Das letzte Spiel der Saison steht an. Nicht irgendwo – Nein – im Wohnzimmer. Ich bin wieder einmal Zuhause und nehme euch mit. In 3 Teilen erzähle ich euch vom Spieltag, meiner Heimat und warum es toll ist, Bremer zu sein. 

„Abschweifen erlaubt“ ist hier das Motto. Also lehnt euch zurück, lasst euch berieseln und inspirieren, den nächsten Ausflug nach Bremen mit anderen Augen zu sehen. Los geht’s.

Jetzt ist sie weg…

Bremen. Mehr als nur Heimat. Der gesamte Norden hat eine besondere Bedeutung für mich. 

Meine Eltern sind 1996 nach Bayern gezogen. Da man mit 6 Jahren noch nicht wirklich Mitspracherecht hat, musste ich mit. Ich weiß bis heute nicht wie sie meinen großen Bruder bestochen haben, der damals 15 Jahre alt war. 

Ich mit 5 Jahren. Im Werder Trikot im Werder Zimmer
SVW – seit ich denken kann. Und es gibt einen Beweis: Auf dem Foto bin ich 5 Jahre alt

Das schlimmste waren nicht mal das Haus oder die Umgebung. Viel mehr war die bayerische Mentalität das Problem. Eine völlig neue Welt und was mir am meisten fehlte, war meine Familie. Klar, meine Eltern waren immer da. Dennoch fielen riesige Säulen weg, die ich sonst jeden Tag um mich hatte. Meine Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten. Alle weg. Freunde aus dem Kindergarten… weg. 

Schule war der reinste Horror. Niemand kannte Bremen. Man hänselte mich, weil ich ihren Dialekt nicht sprach oder verstand. Weil ich anders war. Und etwas, das ich selbst in jungen Jahren verteidigte, war dieser eine Fußballverein, dessen Trikot in Grün-Weißem Glanz leuchtet. Werder Bremen.

Blick auf ein Plakat, das am Weserstadion hängt mit der Aufschrift: Für Euch
Für Euch hab ich das alles getan

Ein Riesen Patzer von Oli Kahn

Hach, das ist Musik. Ich habe wirklich viel für diesen Verein eingesteckt. Unglaublich wie grausam Kinder sein können. Sie hatten doch alle keine Ahnung. 2004 war dann alles anders. An dem Tag, als wir im Olympiastadion in München mit 3 : 1 die Bayern „wegfegten“ und Deutscher Meister wurden, da drehten wir in unserer Familie wirklich durch. Den Montag danach könnt ihr euch nicht vorstellen. Ich fühlte mich großartig. Sonnenbrille auf, Werder Trikot an. Die Sonne schien. Die Schultür zur Aula öffnet sich und im Hintergrund läuft ein Ghettoblaster der „Man in Black“ aus dem gleichnamigen Film mit Will Smith, zum Besten gibt. 

Ja, so ähnlich war das damals☺. Kurze Zeit darauf schnappte sich der SVW dann auch noch den DFB Pokal und wir waren Double Sieger. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Bruder auf der Couch saß und Tränen in den Augen hatte. Wir freuten uns aus tiefstem Herzen. Meine Mutter meinte damals zu mir: „Das wirst du vielleicht nie mehr erleben.“ Sie war schon immer optimistisch☺. Das ist Leidenschaft. Wir werden vielleicht nicht jedes Jahr Deutscher Meister wie der FC Bayern. Aber wir wissen es zu schätzen, wenn der Zeitpunkt da ist. 

Wo die Weser einen großen Bogen macht

Der richtige Zeitpunkt ist übrigens auch jetzt da. Die Sonne strahlt über das Bremer Weserstadion und wir sind voller Vorfreude auf das letzte Spiel in der schönsten Stadt. Nach einer Fischfrikadelle im Brötchen und einem leckeren Stadion Bier, könnte die Laune nicht besser sein. An dieser Stelle möchte ich DANKE für so gutes Bier sagen. Herr Haake Beck – Sie sind der Beste☺! Das vermisse ich immer wieder auf Auswärtsfahrten. Gutes Bier! 

Blick auf das Weserstadion von Außen hinter den Grünanlagen
Das Weserstadion strahlt hinter den Bäumen empor

Danke für euer Engagement

Bei gemütlichem Schnack in der Sonne, entdecke ich am Rande der Straße einen Stand. Ich habe in der Augsburger Punktekiste schon einmal über diese Aktion berichtet.

Drei Werder Fans stehen vor dem Stadion mit einem Becher Bier in der Hand und genießen das gute Wetter
Bestens gelaunt vor dem Stadion

Ich finde die Arbeit, die diese Herrschaften da machen aber so unendlich gut, dass ich hier noch ein paar Zeilen über sie schreiben möchte. DAUMEN HOCH! Ein Thema, das nie unterschätzt werden darf. Bei meinem letzten „stöbern“ in diversen Foren auf Facebook, stieß ich auf den Beitrag über diese Kampagne. Darüber, dass Werder hier weiterhin tatkräftig unterstützt.

Ich war ziemlich verwundert, als ich dann über die Kommentare stolperte. Viele negative Statements. Da muss ich an dieser Stelle wirklich mal was loswerden: Solche Aktionen sind erforderlich, weil dieses Land unendlich viele Bürger hat, die der Meinung sind, ihre Herkunft macht sie zu etwas besonderem. Nicht nur Farin Urlaub hat das erkannt:

„Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben. Denn auch diese Leute wollen sich gut fühlen und auf irgendwas stolz sein. Also suchen sie sich jemanden aus, der anders ist als sie, und halten sich für besser. Oder sie sind bekloppterweise stolz darauf, deutsch zu sein, wozu keinerlei Leistung ihrerseits nötig war.“

Dieses Zitat, gab der Musiker dem Magazin „Frizz Halle“ und stieß eine Diskussion an, die ich auch aufgreifen möchte. Wenn von ihm auch nicht auf Fußball oder Stadien bezogen, steckt Wahrheit in seinen Zeilen.

Blick auf den Stand der Aktion: Nazis Raus aus den Stadien
Im Ostkurvensaal geht die Aktion in die 2. Runde

Bei mir fing es in der Schule an. Ich war anders, weil ich nicht aus Bayern kam. Stolz bin ich drauf! Zwar schlug mir keine körperliche Gewalt entgegen, doch wurde ich auf sehr verletzende Art gehänselt, weil ich anders war – und Flagge gezeigt habe. Das tue ich bis heute. Ich habe mich nie versteckt und das tue ich auch heute nicht. Ich habe mir ein T-Shirt gekauft – genau an diesem Stand.

Nazis raus aus den Stadien!

Auf dem dunkelgrünen Shirt steht: „Nazis raus aus den Stadien“ Und ich werde nicht eher aufhören darüber zu schreiben, bis wir den allerletzten Nazi aus jedem Stadion verbannt haben. Es gibt nur eine Art von Mensch, die ich wirklich verachte und das sind die, die bis heute nicht verstanden haben, dass ein Mensch niemals über das Leben oder den Tod eines anderen entscheidet. Schon gar nicht aufgrund seiner Herkunft. Wenn ich dann diese Kommentare lese, weiß ich, dass hier noch viel mehr passieren muss.

Also kauft euch ein Shirt. Unterstützt die Kampagne. Guckt Jan Böhmermann. ☺ (Unabhängig von allem – Bremer sind eben die Besten). Schreit es raus und tragt ein Stück Menschlichkeit in die Welt. Wählt nicht die AFD. Verfolgt meinen Blog und hängt eure Zähne häufiger an die Luft zum Trocknen. 

Frontaufnahme des Standes der Aktion Nazis Raus aus den Stadien im Freien
Guter Zweck und gutes Zeug

Zurück zum Stadion

Endlich geht es in den Block. Ostkurve. Oh du schönes Weserstadion, wie ich dich vermisst habe. Das letzte Mal gegen Stuttgart war ich hier. Wir sind Fanclub des Jahres geworden. Es war kalt. Heute scheint mir die Sonne ins Gesicht. Ich treffe Freunde und es gibt gutes Bier von Herrn Beck. Jetzt müssen nur noch 3 Punkte her und eine Niederlage vom HSV. DRINGEND! Das Abrisskommando für die Uhr im Stadion steht bereit. Wartet auf Freigabe… 

Blick auf das Spielfeld im Weserstadion
In wenigen Minuten wird das letzte Heimspiel angepfiffen

Nicht nur das letzte Heimspiel der Saison steht an, sondern auch das letzte von Zladdi. Dazu komme ich später noch. Jetzt gehen erst einmal die Arme hoch. Nicht nur meine – ALLE. Jeder Fan hält seinen Werder Schal hoch und es ertönt eine Melodie aus dem Off. Die Zeilen beginnen mit: „Was für ein Jahr wir waren immer voll da…“ Ja, das waren wir. Mehr als nur dabei. Kilometerweit gereist. Viel erlebt und nie kam Spaß zu kurz. Freundschaften wurden geschlossen, Tore bejubelt, Tränen vergossen. Wir waren wirklich immer da. 

Fünf Freunde im Weserstadion
5 Freunde sollt ihr sein

Als wir die Hände hochheben und den Werder Schal zeigen, bekomme ich Gänsehaut. Mein Freund, der noch nie im Weserstadion dabei war, ebenfalls. Da springt der Funke über. Da gehört jeder zusammen. Und auch wenn wir dieses Jahr nicht im DFB Pokal Finale stehen oder Deutscher Meister geworden sind, klatschen wir Werder Applaus. Ich stehe in der Kurve, mit dem breitesten Lächeln im Gesicht. Zufrieden mit dem was ist. Einfach nur da als ein Teil vom großen Ganzen und lasse den Moment einfach sein und singe lauthals mit. 

Werder Bremen – Lebenslang Grün-Weiß. Wir gehör’n zusammen – ihr seid cool und wir sind heiß.

Wie es weitergeht und was noch so alles kommt – Nächste Woche im 2. Teil!