You never walk alone

Blick auf den Signal Iduna Park in Dortmund

Sport. Philosophie. Leidenschaft. Familie. Glück. Trauer. All das ist Fußball – und noch so viel mehr. Heute schreibe ich über den letzten Spieltag der Saison 2016 / 2017. Das letzte Spiel des SV Werder Bremen. Das letzte Mal auswärts. Zu Gast beim BVB.

Zu mir…

Mein Name ist Nadine Becker. Ich lebe seit dem 06.12.1996 in Bayern. Geboren bin ich in Bremen, aufgewachsen hier im Süden und – seit ich denken kann – Werder Fan. Das war in meiner Schulzeit nicht immer leicht und ich muss zugeben, ohne Werder hätte ich nicht dieses dicke Fell und diese starke Bindung zum Fußball, die ich heute besitze. Mein Bruder trägt wohl einen großen Teil dazu bei, dass mein Herz für die Werderaner schlägt. Danke an dieser Stelle. Seit zwei Jahren lebe ich nun in der bayerischen Landeshauptstadt und bin stolzes Mitglied bei Grün-Weißes München.

Nadine Becker & Schal von Grün-Weißes München
Nadine Becker | Mit dem Schal von Grün-Weißes München

Wie alles begann…

Da ist er nun – MEIN BLOG. Schon so lange plane ich ihn. Hier ist er. Die ganze Idee kam mir eines Abends, auf der Heimfahrt von Dortmund nach München im ICE. Wir hatten verloren. Mit einer gigantischen Euphorie sind wir zum letzten Bundesligaspiel gefahren. Geträumt von Europa – da kam die Nadel, die den Traum platzen ließ – Aubameyang. Wenn ich die Hinfahrt mit der Rückfahrt vergleiche, muss ich feststellen, es handelt sich um zwei verschiedene Welten. Aber genau das ist Fußball. Manchmal begießt man es mit Bier – viel öfter aber mit Tränen. Das ist pure Leidenschaft. Du stehst auf, wenn andere noch schlafen, mit halb offenen Augen werden Flaschenhälse geöffnet und man nimmt hunderte Kilometer auf sich.

Fußball kann so viel mehr. Es ist Sport, Philosophie, Leidenschaft, Familie, Glück und Trauer.

So sitzt man schließlich nicht alleine im ICE, sondern mit guten Freunden, die dich und deine Ticks besser kennen und verstehen, als so manch enger Freund. Nach einer langen aber dennoch lustigen Fahrt mit Gleichgesinnten, kommen wir endlich an. Dortmund. Wir befinden uns also im Ruhrgebiet. Die Stahl-Luft kann man förmlich riechen. 1.100 Jahre reicht die Geschichte zurück – viel zu viel um hier alles aufzuzählen.

Das wichtigste in Kürze zu Dortmund

Mit 590.000 Einwohnern ist sie doch tatsächlich die bevölkerungsreichste Stadt im Ruhrgebiet und in Deutschland immerhin die achtgrößte. Kein Wunder, dass diese Stadt das größte Stadion Deutschlands, den Signal Iduna Park, in sich trägt. Außerdem ist Dortmund für viele weitere Wahrzeichen bekannt. Hierzu zählen unter anderem:

Summa summarum: Die Stadt hat viel zu bieten. Es lohnt sich also auch ohne sportlichen Hintergrund Dortmund einen Besuch abzustatten.

Aussicht auf den Florianturm in Dortmund bei Nacht
Der Florianturm in Dortmund spiegelt sich im Wasserglanz bei Nacht.

Throtmanni (so wurde die Dortmund wohl früher genannt) hatte aber auch ihre schlechten Tage. So wurde dieses Fleckchen Erde während des Zweiten Weltkriegs durch insgesamt 105 Luftangriffe und mehr als 22.242 Tonnen Bomben zu 98 Prozent zerstört. Donner und Doria – 98 Prozent! Der Großangriff vom 12. März 1945 mit 1.108 Flugzeugen, beladen mit über 50.000 Minen-Sprengbomben, gilt dabei als größter konventioneller Bombenangriff, der weltweit je gegen eine Stadt geflogen wurde.
Danach kam alles zum Erliegen. Als wir durch die Stadt schlendern, fällt nichts mehr davon auf. Das liegt an dem wahnsinnig schnellem Wiederaufbau, den Dortmund damals startete. Die Nachfrage nach Stahl und Eisen trug natürlich einen großen Teil dazu bei. Wie ein Phönix aus der Asche, erkämpften sich die Menschen den Ort zurück, indem wir uns gerade befinden, um uns das zu holen, was uns zusteht – die letzten drei Punkte der Saison.

Vor dem Spiel

Die Sonne scheint und die Fans, die sich am Hauptbahnhof versammeln, sind voller Vorfreude auf das letzte Spiel der Saison 2016/2017. Das ist immer etwas ganz besonderes. Alle Spiele beginnen um 15:30 Uhr. So mancher Verein kämpft heute das letzte Mal in der ersten Bundesliga; im Unklaren, ob er nächste Saison noch zu den Erstligisten zählt.

Wehende Werder-Bremen-Fahne
Wehende Fahnen: Wir starten nach Dortmund

Danke Alex

Es ist jedes Mal aufs Neue verrückt, was hier noch alles passieren kann. Die Spannung steigt. Für die Grün-Weißen ist heute mehr drin. Heute können wir uns ein letztes Mal beweisen und uns den Platz in Europa erkämpfen. „Was war das eine Saison“, denke ich mir. Der Start, holprig. Man sprach am Ende der Hinrunde vom Abstieg. Doch dann kam der Mann der Stunde zu Werder. Nouri. Die Rückrunde war ein absoluter Traum. Die Mannschaft war wie ausgewechselt und ich erkannte sie nicht mehr wieder. Es machte wieder Spaß. Spaß, diesen Menschen beim Kicken zuzusehen. Und jeden erinnerte diese Elf an die Werte, die sie ausmachte. Mit Alexander Nouri startete der Befreiungsschlag raus aus dem Tabellenkeller. Auch das kann Fußball.

Wer macht das Spiel?

Ach ja, wir stehen am Hauptbahnhof, stimmen uns ein und begeben uns Richtung Stadion. Einige Leute kommen uns entgegen und eine ältere Dame fragt, wer heute das Spiel machen wird. War das gerade eine ernsthafte Frage? Als würden wir den Weg auf uns nehmen, um zu verlieren – machen wir immer so! Was für eine Frage; wir machen das Spiel.

Im Stadion – 90 Minuten 

Wir stehen in der Kurve. Es ist ziemlich eng hier, da die Herrschaften im Signal Iduna Park wohl mehr auf das Geld geachtet haben, anstatt auf die Menschen. Somit waren viel zu viele Menschen im Stadion. Aber nun gut. Die Mannschaftsaufstellung wird präsentiert. Komisch, bei Dortmund hat jeder den gleichen Nachnamen…

YOU NEVER WALK ALONE

Alleine beim Schreiben der Worte „You never walk alone“ bekomme ich wieder Gänsehaut. Das Bild der gelben Wand. So oft im Fernsehen gesehen – jetzt live. Was für ein Gefühl. Die Enge ist längst vergessen. Alles was beim Anpfiff in meinem Kopf war: „Forza SVW!“

Nach kurzer Zeit passiert das Verrückteste überhaupt. Nach einem Torschuss, schaut der Schiri auf die Uhr, zeigt „Tor“ an und alle rasten aus. Nicht, dass ich das Gefühl nicht kenne, zu führen – das  war in der Rückrunde häufig der Fall. Aber das Tor scheint zuerst nicht hinter der Linie. Nach dem Blick auf die Uhr gehen wir in Führung. Zuerst der Seufzer der Fans in Grün-Weiß – dann der Torjubel. Es wird nass. Ein voller Becher hat mich getroffen – ich blieb unverletzt 🙂

Die Antwort

Da vorne auf der Tafel steht wirklich 0 : 1. Kurz denke ich noch einmal an die Frau, die mich gefragt hat, wer heute das Spiel machen wird. Hier war die Antwort. Man liegt sich in den Armen. Manchmal kenne ich die Leute neben mir gar nicht. Aber irgendwie gehört man zusammen. Es ist familiär. Auch das kann Fußball.

Die Mannschaft des SVW mit Danke-Banner
Der SVW sagt Danke für 34 Heimspiele

Insgesamt hat es sieben Mal geklingelt und am Ende, nach 2 Strafstößen für die Dortmunder, unterlagen wir mit 4 : 3. Was waren wir enttäuscht. Die Stimmung war dennoch gut. Nach dem Spiel kam der SVW mit einem Banner auf dem stand: „Danke für 34 Heimspiele.“ Mir kamen fast die Tränen. Auch, weil sich die Bundesliga jetzt in die Sommerpause verabschiedet. Wie soll man das bloß überleben? Was übrig bleibt: Die Freundschaft, die Erinnerung an die vergangene Saison und all die verrückten, glücklichen und traurigen Momente. Pure Emotionen. Leidenschaft. Familie.

Die Heimfahrt – Ein 600 km langes Resümee 

So kam mir die Idee zu diesem Blog. Im ICE auf der Heimfahrt nach diesem Spiel. Der Alkoholpegel geht zurück. Meine Freunde schlafen und ich sitze noch immer da. Lass in diesen Momenten gerne noch einmal alles Revue passieren und schreibe Gedanken auf, um die Stimmung festzuhalten.
Denn egal was im Leben auch passiert, du bist immer da du schöner SVW. Du siehst uns nicht. Doch du kannst jeden Samstag im Stadion hören, dass wir da sind und an deiner Seite stehen. In guten wie an schlechten Tagen. Tage wie diese.

Autor: aufeinspiel

Nordisch by Nature!

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